BP-Konzern Nur zugeben, was nicht zu leugnen ist
Zaghaft und unglaubwürdig: Experten schütteln den Kopf über die Kommunikation des Katastrophenkonzerns BP.
Wer Schuld daran trägt, dass Menschen und Tiere sterben mussten, dass ein ganzer Lebensraum für Jahre unbewohnbar wird, dem kann im Zweifel nur eines gegenüber einer aufgebrachten Öffentlichkeit helfen: ein Geständnis. Umfassend um Verzeihung bitten. Die Kehle hinhalten. Dann vielleicht auf Gnade hoffen. Man muss kein PR-Profi sein, um das zu erkennen.
BP beschäftigt einen Haufen hoch bezahlter PR-Leute, aber der öffentliche Eindruck ist trotzdem, dass der Mineralölkonzern seit Wochen gegen diese Einsicht verstößt und lieber der Strategie folgt: Nur so viel sagen wie nötig . Die riesige Ölpest kleinreden. Die ganze Wahrheit erst bestätigen, wenn sie nicht mehr zu leugnen ist.
Vieles deutet darauf hin, dass sich der Konzern und sein Vorstand von der Realität und den Menschen, die ihm jährlich Milliardengewinne bescheren, gefährlich weit entfernt haben. Am deutlichsten zeigt sich das in der Krisenkommunikation.
An vorderster Front steht dabei BP-Chef Tony Hayward . Er galt einmal als ein solider Vertreter seiner Zunft, einige beschrieben ihn gar als charmant und sympathisch. Nun wird er als wandelnder PR-GAU gesehen. »Der Golf von Mexiko ist ein sehr großer Ozean«, sagte er etwa am 14. Mai dem Guardian ; die Menge an Öl und Chemikalien, die ins Meer flösse, sei im Vergleich zur gesamten Wassermenge dagegen »relatively tiny«, vergleichsweise winzig. Sehr, sehr mäßig seien wahrscheinlich die Auswirkungen der Katastrophe auf die Umwelt, ließ sich der Konzernchef ebenfalls vernehmen. Reichlich unsensibel war auch Haywards Äußerung in einem Interview: Angesichts der persönlichen Strapazen wolle er baldmöglichst sein »Leben zurück«. Mit Blick auf die elf Menschen, die bei der Explosion der Deepwater Horizon gestorben waren, entschuldigte er sich immerhin später für diese Aussage.
Ein früherer Angestellter in der PR-Abteilung des Konzerns ist angesichts dieser und anderer Kommunikationspannen – erst waren es angeblich nur 800.000 Liter, mittlerweile sind es drei Millionen , die täglich aus dem Bohrloch ausströmen – fassungslos: BP habe dilettantisch reagiert und »den Unfall miserabel gehandhabt, sowohl auf der operationellen Ebene wie auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Es scheint unglaublich, aber das Unternehmen war offenbar auf einen solchen Unfall nicht vorbereitet«, sagt der Ex-BP-Mann, der nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen will.
- Datum 11.06.2010 - 13:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2010 Nr. 24
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formerly known as britsh beyond petroleum/beyound beyond petroleum.
Marketing is everything.
http://www.nzz.ch/nachric...
correct:british petroleum/beyond petroleum
"auf Seite 13 findet sich darin der Ratschlag, bei Lecks »so schnell wie möglich« den Teil zu schließen, »an dem das Öl austritt«."
Das hat mir den Tag gerettet. Also eine so umfassende Anleitung ist schon was wert. Warum macht das nicht einfach jemand. Da kann doch keiner sagen BP wäre nicht auf alles vorbereitet!
Bei aller berechtigten Kritik am offizielen Umgang BPs mit der Katastrophe muss man sich doch die Frage gefallen lassen, wer das Unternehmen überhaupt zu derlei Unternehmungen befähigt. Das sind wir nämlich höchstselbst. So sehr uns auch die Bilder ölverschmierter gefiederter Kameraden schmerzen, so aufrichtig kommt doch auch der Aufschrei an der Zapfsäule, wenn der Ölpreis das nächste mal um einige Cent steigt. BP ist in diesem Zusammenhang nur einer der "Dealer", die es uns ermöglichen, unser stetes Bedürnis nach günstigem Treibstoff zu befriedigen. Da angesichts zur Neige gehender Reserven in konventionellen Quellen kein ernstzunehmendes Umdenken in Richtung alternativer Antriebsenergien oder gar der eigentlichen Notwendigkeit unbegrenzter Individualmobilität beim Gros der Autofahrer stattfindet, so dass Unternehmen inzwischen sogar in 2000 Metern Wassertiefe oder im Ölsand Gewinne erschürfen können, ist es nur eine Frage derzeit, bis eine weiteres Unglück in der Größenordnung des jetzigen eintreten wird. Anstatt sich nun den Ärger über die ein weiteres Mal verletzte Umwelt mit der Freude über den vermeintlichen Untergangs des bösen BP zu versüßen, sollte man sich fragen, für wie viele saubere und fröhliche Pelikane man mal sein eigenes Auto stehen lassen würde.
dass sich im Falle eines Atomgaus unsere Atommanager sowie deren politische Steigbügelhalter ebenso verhalten wie
Herr Tony Hayward!
Zähne zusammenbeißen und durchhalten bis zu President Palin.
Bis dahin haben sich ohnehin die Rednecks überzeugen lassen, dass Gott selber das Öl über die Strände geschüttet hat, um das zögernde Vorgehen gegen die pööhsen Islams (alternativ: Atheisten, Homos oder wen sonst der "pastor" vor Ort besonders hasst) zu bestrafen. Steht doch schon in der Bibel, dass der liebe Gott irgendwann die "Schalen des Zorns" ausgießt und das Meer verseucht, alles aus Gerechtigkeit...
Drill, baby, drill. Weltuntergang 2012? Tschakka, du schaffst es!
Sind wir ehrlich: Hätte irgendeiner der anderen Öl-Konzerne es besser gemacht? Nein, BP hatte gewisserweise das Pech, dass das Projekt Tiefseebohrung bei einer ihrer Plattformen gescheitert ist, jeder musste um die Gefahren wissen und die Förderung hätte nie erlaubt werden dürfen.
Es ist Müsig, nun BP wegen des schlechten Krisenmanagements zu kritisieren, ist alles doch nur die logische Konsequenz der Nutzung einer Technik, die man nie beherrscht hat. Hätte BP von Anfang an gesagt: "Wir können es nicht reparieren und bald ist die ganze Region mit Öl verseucht", würden wir sie dann heute dafür auch nicht loben, oder?
Der Fehler war es, überhaupt solche Plattformen zu bauen.
Daß der Austritt des Oil am Meeresboden nicht 800 cbm ,sondern ca. 8000 cbm/Tag war,müssen sie von Anfang an gewusst haben.Man braucht nur den austretenen Druck und den Querschnitt der abgerissenen Leitung um auszurechnen was einschliesslich der Methangase dort durchläuft.So eine Menge kann man auch auf Dauer nicht mit Chemikalien (sichtbar) verschleiern.Geht man davon aus ,daß die Entlastungsbohrungen erst in 2-3 Monaten Wirkung zeigen,könnten bis dahin schon insgesamt über 1.000.000 cbm ausgetreten sein.Sollte sich das bestätigen ,kommt die wirklich grosse Katastrophe erst noch auf uns zu.
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