BP-Konzern Nur zugeben, was nicht zu leugnen istSeite 3/3

Die Ölbranche hat seit je ein Imageproblem – und sie hat es nach Auffassung von John Hofmeister völlig zu Recht. Der ehemalige Chef der amerikanischen Tochter des BP-Konkurrenten Shell schrieb noch vor der Explosion der Deepwater Horizon einen Text mit dem Titel Warum wir die Ölfirmen hassen. Sein Urteil über die ehemals eigene Branche ist harsch: »Transparenz und offene Kommunikation waren den Ölmultis nie ein großes Anliegen.« Genauso atemberaubend wie die möglichen Fehler im täglichen Geschäft, die nicht selten zu Explosionen und Umweltkatastrophen führten, sei der völlig unzureichende Umgang mit solchen Vorfällen.

All diese Fehler tragen zudem dazu bei, dass die Öffentlichkeit einem Konzern wie BP mittlerweile alles Schlechte zutraut. Wurden die Chemikalien, die zur Zersetzung des Öls beitragen sollten, vor allem eingesetzt, um das Öl von der Küste fernzuhalten, wo es sichtbaren Schaden anrichtet? Viele Umweltschützer und Wissenschaftler kritisieren den Einsatz des Mittels, weil seine Auswirkungen auf die Tiefseefauna ungewiss sind. 

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In einem Videoclip der Huffington Post und auf einem weiteren amerikanischen Nachrichtenportal heißt es außerdem, dass BP den Aufräumarbeitern verbiete, Gasmasken zu tragen, und ihnen sogar mit Kündigung drohe, wenn sie es doch tun sollten. Geschieht das, um unschöne Bilder zu verhindern?

Dabei wird das ganze Ausmaß der Katastrophe längst in Bildern elend sterbender Tiere deutlich. Tony Hayward hat sich inzwischen offenbar entschlossen, Verpasstes nachzuholen: Er gesteht seit einiger Zeit öffentlich die Schuld des Konzerns ein und bittet um Verzeihung. In Zeitungsanzeigen und Radio- und TV-Spots spricht er nun von einer »Tragödie, die nie hätte geschehen dürfen«. Allerdings verfehlen Entschuldigungen, die spät kommen, mitunter ihre Wirkung. Der amerikanische Präsident Barack Obama kritisierte sogleich, dass der Konzern Geld in teure Kampagnen stecke, statt es für Aufräumarbeiten und Entschädigungszahlungen auszugeben. Die Schadensbereinigung in Sachen Image wird für BP kein Stück leichter als der Kampf gegen die Ölpest.

Mitarbeit: John F. Jungclaussen

 
Leser-Kommentare
  1. formerly known as britsh beyond petroleum/beyound beyond petroleum.

    Marketing is everything.

    http://www.nzz.ch/nachric...

  2. 2. Sorry!

    correct:british petroleum/beyond petroleum

    • Lyaran
    • 11.06.2010 um 13:42 Uhr

    "auf Seite 13 findet sich darin der Ratschlag, bei Lecks »so schnell wie möglich« den Teil zu schließen, »an dem das Öl austritt«."

    Das hat mir den Tag gerettet. Also eine so umfassende Anleitung ist schon was wert. Warum macht das nicht einfach jemand. Da kann doch keiner sagen BP wäre nicht auf alles vorbereitet!

  3. Bei aller berechtigten Kritik am offizielen Umgang BPs mit der Katastrophe muss man sich doch die Frage gefallen lassen, wer das Unternehmen überhaupt zu derlei Unternehmungen befähigt. Das sind wir nämlich höchstselbst. So sehr uns auch die Bilder ölverschmierter gefiederter Kameraden schmerzen, so aufrichtig kommt doch auch der Aufschrei an der Zapfsäule, wenn der Ölpreis das nächste mal um einige Cent steigt. BP ist in diesem Zusammenhang nur einer der "Dealer", die es uns ermöglichen, unser stetes Bedürnis nach günstigem Treibstoff zu befriedigen. Da angesichts zur Neige gehender Reserven in konventionellen Quellen kein ernstzunehmendes Umdenken in Richtung alternativer Antriebsenergien oder gar der eigentlichen Notwendigkeit unbegrenzter Individualmobilität beim Gros der Autofahrer stattfindet, so dass Unternehmen inzwischen sogar in 2000 Metern Wassertiefe oder im Ölsand Gewinne erschürfen können, ist es nur eine Frage derzeit, bis eine weiteres Unglück in der Größenordnung des jetzigen eintreten wird. Anstatt sich nun den Ärger über die ein weiteres Mal verletzte Umwelt mit der Freude über den vermeintlichen Untergangs des bösen BP zu versüßen, sollte man sich fragen, für wie viele saubere und fröhliche Pelikane man mal sein eigenes Auto stehen lassen würde.

  4. dass sich im Falle eines Atomgaus unsere Atommanager sowie deren politische Steigbügelhalter ebenso verhalten wie
    Herr Tony Hayward!

  5. Zähne zusammenbeißen und durchhalten bis zu President Palin.

    Bis dahin haben sich ohnehin die Rednecks überzeugen lassen, dass Gott selber das Öl über die Strände geschüttet hat, um das zögernde Vorgehen gegen die pööhsen Islams (alternativ: Atheisten, Homos oder wen sonst der "pastor" vor Ort besonders hasst) zu bestrafen. Steht doch schon in der Bibel, dass der liebe Gott irgendwann die "Schalen des Zorns" ausgießt und das Meer verseucht, alles aus Gerechtigkeit...

    Drill, baby, drill. Weltuntergang 2012? Tschakka, du schaffst es!

  6. Sind wir ehrlich: Hätte irgendeiner der anderen Öl-Konzerne es besser gemacht? Nein, BP hatte gewisserweise das Pech, dass das Projekt Tiefseebohrung bei einer ihrer Plattformen gescheitert ist, jeder musste um die Gefahren wissen und die Förderung hätte nie erlaubt werden dürfen.

    Es ist Müsig, nun BP wegen des schlechten Krisenmanagements zu kritisieren, ist alles doch nur die logische Konsequenz der Nutzung einer Technik, die man nie beherrscht hat. Hätte BP von Anfang an gesagt: "Wir können es nicht reparieren und bald ist die ganze Region mit Öl verseucht", würden wir sie dann heute dafür auch nicht loben, oder?
    Der Fehler war es, überhaupt solche Plattformen zu bauen.

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