Sex and the City IIÜber die Krise und ihre Folgen

Der Film "Sex and the City II" enthüllt nicht weniger als die tiefste Wahrheit über die Macht der Ökonomie von 

Seit die Wirtschaftskrise doch nicht vorbei ist, fällt es schwer, die Welt anders zu betrachten als durch die müden Augen eines emeritierten VWL-Professors. Hat sich Sandra Bullock wirklich einen Gefallen getan, als sie beschloss, ihrer Ehe mit dem untreuen Biker keine zweite Chance zu geben? Jetzt muss sie das gemeinsame Heim auf dem Tiefpunkt des Immobilienmarktes verkaufen. Und wäre der Biker in Zeiten steigender Oldtimerpreise bei allen Nachteilen nicht doch eine Investition in die Zukunft gewesen, ebenso wie die von Leonardo di Caprio verschmähte Gisele Bündchen, die aus Brasilien kommt, einem der letzten Wachstumsmärkte der Erde?

Das Erstaunliche: Sogar aus Sex and theCity II, einem Film mit der Dramaturgie eines Königsberger Klopses, wird ein Schuh, wenn man ihn durch die Wirtschaftsbrille betrachtet. Die Filmemacher glauben, er handele von den Mühen der Ehe, von vier Frauen, die nach langer Suche den Mann fürs Leben gefunden haben, nun aber weniger happy sind als erwartet. Mr. Big, Ehemann von Carrie, ist zu einer Couch-Potato geworden.

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Gesellschaftskritik
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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Carrie fliegt deshalb mit ihren ebenfalls alltagsmüden Freundinnen nach Abu Dhabi. Dort führen sie den parallel zu den Kreditkartenschulden außer Kontrolle geratenen Klamottengeschmack reicher New Yorkerinnen vor. Sie werden ins Gefängnis gesteckt, aber nicht deshalb, sondern wegen öffentlichen Knutschens. Als Carrie auf ihre Jugendliebe trifft, kommt es fast zu einem Fehltritt, den sie so ernst nimmt, dass sie, was nur einer Amerikanerin einfallen kann, die Potato von der Couch aufschreckt. Aber dann erweist sich der Flirt als Rettungsschirm für ihre Ehe.

Das Werk enthüllt nicht weniger als die tiefste Wahrheit über die Macht der Ökonomie. Ohne die Krise wäre Carrie natürlich nach Dubai geflogen, das liberaler gegenüber küssenden Touristinnen ist als Abu Dhabi, das ja Öl besitzt. In Dubai hätte sie nie ihren Ex wieder getroffen, und das Unglück mit Mr. Potato wäre ewig weitergegangen, beziehungsweise es wäre gar nicht so weit gekommen, weil ihr Ehemann, der ja Banker ist, vermutlich etwas lebhafter gewesen wäre. Aber das ahnt Carrie nicht. Alles, was sie sieht, sind ein Mann und eine Frau, denen das Feuer abhanden gekommen ist. Wie die meisten hält sie ihr Liebesleben für einzigartig. Mitten im Leben sind wir vom Markt umfangen und wissen es nicht. Das jedenfalls lehrt uns Sex and the City Teil zwei.

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Leserkommentare
  1. großartig!!!
    Danke Frau Faller für Ihre immer tolle Rubrik.

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  • Serie Gesellschaftskritik
  • Schlagworte Film | Ehe | Gefängnis | Gisele Bündchen | Rettungsschirm | Sandra Bullock
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