DIE ZEIT: Herr Kreuzeder, Sie erschaffen zusammen mit zwei Freunden Kunstwerke aus Müll. Müll, den das Meer Tag für Tag an die Strände spuckt. Wie kamen Sie dazu?

Xandi Kreuzeder: Wir waren auf den Azoren, wollten eigentlich nur surfen, ein paar einsame Buchten auf São Jorge entdecken und dort riesige Wellen abreiten. Doch der Strand der kleinen Insel war voll mit Müll. Da lagen Wrackteile von Schiffen und Autos herum, riesige Bojen von Bohrinseln, zerbrochene Surfbretter, Porzellan, tote Vögel und Fische sowie Plastikmüll in allen Formen und Farben. Wir hätten einen Bagger gebraucht, um den ganzen Schrott und Müll wegzuräumen.

ZEIT: Sie hätten auch einfach weitergehen und sich eine andere Bucht suchen können.

Kreuzeder: Irgendwie waren wir fasziniert von dem, was da vor unseren Füßen lag: nicht nur Zivilisationsmüll, sondern auch Knochen von Walen und von Ziegen sowie Unmengen Schwemmholz in den bizarrsten Formen. Also haben wir die Surfbretter beiseitegelegt und uns das genauer angeschaut. Wir fingen direkt am Strand damit an, kleine Skulpturen zu bauen.

ZEIT: Ihre Werke wirken eher furchteinflößend als schön. Bin Tin etwa ist ein zwei Meter langer Fisch mit riesigen Augen und riesigem Maul, mit Zähnen wie Dolchen und einem Panzer aus Plastikfetzen, Draht und Tiergerippen.

Kreuzeder: Daran haben wir zwei Wochen lang herumgebastelt. Zuerst haben wir ein Gerippe aus Stahl geschweißt und daran dann den ganzen Schrott aus dem Meer befestigt. Die Idee: Wir wollten einen Fisch schaffen, der durchs Meer schwimmt und all den Müll auffrisst. Ein umweltfreundliches Monster aus den Tiefen des Ozeans. Bin Tin hat übrigens neun Mägen.

ZEIT: Gibt es Leute, die sich so was ins Wohnzimmer stellen?