Sachbücher Wasser MitreißendSeite 2/2
Diese Dimension des globalen Regierens untersucht Petra Dobner. Der Politikwissenschaftlerin aus Halle, die auch Medizin und Philosophie studiert hat, dient Wasserpolitik als Lehrstück über den Spielraum der Global Governance. Am Beispiel der Trinkwasserversorgung nimmt sie jene internationalen Verfahren und Institutionen unter die Lupe, die nach dem ökonomischen Zusammenwachsen der Welt nun auch politische Regeln zu setzen versuchen. Dobner fragt: Warum gibt es für »eines der kritischsten Probleme der menschlichen Zukunft«, das seit Jahrzehnten bekannt ist, bisher keine Lösungen? Warum herrscht nur »weltweite Betriebsamkeit«? Den Sündenfall sieht die Autorin Mitte der neunziger Jahre, als »die Zukunft des Weltwassers in die Hände eines ideologisch engen Kreises von Entscheidern« gelegt worden sei. Diese Elite habe nur ihre Agenda vorangetrieben: die Privatisierung der Wasser-Dienstleistungen. Für die globale Wasserpolitik waren es teure, verlorene Jahre.
Zwar ist Kritik am Neoliberalismus spätestens seit dem Finanzcrash 2008 Allgemeingut, doch wie sein Siegeszug im Einzelnen ablief, das wurde selten so genau wie in dieser Habilitationsschrift geschildert. Atemberaubend stellt Dobner dar, wie die Vereinten Nationen seinerzeit ihre Rolle an »transnationale Netzwerke« wie den World Water Council, die Global Water Partnership, auch die World Water Week abgetreten haben. Dobner entlarvt sie als eng verbandelte, hermetische Klubs immergleicher Personen und Unternehmen, die ihre fehlende demokratische Legitimation mit dem Verweis auf das Fachwissen oder Renommee ihrer Mitglieder relativierten. Auch Megakonferenzen dienten diesem »Legitimitätsphishing«, wie Dobner das Abgreifen von Autorität und Einfluss mit einem Kunstwort der Online-Datendiebe nennt. »Die Annahme, dass der private Sektor per se der bessere Dienstleister im Wassersektor wäre, wurde über mehr als ein Jahrzehnt lang nicht einmal wissenschaftlich geprüft, sondern als Glaubenssatz an den Anfang aller politischen Strategien gestellt.« Dobners ernüchterndes Fazit passt leider zum Katzenjammer, der auch nach den letzten Klimakonferenzen herrscht: Die Systeme globaler Kooperation seien mit »übertriebenen Hoffnungen« aufgeladen.
Das ist scharf analysiert, eher schwach aber wirken Dobners Konsequenzen. Sie empfiehlt den Schritt hinab auf die niedrigeren politischen Entscheidungsebenen, was in vielen Fällen schlüssig ist: »Die Universalität eines Problems ist nicht identisch mit der Möglichkeit, auch eine universale Lösung zu finden.« Mit dem Appell an die Renationalisierung oder -lokalisierung trifft sich die Autorin auch mit Orsenna: Er will eher der vielfältigen Natur der Ressourcen gerecht werden, ihr geht es um die größeren Chancen demokratischer Einflussnahme. Doch was wird dann aus der weiterhin erforderlichen globalen Kooperation? Auch für ein Regieren jenseits des Staates gelte es, die neu entstehende Herrschaft zu begründen und zu begrenzen, fordert Dobner. Stimmt – aber wie?
- Datum 14.06.2010 - 09:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23
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"Als Einkäufer solcher Agrarprodukte wird ausgerechnet das wasserreiche Europa netto ein Wasserimporteur."
Soll das etwa heißen, das wir noch mehr Milch, Fleisch und Getreide subventioniert nach und in Schwellen- und Entwicklungsländer exportieren sollen, die meistens (wenn auch nicht immer) in etwas trockeneren Gegenden liegen.
Also das Argument steht auf tönernen Füßen.
Auch wenn der Rest des Artikel mal wieder Aufzeigt: Spekulantentum (und damit Geld) versammelt sich immer da, wo etwas knapp ist und versucht dieses etwas knapp zu halten oder knapper zu machen. (Monopolpreisbildung)
Was für ein treffendes Wort für das Bemühen nicht
legitimierter Gremien sich in global governance zu
engagieren.Selbstverständlich um Profite zu generieren.
Am Besten durch Monopole bei real existierenden Dingen
wie Wasser oder durch Handel mit Fiktionsscheinen wie
den CO2-Zertifikaten. Den Brüdern sollte die ZEIT mehr
auf die unsauberen Finger gucken.
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