Eines der meistgesendeten Bilder der vergangenen fünf Wochen zeigt einen schwarzen Flecken auf blauem Grund. Blau ist das Wasser im Golf von Mexiko. Schwarz ist das Öl, das sich dort ausbreitet. Seit dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon strömen jeden Tag zwei bis drei Millionen Liter Öl ins Meer.

Eines der meistgesendeten Bilder der vergangenen zwei Jahre zeigt den Eingang des Hauses in der Französischen Straße Nummer 9 in Berlin. Dort, über der Tür, zählt eine Uhr die Staatsschulden der Bundesrepublik. Seit dem Beginn der Finanzkrise wachsen sie zehnmal so schnell wie früher. Um 4500 Euro in der Sekunde.

Die Verschmutzung und die Verschuldung haben etwas gemein. Sie sind Abfallprodukte der Rohstoffnutzung. Der eine Rohstoff ist das Öl, der andere das Geld. Es sind die beiden wichtigsten Basismaterialien des Kapitalismus.

Aus Öl entstehen Plastiktüten und Fußballtrikots. Mit Öl fliegen Flugzeuge und rollen Autos. Öl bringt die Wirtschaft in Bewegung. Aber nicht Öl alleine. Genauso wichtig ist Geld. Die Unternehmen brauchen es, um Maschinen anzuschaffen, Arbeitskräfte einzustellen, kurz, um zu investieren.

Der Rohstoff Öl kommt aus der Erde. Der Rohstoff Geld kommt von den Finanzmärkten. Dort nehmen die Unternehmen Kredite auf, dann produzieren sie, zum Beispiel Plastiktüten oder Autos, verkaufen sie und begleichen hinterher ihre Schulden. So entstehen Umsätze und Gewinne. Das Öl und das Geld fügen sich zusammen, sie reagieren miteinander, und heraus kommt: Wirtschaftswachstum.

Seit Beginn des Ölzeitalters, seit dem Bau der ersten Raffinerie sind 150 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich der Wohlstand der Welt vervielfacht. Neu gefördertes Öl und geliehenes Geld sorgten dafür, dass die Umsätze immer weiter wuchsen. Man kann sagen: Es war eine schöne Zeit. Viel spricht dafür, dass sie gerade zu Ende geht.

Die globale Ölförderung wächst nicht mehr. Öl wird knapper und teurer, Anfang vergangenen Jahres schrieb die Internationale Energieagentur, der Ölpreis werde langfristig auf 200 Dollar pro Barrel steigen, dreimal mehr als Öl heute kostet. Dem hielten Optimisten entgegen, dass es noch gewaltige Reserven gebe, in den Tiefen des Meeres zum Beispiel. Im Golf von Mexiko.