Ausstellung Jean-Michel Basquiat Ein rron, ein aa, ein rrrSeite 2/2

Die Krone ruft vor allem die Lebensgeschichte Basquiats in Erinnerung, des vermeintlich bettelarmen Königs der Straße, der einst, die Sprühflasche in der Hand, manche Wand mit ihr adelte. Doch Basquiat war nicht arm, er entstammte einer gutbürgerlichen Familie. Und er sprühte nicht irgendwo, sondern in SoHo, wo die teuren Galerien sitzen und ihre Inhaber auf ihn aufmerksam werden mussten. Was sie auch taten. Die New Yorker Kunstwelt war begeistert von den schäbigen Löchern, in denen der Künstler mit den struppigen Dreadlocks hauste und in denen er alles bemalte, was er finden konnte: Matratzen, Bretter, Isolierschaum, einen Kühlschrank. Wild und expressiv war seine Arbeit, ein Segen nach der drögen Konzeptkunst der sechziger und siebziger Jahre.

Dann ging alles sehr schnell. Ausstellungen in Europa und den USA folgten, Verträge mit Galeristen wie Mary Boone, 1982 nahm er als bis dato jüngster Künstler an der documenta 7 in Kassel teil, der Preis für seine Werke stieg stetig, und Basquiat malte im Akkord. Immer größer wurden die Leinwände, nicht immer ließ er sich die Zeit, sie auch zu vollenden. 1984 begann die Zusammenarbeit mit Andy Warhol, Basquiats Idol und Übervater der internationalen Kunstszene. Gemeinsam malten sie nun merkwürdige, bestenfalls originelle Mischungen aus Pop und Punk. Viel muss der Junge vom Alten gelernt haben in puncto Selbstvermarktung. Der Einfluss auf seine Kunst aber war zwiespältig.

Die Oberflächen wurden glatter, die rohe, unmittelbare Kraft schwand aus den Bildern, an ihre Stelle trat die Ironie. In der Mitte eines seiner letzten Werke aus dem Jahr 1987 prangt ein schwarzer Kreis. »Nothing to be gained here« steht darüber – hier ist nichts mehr zu holen. Aus der Ironie wurde prophetischer Ernst. Ein Jahr später war Basquiat tot.

Bis 5. September. Weitere Informationen unterwww.fondationbeyeler.ch

 
Leser-Kommentare
  1. nur die Kunstzeitung hat sich einigermaßen um Hintergründe des aktuellen Basquiat-Höhenrauschens gekümmert, in einer kleinen und guten Analyse von Herrn Schmid. Ist es der Künstler aus Salon und Gosse, der erste Schwarzamerikaner im Kunstmarkt oder die Machtposition einiger Sammler, die Basquiat jetzt auf dem Olymp der Kultur hieven? Julian Schnabels Film gibt wenig Auskunft über die wahren Hintergründe dieses Künstlerlebens und zeichnet den Künstler Basquiat allzu romantisch verklärt. Wenn man tiefer in den Stil Basquiats und die kulturelle Realität der 80 Jahre in NY eindringen will, muss man sich auch mit ähnlichen und anderen Phänomenen als der rauen, provokativen und farbgewaltigen Graffitikunst des Künstlers beschäftigen. Basquiat war drogensüchtig und suchte mit aller Macht die Pforten der vibrierenden Kunstwelt, um ganz nach oben zu kommen. Basquiat war kein originärer Straßenkünstler, sondern entstammte der bürgerlich besser gestellten schwarzen Mittelschicht, er war unter all den anarchistischen Straßenkötern einer unter vielen und wurde dann nach oben gepusht. Ist Basquiats Kunst eine Art Pop-Art oder nur naiv poppige Gegenkunst, war Basquiat nicht der künstlernde Dropout, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, weil er wußte, wo der der richtige Ort war und welche Menschen diesen richtigen Ort beherrschten? In diesem Zusammenhang muss Basquiat hinterfragt und bewertet werden. Ebenso sollte die Rolle der Galeristen und Sammler untersucht werden.

    W. Neisser

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    "In diesem Zusammenhang muss Basquiat hinterfragt und bewertet werden." Was für eine seltsame Idee! Nicht die Kunst Basquiats wird besprochen oder analysiert, nein, der Künstler, der Mensch wird "hinterfragt". Das zeigt, dass oft das Interesse nicht den herausragenden Werken Moderner Kunst gilt, sondern der Sensationslust, die Lust am Klischee. Genau das hat unter anderem, Jean-Michel Basquiat in seiner Kunst auf brilliante Weise zu Ausdruck gebracht.
    Wir leben in einer Welt voller Images, ein Wort, ein Text genügt und das Urteil, das Bild steht. Und so lässt sich sagen, Beuys bleibt Fettfleck. Basquiat, der Junkie bleibt im besten Fall "Street - Art".

    "In diesem Zusammenhang muss Basquiat hinterfragt und bewertet werden." Was für eine seltsame Idee! Nicht die Kunst Basquiats wird besprochen oder analysiert, nein, der Künstler, der Mensch wird "hinterfragt". Das zeigt, dass oft das Interesse nicht den herausragenden Werken Moderner Kunst gilt, sondern der Sensationslust, die Lust am Klischee. Genau das hat unter anderem, Jean-Michel Basquiat in seiner Kunst auf brilliante Weise zu Ausdruck gebracht.
    Wir leben in einer Welt voller Images, ein Wort, ein Text genügt und das Urteil, das Bild steht. Und so lässt sich sagen, Beuys bleibt Fettfleck. Basquiat, der Junkie bleibt im besten Fall "Street - Art".

  2. "In diesem Zusammenhang muss Basquiat hinterfragt und bewertet werden." Was für eine seltsame Idee! Nicht die Kunst Basquiats wird besprochen oder analysiert, nein, der Künstler, der Mensch wird "hinterfragt". Das zeigt, dass oft das Interesse nicht den herausragenden Werken Moderner Kunst gilt, sondern der Sensationslust, die Lust am Klischee. Genau das hat unter anderem, Jean-Michel Basquiat in seiner Kunst auf brilliante Weise zu Ausdruck gebracht.
    Wir leben in einer Welt voller Images, ein Wort, ein Text genügt und das Urteil, das Bild steht. Und so lässt sich sagen, Beuys bleibt Fettfleck. Basquiat, der Junkie bleibt im besten Fall "Street - Art".

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