Eine Szene aus dem Film "The Age of Stupid - Warum taten wir nichts, solange noch Zeit war" © TAO Cinemathek/dpa

Regisseure laden zur Filmvorführung gern mal Prominenz ein. Die Engländerin Franny Armstrong etwa angelte sich Ed Miliband, seinerzeit Minister für Klimaschutz, um ihrem Dokudrama The Age of Stupid Aufmerksamkeit zu verleihen. Doch sie drehte den Spieß um: "Es ist eine große Ehre", lächelte sie dem Politiker zu – Pause – "für Sie, dass Sie bei unserer Sache dabei sein dürfen."

So offensiv, fast missionarisch wie dieser Auftritt ist auch ihr CO₂-arm produzierter Film, der 2009 die Weltklimawoche der Vereinten Nationen eröffnete und jetzt in die deutschen Kinos kommt. Darin blickt Armstrong zurück auf das "Zeitalter der Dummheit", im Zorn: Warum hat unsere Spezies sich ausgelöscht, sehenden Auges?

Der Film beginnt fiktional im Jahr 2055, mit Bildern wie aus einer Apokalypse von Roland Emmerich: London ist überflutet, Sydney steht in Flammen, Las Vegas ist im Wüstensand versunken. Nur noch der Verwalter eines "Archivs der Menschheit" kann die Chronik einer angekündigten Katastrophe dokumentieren. Diese schlichte Science-Fiction-Pädagogik könnte holzhammerhaft wirken, wäre die Rolle nicht mit dem geheimnisumwehten, zerfurchten Schauspieler Pete Postlethwaite besetzt. Und wären nicht die Reportagen von "damals", also heute, mit denen er den fatalen Lauf der Dinge erklärt, so verstörend.

Die nämlich sind weltweit recherchierte reale Geschichten wie die von einem amerikanischen Erdölexperten, der beim Hurrikan Katrina zum Menschenretter wird. Vom reichen indischen Unternehmer, der in Indien eine Billigfluglinie eröffnet; sein Projekt der Armutsbekämpfung ist ein Albtraum für die globalen Emissionen von Treibhausgasen. Verstrickt in Widersprüche ist auch der Windkraftbetreiber in England, der mit seinen Energieprojekten vor die Wand läuft; eine Wand, formiert von Naturschützern, die den Ausbau der Windkraft fordern, "aber nicht hier".

Manches ist schwarz-weiß, ja agitprophaft zugespitzt, besonders bei den erklärenden Animationen, die den Film mit sarkastischer Monty-Python-Ästhetik durchsetzen. Man verzeiht die Vereinfachung angesichts der Dynamik, mit der die Klimakrise derzeit hinter Finanz-, Euro- und Haushaltskrisen verschwindet: War da was?

Armstrong will zum Handeln animieren, vor allem "meine konsumistische MTV-Generation". Sie fordert dazu auf, Emissionen zu sparen. Privates Handeln wird aber kaum ausreichen. Auch Politiker müssen mehr tun, als Filmen Glamour zu verleihen.