Comics Jenseits von AsterixSeite 2/2

Das ändert sich in größerem Maßstab erst, als die Hippie- und Studentenbewegung den Comic zu ihrem Leitmedium erhebt und die Omnipotenzfantasien der Superhelden-Zeichner durch autobiografische Alltagserzählungen ersetzt. Die historischen Comics, die seit dieser Underground-Ära in den USA entstehen, sind stark von dieser autobiografischen Perspektive geprägt. So entwirft der Comic-Theoretiker und ehemalige Superhelden-Zeichner Will Eisner in der Geschichtensammlung A Contract With God (1978) ein trotz detaillierter Stadtansichten skizzenhaft wirkendes Sittengemälde seines ärmlichen Herkunftsviertels, der New Yorker Bronx.

Für diese Geschichten, die der Carlsen Verlag gerade in einem prächtigen Sammelband neu aufgelegt hat, verwendet Eisner erstmals den Begriff »Graphic Novel«, mit dem heute generell »anspruchsvolle« Comicliteratur bezeichnet wird. Art Spiegelman dagegen greift in Maus, der Geschichte seiner den Holocaust überlebenden Eltern, ganz bewusst auf Stilmittel des Heftchencomics zurück und bedient sich vermenschlichter Tierfiguren, um das Undarstellbare darzustellen: den millionenfachen Mord in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern.

Maus, nach fast 20 Jahren Vorarbeit in zwei Bänden 1989 und 1992 erschienen, ist nicht zuletzt deshalb so beeindruckend, weil Spiegelman den Entstehungsprozess des Werks sichtbar macht: die schwierigen Gespräche mit seinem Vater, die Unmöglichkeit, ein »realistisches« Bild des Holocaust zu zeichnen. Gerade weil Spiegelman gar nicht erst versucht, Objektivität vorzugaukeln, ist sein Comic von besonderer Wahrhaftigkeit.

Was geschieht, wenn solche Selbstreflexion fehlt, zeigt sich in Jason Lutes’ noch nicht abgeschlossener Berlin-Trilogie, einer reinen intellektuellen Fleißarbeit. Akribisch hat der US-Amerikaner Dokumente aus dem Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre studiert; sein Comic ist ein Historiengemälde der untergehenden Weimarer Republik. Vor realistisch wiedergegeben Stadtansichten lässt der begabte Zeichner sein Personal auftreten. Doch seine Charaktere tragen allzu schwer an der Bürde, eine Facette des auseinanderberstenden soziopolitischen Kosmos der späten Weimarer Jahre verkörpern zu müssen. Der Wille, alles richtig zu machen und ein möglichst genaues historisches Bild zu konstruieren, geht hier paradoxerweise zulasten der Glaubwürdigkeit.

Die besten Geschichtscomics sind denn auch jene, die mit dem grundlegenden Minimalismus des Mediums umzugehen verstehen, also sich mit klaren Bildern, knappen Dialogen und der schlichten Reihung von Panels ganz auf ihre Erzählung konzentrieren. Auf ungewöhnliche Weise ist dies der Hamburger Künstlerin Line Hoven in Liebe schaut weg (2007) gelungen. In höchst verdichteter Form erzählt sie darin aus ihrer Familiengeschichte, angefangen bei den Großeltern; die Bilder sind aus schwarzen Schabkartons herausgekratzt.

Zu überzeugen weiß auch Gift, eine gerade erschienene Graphic Novel von Peer Meter und Barbara Yelin über die Hinrichtung der Giftmischerin Gesche Gottfried im Bremen des Jahres 1831. Eine Schriftstellerin, die bei Recherchen zu einem Stadtporträt auf diesen Fall stößt, versucht die Motive der psychisch kranken Mörderin zu ergründen – und wird mit einer Männerwelt konfrontiert, die ihr Urteil über die »böse Frau« schon längst gefällt hat. Bilder und Texte sind hier zu einer untrennbaren Einheit verbunden.

Völlig zu Recht ist Gift als bester deutscher Comic für den Max-und-Moritz-Preis nominiert worden, der beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen verliehen wird. Werke wie diese zeigen, dass der ambitionierte Geschichtscomic – mit Verspätung – auch in Deutschland angekommen ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Comics sind Dreck, immer und überall. Wer dieses Mittel einsetzt, dem geht es niemals um geschichtliche Aufklärung, sondern ausschließlich um Indoktrination. Die in dem Artikel von Katja Lüthge genannten Sachverhalte bestätigen dies.
    Das beste Archiv für Comics aller Art ist die blaue Tonne.

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    das hier mit Kindern zu tun?

    nichts ist immer und überall "Müll", und ich finde den Versuch, Menschen das im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibbare in Bildern zu vermitteln, sehr gut. Man kann von Leichen schreiben und lesen, doch in alles Drastik zu SEHEN, was ein MP-Magazin aus einem menschlichen Körper macht, ist etwas ganz anderes und mitunter sehr lehrreich für solche, die immer noch denken, dass Krieg irgendeine Berechtigung ahben könne. Den das, was man sieht, wenn man einen Krieg betrachtet, ist nun einmal durch NICHTS zu rechtfertigen, erklären oder beschönigen.

    Comics sind ein Medium, so wie Film und Buch auch; manchmal sind Comics auch Kunst, Viele einfach nur Unterhaltung, wie bei anderen Medien auch. Wieso Comics „Dreck“ sind, konnten Sie nicht überzeugend darlegen. Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben. Tip: Maus von Art Spiegelman ist ein interessanter Anfang.

    • 42317
    • 07.06.2010 um 13:29 Uhr

    Ihre kulturelle Unflexibilität ist geradezu abstoßend. Es gibt gute und schlechte Comics, wie es gute und schlechte Filme, und gute und schlechte Literaturwerke gibt.

    Bei der Einstellung "Comics sind entweder für Kinder oder Perverse und niemals von kulturellem Wert" handelt es sich um ein verstaubtes Relikt altbackener deutscher Pädagogik, die am liebsten auch weiterhin versuchen möchte, das Erlernen z.B. einer Sprache durch das Auswendiglernen von grammatischen Formen herbeizuführen.

    Warum glauben Sie kennen heutige Teenager die Evolutionsstufen jedes Pokemons besser, als Dreisatzrechnung? Das sagt durchaus etwas über Verbesserungsbedarf bei unseren Lehrmethoden aus. Sind Sie einmal auf die Idee gekommen, dass jeder Mensch am effizientesten dann lernt, wenn ihm gar nicht bewusst ist, dass er lernt, weil er auf eine Art und Weise Informationen aufnimmt, die möglicherweise Spaß macht?

    In Bezug auf Darstellungen von historischen Gemetzeln kann man nicht von Spaß reden, aber es handelt sich um ein Medium, das mit optischen Eindrücken arbeitet, die die Informationsaufnahme durch Assoziation vereinfachen können.
    Natürlich muss die Qualität der dargebotenen Informationen garantiert sein, aber sofern der Inhalt, die historische Wahrheit (falls es so etwas gibt), stimmig ist, spricht letztendlich absolut nichts gegen die Verwendung dieses Genres.

    das hier mit Kindern zu tun?

    nichts ist immer und überall "Müll", und ich finde den Versuch, Menschen das im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibbare in Bildern zu vermitteln, sehr gut. Man kann von Leichen schreiben und lesen, doch in alles Drastik zu SEHEN, was ein MP-Magazin aus einem menschlichen Körper macht, ist etwas ganz anderes und mitunter sehr lehrreich für solche, die immer noch denken, dass Krieg irgendeine Berechtigung ahben könne. Den das, was man sieht, wenn man einen Krieg betrachtet, ist nun einmal durch NICHTS zu rechtfertigen, erklären oder beschönigen.

    Comics sind ein Medium, so wie Film und Buch auch; manchmal sind Comics auch Kunst, Viele einfach nur Unterhaltung, wie bei anderen Medien auch. Wieso Comics „Dreck“ sind, konnten Sie nicht überzeugend darlegen. Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben. Tip: Maus von Art Spiegelman ist ein interessanter Anfang.

    • 42317
    • 07.06.2010 um 13:29 Uhr

    Ihre kulturelle Unflexibilität ist geradezu abstoßend. Es gibt gute und schlechte Comics, wie es gute und schlechte Filme, und gute und schlechte Literaturwerke gibt.

    Bei der Einstellung "Comics sind entweder für Kinder oder Perverse und niemals von kulturellem Wert" handelt es sich um ein verstaubtes Relikt altbackener deutscher Pädagogik, die am liebsten auch weiterhin versuchen möchte, das Erlernen z.B. einer Sprache durch das Auswendiglernen von grammatischen Formen herbeizuführen.

    Warum glauben Sie kennen heutige Teenager die Evolutionsstufen jedes Pokemons besser, als Dreisatzrechnung? Das sagt durchaus etwas über Verbesserungsbedarf bei unseren Lehrmethoden aus. Sind Sie einmal auf die Idee gekommen, dass jeder Mensch am effizientesten dann lernt, wenn ihm gar nicht bewusst ist, dass er lernt, weil er auf eine Art und Weise Informationen aufnimmt, die möglicherweise Spaß macht?

    In Bezug auf Darstellungen von historischen Gemetzeln kann man nicht von Spaß reden, aber es handelt sich um ein Medium, das mit optischen Eindrücken arbeitet, die die Informationsaufnahme durch Assoziation vereinfachen können.
    Natürlich muss die Qualität der dargebotenen Informationen garantiert sein, aber sofern der Inhalt, die historische Wahrheit (falls es so etwas gibt), stimmig ist, spricht letztendlich absolut nichts gegen die Verwendung dieses Genres.

  2. das hier mit Kindern zu tun?

  3. nichts ist immer und überall "Müll", und ich finde den Versuch, Menschen das im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibbare in Bildern zu vermitteln, sehr gut. Man kann von Leichen schreiben und lesen, doch in alles Drastik zu SEHEN, was ein MP-Magazin aus einem menschlichen Körper macht, ist etwas ganz anderes und mitunter sehr lehrreich für solche, die immer noch denken, dass Krieg irgendeine Berechtigung ahben könne. Den das, was man sieht, wenn man einen Krieg betrachtet, ist nun einmal durch NICHTS zu rechtfertigen, erklären oder beschönigen.

  4. @Partylöwe

    Bleiben Sie doch bitte sachlich. Der Comic ist einfach
    eine Art (durchaus auch im Sinne von Kunst zu verstehen)
    von vielen, um Geschichten zu erzählen (Bildroman eben).
    Wie Bücher, Spielfilme, Hörspiele, etc…
    Den Inhalt kann man mögen oder nicht.
    Geschmack ist subjektiv.

    Mit freundlichem Gruß

  5. Comics sind ein Medium, so wie Film und Buch auch; manchmal sind Comics auch Kunst, Viele einfach nur Unterhaltung, wie bei anderen Medien auch. Wieso Comics „Dreck“ sind, konnten Sie nicht überzeugend darlegen. Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben. Tip: Maus von Art Spiegelman ist ein interessanter Anfang.

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    „...manchmal sind Comics auch Kunst...“
    Sie meinen sicher:

    http://www.popartists.com...

    „ Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben.“
    Sie sollten in Ihren Kommentaren von unüberdachten Unterstellungen Abstand nehmen.

    „...manchmal sind Comics auch Kunst...“
    Sie meinen sicher:

    http://www.popartists.com...

    „ Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben.“
    Sie sollten in Ihren Kommentaren von unüberdachten Unterstellungen Abstand nehmen.

    • 42317
    • 07.06.2010 um 13:29 Uhr

    Ihre kulturelle Unflexibilität ist geradezu abstoßend. Es gibt gute und schlechte Comics, wie es gute und schlechte Filme, und gute und schlechte Literaturwerke gibt.

    Bei der Einstellung "Comics sind entweder für Kinder oder Perverse und niemals von kulturellem Wert" handelt es sich um ein verstaubtes Relikt altbackener deutscher Pädagogik, die am liebsten auch weiterhin versuchen möchte, das Erlernen z.B. einer Sprache durch das Auswendiglernen von grammatischen Formen herbeizuführen.

    Warum glauben Sie kennen heutige Teenager die Evolutionsstufen jedes Pokemons besser, als Dreisatzrechnung? Das sagt durchaus etwas über Verbesserungsbedarf bei unseren Lehrmethoden aus. Sind Sie einmal auf die Idee gekommen, dass jeder Mensch am effizientesten dann lernt, wenn ihm gar nicht bewusst ist, dass er lernt, weil er auf eine Art und Weise Informationen aufnimmt, die möglicherweise Spaß macht?

    In Bezug auf Darstellungen von historischen Gemetzeln kann man nicht von Spaß reden, aber es handelt sich um ein Medium, das mit optischen Eindrücken arbeitet, die die Informationsaufnahme durch Assoziation vereinfachen können.
    Natürlich muss die Qualität der dargebotenen Informationen garantiert sein, aber sofern der Inhalt, die historische Wahrheit (falls es so etwas gibt), stimmig ist, spricht letztendlich absolut nichts gegen die Verwendung dieses Genres.

  6. „...manchmal sind Comics auch Kunst...“
    Sie meinen sicher:

    http://www.popartists.com...

    „ Sie sollten vielleicht mal das Thema Comics genauer betrachten bevor Sie unüberdachte Kommentare schreiben.“
    Sie sollten in Ihren Kommentaren von unüberdachten Unterstellungen Abstand nehmen.

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    Weder in ihrer oben stehenden Polemik, noch in ihrer subtil andeutenden Antwort auf kritische Kommentare finde ich irgendwelche stichhaltigen Argumente. Ihr sehr provokantes Auftreten lässt einzig auf ein hohes Aggressionspotential schließen, gibt mir aber nicht den geringsten Grund Comics anders zu sehn, als vorher. Nämlich als ein wunderbares Werkzeug zum Ausdruck unterschiedlichster Inhalte. Genauso wenig verwerflich wie ein Messer: Sie wissen schon, man kann damit Brot schneiden oder seine Mitmenschen angreifen.
    Genau unter diesen Gesichtspunkten empfehle ich ihnen auch ihren Schreibstil ein wenig konstruktiver zu gestalten.

    Lichtenstein hatte ich nicht im Kopf, der hat keine Comics gezeichnet. Ich hatte Comics im Sinn, die ich persönlich für Kunst halte.

    Ob Sie Comics mögen oder nicht ist mir persönlich egal, aber das Statement "Comics sind Dreck, immer und überall." sieht für mich sehr nach einer "unüberdachten Unterstellung" aus.

    Weder in ihrer oben stehenden Polemik, noch in ihrer subtil andeutenden Antwort auf kritische Kommentare finde ich irgendwelche stichhaltigen Argumente. Ihr sehr provokantes Auftreten lässt einzig auf ein hohes Aggressionspotential schließen, gibt mir aber nicht den geringsten Grund Comics anders zu sehn, als vorher. Nämlich als ein wunderbares Werkzeug zum Ausdruck unterschiedlichster Inhalte. Genauso wenig verwerflich wie ein Messer: Sie wissen schon, man kann damit Brot schneiden oder seine Mitmenschen angreifen.
    Genau unter diesen Gesichtspunkten empfehle ich ihnen auch ihren Schreibstil ein wenig konstruktiver zu gestalten.

    Lichtenstein hatte ich nicht im Kopf, der hat keine Comics gezeichnet. Ich hatte Comics im Sinn, die ich persönlich für Kunst halte.

    Ob Sie Comics mögen oder nicht ist mir persönlich egal, aber das Statement "Comics sind Dreck, immer und überall." sieht für mich sehr nach einer "unüberdachten Unterstellung" aus.

  7. Weder in ihrer oben stehenden Polemik, noch in ihrer subtil andeutenden Antwort auf kritische Kommentare finde ich irgendwelche stichhaltigen Argumente. Ihr sehr provokantes Auftreten lässt einzig auf ein hohes Aggressionspotential schließen, gibt mir aber nicht den geringsten Grund Comics anders zu sehn, als vorher. Nämlich als ein wunderbares Werkzeug zum Ausdruck unterschiedlichster Inhalte. Genauso wenig verwerflich wie ein Messer: Sie wissen schon, man kann damit Brot schneiden oder seine Mitmenschen angreifen.
    Genau unter diesen Gesichtspunkten empfehle ich ihnen auch ihren Schreibstil ein wenig konstruktiver zu gestalten.

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