Liebeskolumne Muss sie ihre Vergangenheit vergessen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Kann man schlechte Erfahrungen ausblenden?
Die Frage: Boris und Mareike haben nach ihrer Heirat ganz neu angefangen und schließlich in einer Kleinstadt ein Fitnessstudio gegründet, das bald ein Renner wurde. Mareike, blond, schlank, attraktiv, ist die Seele der Firma. Niemand in dem neu aufgebauten Freundeskreis des Paares weiß, dass sie acht Jahre lang als Prostituierte gearbeitet hat. Boris muss manchmal geschäftlich verreisen. Jedes Mal, wenn er zurückkommt, bemerkt er, dass Mareike sich kühl gibt.
Wenn er sich ihr dann sexuell nähert, fühlt er sich elend. Sie behandle ihn wie einen ihrer damaligen Kunden, sagt er. "Ich kann einfach keinem Mann mehr trauen", antwortet Mareike. "Ich habe zu viele brave Ehemänner erlebt, die auf Geschäftsreisen fremdgehen!" – "Du musst die Vergangenheit vergessen", sagt Boris gekränkt. "Ich werfe sie dir ja auch nie vor!"
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dass Paare neu anfangen können, ist eine wunderbare Errungenschaft der modernen Liebe. Sie verlangt aber auch viel Einfühlung. Ich vermute, dass Boris und Mareike über ihren beruflichen Erfolg den Kontakt zu ihrer gemeinsamen Geschichte verloren haben. Indem Boris trotz der von ihm wahrgenommenen Krise mit Mareike schlafen will, als ob nichts sei, bestärkt er sie in ihrem Verdacht, dass alle Männer gleich sind. Beide müssten sich klarmachen, dass sie ihre Beziehung weder durch eine bürgerliche Fassade sichern können, noch dadurch, dass Mareike Boris ewig dankbar ist.
Sie sollten ihre Ängste jedes Mal neu aufeinander abstimmen und sich von der Illusion, dass sie ihre Vergangenheit ganz überwinden können, so befreien wie von der Illusion, dass sie sie für immer beherrscht.
Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de
- Datum 01.06.2010 - 12:49 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 02.06.2010 Nr. 23
- Kommentare 6
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... die Antwort auf solche eine Frage.
Sie werden nicht sonderlich konkret und praktische Ratschläge sind auch keine dabei.
Gerade der letzte Abschnitt klingt sehr nach "jetzt noch schnell vor dem Mittagessen ein paar Phrasen für die Zeit zusammenklauben."
Ziemlich sinnfrei. Entweder ausführlich und konkret, oder garnicht.
Eine "richtige" Antwort für dieses Problem gibt es ja auch nicht. Sie kann sich nicht nach Belieben von ihrer Vergangenheit lösen und ignorieren und einfach über sich ergehen lassen, weil man rational ja weiß, dass nicht alle Menschen gleich sind, kann ja auch keine Lösung sein, insbesondere bei ihrer Vergangenheit.
Auf Dauer in einer Beziehung leben, in der er selbst als treuester Ehemann alle Nase lang wie ein Fremdgeher behandelt wird, der seine Partnerin ständig emotional verletzt und sich was schämen sollte, kann für ihn auch nicht gutgehen. Er hat ja nichts getan, um ihr Vertrauen zu verspielen, da kann ständiges ungerechtfertiges Misstrauen schon zu einer großen Belastung werden.
Wenn die beiden ansonsten aber glücklich sind, wäre es auch Quatsch ihnen jetzt auf der Stelle zur Trennung zu raten.
Mehr als "Da müssen sie jetzt beide irgendwie durch, viel Erfolg dabei" kann man da wirklich nicht raten.
Wenn sie nach der Rückkehr des Partners kühl ist, könnte ja auch -sie- untreu gewesen sein. Und vielleicht wird sie das dem Paartherapeuten auch nicht gerade erzählen.
Frauen die sich prostituieren bzw. prostituiert haben werden zwangsläufig ein anderes Männerbild haben als die Lieschen Müller. Wohlgemerkt, aus gesammelten Erfahrungen heraus. Schließlich sind nicht alle Besucher eines Bordells alleinlebende Singles. Eher ein Durschnitt durch unsere Belvölkerung. Ehemänner, Väter, die Ihre Famile "lieben", alles dabei, alles schon erlebt. Damit muß Mann eben umgehen , wenn er sich privat mit einer Prostituierten umgibt, sich in sie verliebt, eine Beziehung mit ihr eingeht. Das braucht Kraft, Geduld, einen langen Atem, Zuversicht, Mut, sehr viel Liebe und ein echt dickes Fell.
Auffällig auch, das Prostituierte in privaten Beziehungen sehr viel Wert auf Moogamie und Ausschließlichkeit legen... Verwunderlich ist das allerdings nicht... schließlich haben sie die besten Vergleichsmöglichkeiten und leben fern aller Illusionen.
Mareike hat wohl noch unbearbeitete Schuldgefühle, und jede Geschäftsreise ihres Mannes lässt diese hochkommen. Da sie ihre Schuld nicht akzeptiert, sie nicht akzeptiert, dass sie damals Mist gebaut hat, wälzt sie diese Schuldgefühle auf ihren Mann ab. Die Lösung: Einsicht in das Fehlverhalten und zugehörige Buße. Anders ist (berechtigten) Schuldgefühlen nicht beizukommen.
warum sollte sie schuldgefühle haben?
warum sollte sie schuldgefühle haben?
warum sollte sie schuldgefühle haben?
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