Synthetische Biologie Leben 2.0
Was passiert, wenn es der Bio-Industrie gelingt, den menschlichen Körper neu zu programmieren
- Datum: 05.06.2010 - 16:50 Uhr
© Mark Wilson/Getty Image

Craig Venter gelang es, synthetisches "Leben" zu züchten
Im Anfang war die Neugier. In Vincenzo Natalis Film Splice, der dieser Tage in die Kinos kommt, feiern die Biologen Clive und Elsa den Triumph ihres Lebens: Dem heftig verliebten Paar gelingt es, die DNA einer Frau in einen Zellkern einzupflanzen und eine eigene Kreatur zu schaffen. Das Laborgeschöpf wächst und wächst, und ehe man sich versieht, platzt die künstliche Fruchtblase, und eine Ungestalt hüpft aus dem Brutkasten. Nicht Mensch, nicht Tier, sondern eine Schimäre – das monströse Mischwesen der Synthetischen Biologie.
Natürlich, das ist Horror-Science-Fiction und hat mit der richtigen Wissenschaft nichts zu tun. Wirklich nicht? Tatsächlich definiert auch das Forscherpaar in Splice die Natur als eine Maschine. Man müsse sie nur mit den richtigen Informationen füttern, dann tue sie brav genau das, was der Schöpfer von ihr verlange. Die Pointe dabei ist: Genau das sagt der sehr reale Craig Venter auch, jener Genforscher, dem es vor zwei Wochen als Erstem gelang, synthetisches »Leben« zu züchten (ZEIT Nr. 22/10) . »Sobald man einer Zelle ein neues genetisches Programm verpasst, fängt sie sofort an, es abzuspielen. Wie bei einem alten Computer, auf den man neue Software aufspielt.«
Trivialfilme wie Splice leben von einer tief sitzenden kulturellen Angst, der Angst vor Monsterzüchtungen, vor Cyborgs, Mutanten und Doppelgängern. Aber man könnte die Perspektive auch einmal umdrehen und fragen: Was ist, wenn in der Genforschung nichts schiefliefe und alles unfallfrei funktionierte? Was ist, wenn es Bio-Ingenieuren gelänge, nicht nur die äußere Natur, sondern auch den menschlichen Körper wie einen Computer neu zu programmieren? Wie würde sich dann unser kulturelles Verständnis vom »Leben« verändern?
Pathetisch gesagt: Craig Venters Erfolg, die Herstellung eines fortpflanzungsfähigen Bakteriums, markiert eine Zäsur in der Metapherngeschichte des Abendlandes. Denn von Aristoteles bis Adorno ist »Leben« stets als eine nicht menschliche Potenz beschrieben worden – als Mysterium, als unergründliches Wunder, als Gnade Gottes oder Nicht-Identität. Das »Leben des Lebens« war per definitionem eine schöpferische Kraft, ein undurchdringliches »Sein«, an dessen Selbstbewegung die Taten des Menschen ihre natürlichen Grenzen finden.
Diese Vorstellung ist nun Geschichte. Denn in dem Maße, wie sich natürliche Prozesse genetisch programmieren lassen, verliert das »Leben« seine Undurchdringlichkeit; es verwandelt sich von einer rätselhaften Selbstbewegung in ein beherrschbares, durch und durch transparentes Produkt.
Gewiss, das ist bislang nur ein Laborversuch. Doch einmal angenommen, eine weltweite Bio-Industrie wird eines Tages den letzten verbliebenen Regenwald und die letzte Karotte genetisch verbessert haben, dann wird sich die Grenze zwischen Zivilisation und Natur auflösen, der natürliche Unterschied von Welt und Erde, Gemachtem und Gewachsenen. Überall trägt die alte »Natur-Natur« die unsichtbare Handschrift der Zivilisation, überall finden sich Spuren synthetisch erzeugten Lebens. Kulturlandschaften kann man wieder verwildern lassen, die Neucodierung der Natur aber ist irreversibel. Ein neues Zwischenreich wird entstehen, das weder ganz natürlich noch ganz künstlich ist, halb Natur und halb Artefakt. Romantiker wie der Dichter Joseph Eichendorff schwärmten: »Schläft ein Lied in allen Dingen«. Genforscher sagen künftig: Es steckt menschliches Wissen in allen Dingen.
Verlockend ist das nicht. Denn wenn die äußere Natur nicht mehr das Andere des Menschen ist, sondern sein eigenes Werk, dann nimmt das Lebendige gespenstische Züge an, es wird seltsam zweideutig, vielleicht sogar: diabolisch. Und bei jeder Gelegenheit wird man sich fragen, ob Naturerscheinungen natürlich oder fehlerhaft sind. Das alte Unbehagen an der industriellen Kultur, so der Philosoph Slavoj Žižek , erweitert sich zu einem Unbehagen an der Natur: »Sie erscheint uns dann nicht mehr als der verlässliche Hintergrund des Lebens«, sondern als zerbrechlicher, von uns selbst manipulierter Mechanismus, der jederzeit »in eine Katastrophe umschlagen kann«.
Es gibt Wissenschaftler, die das ganz anders sehen, vor allem die Spezies der »Posthumanisten«, zu deren Gründungsvätern der Robotikforscher Hans Moravec und der Physiker Frank Tipler gehören, aber auch Marvin Minsky und Ray Kurzweil, die Gründer des Media Lab am MIT in Boston. Posthumanisten sind Menschen, die die Evolution als Experiment der Lebenskräfte verstehen und die Technik als Mittel, um die eklatanten Mängel des Erdbewohners zu beheben, vor allem seine Sterblichkeit.
Posthumanisten gelten gern als Spinner, und viele sind es auch. Doch die Grenze zwischen ihren Fantastereien und den Möglichkeiten, die die seriöse Forschung eröffnet, wird allmählich porös. Die Forderung der Posthumanisten, die Menschheit müsse nicht nur die äußere Natur kontrollieren, sondern auch ihre innere Natur, vor allem die Intelligenz ihrer Kinder - diese Forderung klang vor einem Jahrzehnt noch wie das Credo einer Sekte. Heute bringt ein Genforscher wie Lee Silver den Vorschlag ins Spiel, wir sollten Ungeborenen ein verbessertes Erbgut mit auf den Weg geben, damit sie dem postnatalen Konkurrenzkampf besser gewachsen seien. Und der Biologe Gregory Stock kann sich ohne weitere Bedenken »eine Zeit vorstellen, in der die Entwicklung künstlicher Chromosome so ausgereift ist, dass ein komplett künstliches Chromosom in einen Embryo eingepflanzt werden kann« – darunter »Module, die mit der Fähigkeit verbunden sind, fit zu bleiben«.
Unnötig zu sagen: Auch die genetische Manipulation der inneren Natur würde eine tiefe Zäsur in unserem kulturellen Selbstverständnis bilden. Bislang stand es außer Frage, dass das Menschsein an seine Natalität gebunden ist, also an den Umstand, dass der Mensch geboren und nicht gemacht wird. Erst seine »Gebürtlichkeit«, so Hannah Arendt, ermöglicht dem Einzelnen die Freiheit zum Handeln, nur dadurch kann er einen neuen Anfang setzen. In diesem Sinne wäre ein Mensch, in dessen Genstruktur eingegriffen wurde, nicht mehr »naturwüchsig«. In seinem Freiheitsempfinden wird er sich als abhängig erfahren, als Designerprodukt einer genetischen Manipulation, kurz: als Erzeugnis eines fremden Willens.
Für Biologen wie Lee Silver oder Gregory Stock ist die fürsorgliche Korrektur elterlicher Chromosomensätze ethisch kein großes Problem. Sie verstehen Gen-Korrekturen als Arbeit am menschlichen Makel, mit dem das Lotteriespiel der Natur endlich beendet wird. Ginge es nur um die Bekämpfung von Krankheiten, so hätten sie recht. Allerdings: Wenn die Älteren nach ihren eigenen Vorlieben und Wünschen über die genetische Ausstattung der Nachgeborenen verfügen, dann spielen sie Schicksal. Früher oder später müssten sich die genmanipulierten Jüngeren als Spielball der Älteren verstehen, das heißt: Sie würden einander nicht mehr als Ebenbürtige gegenübertreten, als Freie und Gleiche.
In dem Augenblick, wo Gen-Ingenieure systematisch die Erbsubstanz von Ungeborenen manipulieren und das Zufallsspiel der Gene beenden, geriete nicht nur eine zweitausendjährige Gattungsethik an ihr Ende, nämlich das moralische Prinzip gleicher Achtung und die unantastbare Würde der Person. Dann wäre auch der Weg frei für die Menschenzüchtung, für eine neoantike Sklavenhaltergesellschaft, gegen die sich die entstehenden Klassengesellschaften im Spätkapitalismus ausnehmen wie Paradiese der Gleichheit.
Solche Szenarien werden gern als »Angst vor der Freiheit« belächelt, als evolutionär rückständige Zuckung in den unbehandelten Hirnen antiquierter Abendländer. Aber es stimmt schon, dem Freiheitsargument ist nicht leicht beizukommen. Wenn die Manipulation Dritter künftig verboten bliebe, also der Eingriff in die Erbsubstanz Ungeborener, müsste nicht wenigstens jeder das Recht haben, mit seinem Körper zu machen, was er will? Haben freie Bürger nicht das Recht auf freie genetische Selbstbestimmung?
Für das Machbare, sagt Craig Venter, gebe es fortan keine Grenze mehr, nur unser Vorstellungsvermögen. Er könnte recht behalten. Es ist durchaus denkbar, dass genetische Selbstoptimierung so üblich wird wie Ritalin für Zappelkinder, eine Art besseres enhancement , eine Steigerung aller persönlichen Fähigkeiten, mit der sich der Einzelne fit hält für den Wettbewerb, um schneller, besser, konzentrierter, flexibler und innovativer zu sein.
Es ist vorstellbar, dass man irgendwann seinen Körper wie einen Computer konfiguriert, dass man Basisorgane gegen neue Versionen austauscht oder durch Upgrades für den täglichen Konkurrenzkampf auf Vordermann bringt. Im »Leben 2.0« wären Menschen frei schwebende Selbstverbesserungsunternehmer, und wer dabei nicht mitmacht, hat ohnehin verloren. Sein naturbelassener Altkörper erscheint dann nicht mehr als »natürlich«, sondern wie schäbige Biomasse, in die einfach nicht genug Gendrops investiert wurden.
Man muss nicht erst in abendländische Melancholie verfallen, um diese Gen-Vision abschreckend zu finden. Denn wenn alle Handlungen nur der ökonomischen Verwertung des persönlichen Genkapitals dienen; wenn es nur noch auf Daseinsverlängerung ankommt, auf die infinite Existenz; wenn nur noch der kalte Utilitarismus der Biowissenschaften vorgibt, wie wir unser Leben zu verstehen haben, kurz: Wenn sich die Menschen nur noch als Selbstverbesserungs-Maschinen begreifen, wenn sie füreinander nur noch funktionale Mitwelten und nicht mehr humane Umwelten sind – dann könnten sie eines Tages auf die naheliegende Idee verfallen, sich wechselseitig als Bio-Maschinen zu behandeln und die Versager und Schrottexemplare kurzerhand aussortieren.
- Quelle: DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23
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- Datum: 05.06.2010 - 16:50 Uhr
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Eingreifen in das Erbgut eines anderen Menschen (schließt auch Embryonen mit ein), ist nicht Leben 2.0, wie es hier so beschönigend heißt, sondern schlicht und ergreifend Lebensborn 2.0 (nur nicht mehr zwingend mit dem Ziel "arischer Rassenreinheit").
Was das Manipulieren der eigenen Gendatenbanken angeht, werden wir das erleben, was mit Dingen heute schon machbar ist: Abgrenzung, wie es der Artikel auf der letzten Seite schon andeutet. Wer es sich leisten kann, lässt sich verbessern. Wir könnten dann nicht nur Entwicklungsländer in Sachen Besitzstand haben, sondern auch im biologischen Sinne. Dem Genozid wäre Tür und Tor geöffnet.
Mir geht daher das Gengemansche zu weit: Zum Auskurieren anerkannter Krankheiten, Alzheimer, von mir aus, multible Sklerose, bitte schön. Aber nicht zum "Updaten" eines eigentlich intakten Menschen!
Auch auf mich wirkt eine Zukunft, in der wir uns und unsere Kinder "optimieren" koennen, bedrohlich. Ich bin mir sogar sicher, dass es dann zu einem Rassismus kommt, welcher durch ganz konkrete physische und geistige Differenzen am Leben gehalten werden koennte - wie sollte man dagegen wirksam vorgehen?
Die Unterschiede zwischen den "Menschen" koennten sogar so grosz werden, dass man ein komplett neues Rechtssystem braeuchte, um alle unterschiedichen Arten der "Menschen" fair zu beruecksichtigen.
Angesichts der Unfaehigkeit, auf globale Probleme, wie den Klimaschutz konsequent zu reagieren, habe ich starke Zweifel daran, die Menschen koennten in naher Zukunft solche dramatischen Veraenderungen verantwortungsvoll meistern. Jedenfalls nicht ohne eine langwierige Uebergangsphase, die einige Graeultaten aus der Vergangenheit wieder aufleben lassen koennten. Angesichts der Dauer eines Menschenlebens kann man sich ausmalen, was fuer langfristige Folgeschaeden unsere Zivilisation davon truege, sollte es zum Missbrauch unserer technischen Moeglichkeiten kommen.
Dennoch denke ich, muessen wir uns darauf einstellen, dass diese weltweit nicht ungenutzt bleiben werden und es liegt in der Verantwortung der Gesellschaften, die an der vordersten Front forschen, rechtzeitig die moralischen und juristischen Leitplanken zu definieren. Wenn man aber mit strikten Verboten reagiert, werden skrupellosere Staaten und Unternehmen die Fuehrung uebernehmen und der Zukunft ihren Stempel aufdruecken.
Solange die BioGenTech Industrie noch keine Werbespots und Hochglanzprospekte mit Preisen und Garantiebedingungen für Ihre Produkte präsentiert und keine Kunden mit Namen nennt, die vorbestellt haben, lest Goofy oder Peanuts, die wird es danach nicht mehr geben, leider! Oder laufen die dann in echt über die Strasse?
Beispiel gefaellig?
Bitte schoen:
"[...] nicht mehr »naturwüchsig«. In seinem Freiheitsempfinden wird er sich als abhängig erfahren, als Designerprodukt einer genetischen Manipulation, kurz: als Erzeugnis eines fremden Willens."
Was fuer ein Schwachsinn. Heute gilt doch "von Gott gegeben", ist das kein Ergebnis eines fremden Willens? Oder anders ausgedrueckt: dann macht man halt die Eltern und das Schicksal fuer die eigenen Unzulaenglichkeiten verantwortlich.
Mal abgesehen davon, dass das Freiheitsempfinden der Bevoelkerung von den Medien manipuliert wird: der eine ist zu duenn, der andere zu dick, einer zu gross, der andere zu klein, einer zu langsam, der andere zu dumm, einer haesslich usw. usf..
Auf eine intelligentere Zukunft waere eigentlich nur zu hoffen, da gaebs dann aber keinen Platz mehr fuer die heutigen Manipulatoren ...
Das Erscheinen und die Fähigkeiten eines Menschen sind aber bis auf den heutigen Tag von einem natürlichen Prozess gesteuert: der genetischen Reproduktion. Setzt der Mensch den DNA-Rotstift an, ist das Resultat kein Zusammenspiel der Gene mehr, sondern kann zurückgeführt werden auf ein Wissenschafts-/Ärzteteam. Mehr denn je würde das eintreffen, was Sie heute für schlecht halten: dass ein Kind seine Eltern oder sonst wen für eigene Unzulänglichkeiten heranziehen könnte - es sei denn Sie standartisieren die Gene, was einer ungeheuren Desinvidualisierung gleichkommt. Weiterhin kann sich aus eigennützigen Gründen schon niemand ein Designerkind wünschen...man stelle sich die Diskussion in der Familie vor: "Warum habt ihr gemacht, dass ich diese bescheuerten Wellen in den Haaren hab??" - um mal was Harmloses anzuführen.
Da ist man doch besser beraten als Elternteil, der Natur freie Hand zu lassen. Von Seiten der Gesetzgeber verlangt das, dass genverändernde Eingriffe nur dann erlaubt sind, wenn es sich um schwerwiegende Erbkrankheiten handelt.
Das Erscheinen und die Fähigkeiten eines Menschen sind aber bis auf den heutigen Tag von einem natürlichen Prozess gesteuert: der genetischen Reproduktion. Setzt der Mensch den DNA-Rotstift an, ist das Resultat kein Zusammenspiel der Gene mehr, sondern kann zurückgeführt werden auf ein Wissenschafts-/Ärzteteam. Mehr denn je würde das eintreffen, was Sie heute für schlecht halten: dass ein Kind seine Eltern oder sonst wen für eigene Unzulänglichkeiten heranziehen könnte - es sei denn Sie standartisieren die Gene, was einer ungeheuren Desinvidualisierung gleichkommt. Weiterhin kann sich aus eigennützigen Gründen schon niemand ein Designerkind wünschen...man stelle sich die Diskussion in der Familie vor: "Warum habt ihr gemacht, dass ich diese bescheuerten Wellen in den Haaren hab??" - um mal was Harmloses anzuführen.
Da ist man doch besser beraten als Elternteil, der Natur freie Hand zu lassen. Von Seiten der Gesetzgeber verlangt das, dass genverändernde Eingriffe nur dann erlaubt sind, wenn es sich um schwerwiegende Erbkrankheiten handelt.
denn den Zeitpunkt, an dem alle Regenwälder und Karotten "genetisch optimiert" sind, wird auch die Gattung Mensch nicht (lange) überleben - egal was uns die Bio"wissenschaftler" sagen. Ansonsten aber ein ganz guter Artikel, der einige sehr wichtige Fragen aufwirft.
Das Erscheinen und die Fähigkeiten eines Menschen sind aber bis auf den heutigen Tag von einem natürlichen Prozess gesteuert: der genetischen Reproduktion. Setzt der Mensch den DNA-Rotstift an, ist das Resultat kein Zusammenspiel der Gene mehr, sondern kann zurückgeführt werden auf ein Wissenschafts-/Ärzteteam. Mehr denn je würde das eintreffen, was Sie heute für schlecht halten: dass ein Kind seine Eltern oder sonst wen für eigene Unzulänglichkeiten heranziehen könnte - es sei denn Sie standartisieren die Gene, was einer ungeheuren Desinvidualisierung gleichkommt. Weiterhin kann sich aus eigennützigen Gründen schon niemand ein Designerkind wünschen...man stelle sich die Diskussion in der Familie vor: "Warum habt ihr gemacht, dass ich diese bescheuerten Wellen in den Haaren hab??" - um mal was Harmloses anzuführen.
Da ist man doch besser beraten als Elternteil, der Natur freie Hand zu lassen. Von Seiten der Gesetzgeber verlangt das, dass genverändernde Eingriffe nur dann erlaubt sind, wenn es sich um schwerwiegende Erbkrankheiten handelt.
Solche Texte geraten leicht in einen Tonfall, als ob es jemand der Wissenschaft schlicht verübelt, sein Weltbild zerstört zu haben - dieser leider auch.
Und der Autor bedient sich eines Tricks, wenn er zu Beginn schreibt, er wolle einfach mal den Fall betrachten, dass in der Genforschung alles glatt liefe und dann düstere Visionen von schäbiger Biomasse, Sklavenhaltergesellschaften und schrottiger Biomaterie folgen lässt, ganz so, als sei dies selbst im rein technisch besten Fall ein Automatismus.
Der Grund, warum zumindest der zivilisierte Teil der Welt, keine "Biomasse" aussondert und keine Sklaven hält liegt doch nicht darin begründet, dass es keine "stärkeren" und "schwächeren" Menschen gäbe.
Unser Wissen über die Welt in der wir leben wächst schon seit Jahrzehnten rasant, was wie beschrieben z.B. dazu geführt hat, dass sich Argumentationen die "von Aristoteles bis Adorno", "per definitionem" die Grundlage für Diskurse bildeten im Licht neuen Wissens auflösten.
Darauf mit übersteigerten Horrorvisionen zu antworten hilft aber keinem weiter und wirkt schlicht bockig:
"Wenn ihr mir die Grundlage meiner Argumente raubt, mach ich eure Wissenschaft zu Frankensteins Labor"
Die Schwarzmalerei kommt nicht davon, dass man sich in seinem Weltbild empfindlich berührt sieht (nebenher: welches Weltbild?), sondern darum, dass vA in der Genetik, wo ja alles ganz toll sein soll (hurra, Genmais, hurra, undeklariertes Gensoja) vieles Mögliche ausgeschöpft wird...
Da kommt man um den Pessimismus mittlerweile nicht mehr herum...
Die Schwarzmalerei kommt nicht davon, dass man sich in seinem Weltbild empfindlich berührt sieht (nebenher: welches Weltbild?), sondern darum, dass vA in der Genetik, wo ja alles ganz toll sein soll (hurra, Genmais, hurra, undeklariertes Gensoja) vieles Mögliche ausgeschöpft wird...
Da kommt man um den Pessimismus mittlerweile nicht mehr herum...
Die Schwarzmalerei kommt nicht davon, dass man sich in seinem Weltbild empfindlich berührt sieht (nebenher: welches Weltbild?), sondern darum, dass vA in der Genetik, wo ja alles ganz toll sein soll (hurra, Genmais, hurra, undeklariertes Gensoja) vieles Mögliche ausgeschöpft wird...
Da kommt man um den Pessimismus mittlerweile nicht mehr herum...
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