Berliner Stadtschloss Rasen betreten verboten Seite 2/2

So ist es die einstige Argumentation für den Wiederaufbau selbst, die nicht mehr rekonstruiert werden kann. Es sind nur noch die Fassaden jener Argumente geblieben, die einst plausibel waren. Die grüne Wiese, die als Zwischenlösung nun auf dem Schlossplatz wächst, ist kein Symbol einer Tristesse, sondern Dokument einer Denkpause. Es war auch ein gedanklicher Fehler, die gelungenen Rekonstruktionen der Frauenkirche und der Semperoper als Beispiele heranzuführen. Sie sind deshalb gelungen, weil sie wieder ihre ehemaligen Funktionen erfüllen, also Kirche und Opernhaus sind – die Preußenfamilie jedoch im Stadtschloss wieder ansiedeln, das wollte selbst Wilhelm von Boddien nicht. Und so hatte die Sehnsucht nach der Form von Anfang an eine inhaltlich offene Flanke, die sich nie schließen ließ. Nun, wo die ideologischen Schlachten zwischen Palast der Republik und Schloss, Fortschrittsglauben und Vergangenheitsverklärung selbst Vergangenheit sind, ist nur ein zentraler Punkt der damaligen Argumentation aktuell geblieben. Es braucht eine städtebauliche Lösung, um der Straße Unter den Linden und der Museumsinsel ihren historischen Fixpunkt zurückzugeben. Der Schlossplatz wird keine Liegewiese bleiben. Aber ein Schloss brauchen wir dort ebenfalls nicht. Vielleicht nutzt man die Zeit bis zum Jahre 2014 noch einmal, um sich den Entwurf der Architekten Kuehn Malvezzi anzuschauen. Ihre Idee, nicht die Fassade zum zentralen Bestandteil zu machen, sondern den Ziegelstein als den Rohstoff der märkischen Region, erlaubt eine Geschichtsverankerung und Zukunftszugewandtheit zugleich, die das Zeug zu einem architektonischen Ausrufezeichen in der Mitte der Republik hätte. Doch zunächst gilt: Rasen betreten verboten! Es wird ein Moment kommen, in dem wir glücklich sein werden, ihn bebauen zu können. Dann nämlich, wenn wir eine Idee haben, die Form werden will – und nicht umgekehrt. Form follows function, wie der Lateiner sagt.

Man kann die ganze Geschichte auch anders lesen – als Widerlegung der These vom »Weltbürgerkrieg«. Also: Im schönen, fast vollendeten Preußen, das von Hegel als die Selbstwerdung Gottes in der Geschichte auf den Begriff gebracht worden war, trat eines Tages ein unrechtmäßiger Sohn des Bürgertums auf die Bühne, selbst Hegel-Schüler, aber ein Linker. Er hieß Karl Marx und trieb einen Keil in das wohlmeinende Deutschland, einen Keil, der so tief war, dass der Konflikt sich ausweitete und es darüber zum internationalen Klassenkrieg kam, bis sich schließlich 1939 Deutschland und Russland gegenüberstanden. Diese Epoche des Weltbürgerkriegs endete dann nicht 1945, sondern erst 1989 mit der Wiedervereinigung und dem Ende des Kommunismus; sie setzte die von Marx aufgekündigte preußisch-deutsche Tradition wieder in ihr natürliches Recht und erlaubte es uns, symbolisch daran anzuknüpfen. In dieser Lesart gehörte auch die Bundesrepublik zur Irrtumsepoche des Weltbürgerkrieges, denn unter dem Druck der ortsfremden angelsächsischen Siegerkultur ersetzte sie die natürliche nationale Identität durch die unnatürliche sozialstaatliche. Die Wiedererrichtung des Stadtschlosses, wenn man seine Bedeutung ins Bombastische steigern will, würde die Verhältnisse endlich wieder umdrehen: Über die Zäsur von Auschwitz hinweg restauriert sie die von Marx verspielte Einheit der Nation durch kulturelle Sinnstiftung (anstatt nationale Identität durch Sozialetats zu ersetzen). Diese Hoffnung – Ersetzung der sozialpolitischen durch die kulturelle Identität – ist in der Finanzkrise enttäuscht worden, weil der deutsche Nationalstaat eigentlich schon im Augenblick seiner Wiedervereinigung ein globalisierter war und in schwere See geriet. Wie gesagt, auch so könnte man das alles sehen. Dass nun das Stadtschloss eingespart wird, weil die Sozialkosten explodiert sind, ist eine feine Pointe der Geschichte. Wer gestern an der Marx-Skulptur vorbeiging, die vom Marx-Engels-Forum direkt auf die entstehende »Humboldt-Box« und die grüne Liegewiese blickt, meinte auf seinen Zügen ein feines Lächeln zu erkennen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Wolltet ein Schloß bauen, das eure "schöne, fast vollendete" preußische "Selbstwerdung Gottes" in der "Mitte der Republik" wiederspiegelt.
    Dabei seid ihr hoch verschuldet und Berlins Mitte zur Zeit nicht gerade vom Volk geliebt und nach wie vor hochnäsig wie eh und je. Seit 65 Jahren befindet sich die Mitte der Republik übrigens woanders.

    Schön, dass die Geschichte wieder einmal diesmal mittels der Globalisierung einschreitet und euch brutal von eurem hohem Ross heruntergrätscht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... war immer so und wird immer so bleiben. Ironischerweise wird Bonn vorgeworfen eine "provinzielle" ("Provinz" und "provinziell" sind Wertungen die man eigentlich gehäuft nur aus berliner Mündern hört) Bundeshauptstadt gewesen zu sein. Dabei wirkten dort echte Visionäre und Charakterköpfe wie Karl Schiller, Willy Brandt, Helmut Schmidt und wie sie alle heißen. Die alte Bundesrepublik war der freiste, coolste und demokratischste deutsche Staat den es jemals gab.

    Heute residiert die "Berliner Republik" inmitten von Prunk, auf dem düsteren Parlamentsgebäude mit dem Namen der mir Schaudern bereitet ("Reichstag") flattern hingegen die Flaggen auf den vier Festungstürmen, per Inschrift über dem Eingang wird völkischer Pathos bemüht. Und alles kann nicht groß und wichtig und hochglänzend genug sein, fernsehnachrichtengerechter als das White House oder Kreml. Nur wird die Republik heute so provinziell - im Geiste - regiert wie zu keiner Zeit als Bonn noch Bundeshauptstadt war. So ist das eben mit Sein und Schein.

    • th
    • 10.06.2010 um 13:14 Uhr

    die "Residenz" rekonstruiert?

    Und woher kam der ganze Mist - ich sage mal nur "Feldherrnhalle" ...

    • Otto2
    • 10.06.2010 um 21:22 Uhr

    wussten Sie eigentlich, dass Strauß selbst einst öffentlich sagte, wie wichtig seiner Meinung nach Preußen war und dass die Bayern bereit sein sollten, die künftigen Preußen zu sein?
    Also Herr Bayer/Preuße satteln sie Ihr Pferd, aber halten sie sich fest, nicht alle mögen das.

    Wo befindet sich denn die Mitte der Republik? In Bonn? Oder in der Stadt der Hochfinanz, in Frankfurt? Kulturell zumindest kann keine deutsche Stadt Berlin das Wasser reichn mit deren Museumsszene der Philhermonie und drei (!) UNESCO-Weltkulturerbetiteln.

    ... war immer so und wird immer so bleiben. Ironischerweise wird Bonn vorgeworfen eine "provinzielle" ("Provinz" und "provinziell" sind Wertungen die man eigentlich gehäuft nur aus berliner Mündern hört) Bundeshauptstadt gewesen zu sein. Dabei wirkten dort echte Visionäre und Charakterköpfe wie Karl Schiller, Willy Brandt, Helmut Schmidt und wie sie alle heißen. Die alte Bundesrepublik war der freiste, coolste und demokratischste deutsche Staat den es jemals gab.

    Heute residiert die "Berliner Republik" inmitten von Prunk, auf dem düsteren Parlamentsgebäude mit dem Namen der mir Schaudern bereitet ("Reichstag") flattern hingegen die Flaggen auf den vier Festungstürmen, per Inschrift über dem Eingang wird völkischer Pathos bemüht. Und alles kann nicht groß und wichtig und hochglänzend genug sein, fernsehnachrichtengerechter als das White House oder Kreml. Nur wird die Republik heute so provinziell - im Geiste - regiert wie zu keiner Zeit als Bonn noch Bundeshauptstadt war. So ist das eben mit Sein und Schein.

    • th
    • 10.06.2010 um 13:14 Uhr

    die "Residenz" rekonstruiert?

    Und woher kam der ganze Mist - ich sage mal nur "Feldherrnhalle" ...

    • Otto2
    • 10.06.2010 um 21:22 Uhr

    wussten Sie eigentlich, dass Strauß selbst einst öffentlich sagte, wie wichtig seiner Meinung nach Preußen war und dass die Bayern bereit sein sollten, die künftigen Preußen zu sein?
    Also Herr Bayer/Preuße satteln sie Ihr Pferd, aber halten sie sich fest, nicht alle mögen das.

    Wo befindet sich denn die Mitte der Republik? In Bonn? Oder in der Stadt der Hochfinanz, in Frankfurt? Kulturell zumindest kann keine deutsche Stadt Berlin das Wasser reichn mit deren Museumsszene der Philhermonie und drei (!) UNESCO-Weltkulturerbetiteln.

  2. ...und Übertreibungen scheint man ebenfalls zu mögen. Manches Toben was man dieser Tage aus Berlin hört erinnert mich an ein quängelndes Kind was mit dem Fuß aufstampft und sagt "Ich will aber!" nachdem die Mama gerade gesagt hat es gibt kein weiteres Zuckerl mehr heute. Aber wenn etwas ein "Armutszeugnis" ist dann das eine Stadt, die sich in ermüdender Häufigkeit zur "Metropole" krönt, nicht in der Lage ist bzw. es sich nicht zuzutrauen scheint diese Leerstelle im Zentrum mit zeitgenössischen Mitteln zu gestalten. Stattdessen muss es reaktionäre Romantik sein, eine nostalgische Pseudorekonstruktion die an die wenigen Generation rückbesinnt als Berlin mal bedeutend war. Das verkürzte Geschichtsbewusstsein hierzulande vergisst ja gern dass als politische und kulturelle Zentren im Deutschen Reich viel mehr Wien, Hamburg, Köln, München, ja auch Frankfurt und das inzwischen oft vergessene Leipzig den Ton angaben. An die kurze Episode des autokratischen sog. Kaisertums (die echte Kaiserkrone lag freilich weiterhin in Wien, wo sie Kaiser Franz niederlegte).

    Was war Bonn doch für eine erfrischende Stadt. Inzwischen wird "Provinz" mit dem Unterton der Verachtung ausgesprochen, die preußische Großmannssucht ist wieder tonbestimmend. Man sehnt sich wieder nach menschenverkleinernden Prachtstraßen, Prunk, Pathos, Flaggengeflatter. Bonn war Understatement pur. Das Bundeskanzleramt hätte auch ein Gymnasium sein können, davor kein grimmiger General auf einem Sockel sondern moderne Kunst.

  3. ... war immer so und wird immer so bleiben. Ironischerweise wird Bonn vorgeworfen eine "provinzielle" ("Provinz" und "provinziell" sind Wertungen die man eigentlich gehäuft nur aus berliner Mündern hört) Bundeshauptstadt gewesen zu sein. Dabei wirkten dort echte Visionäre und Charakterköpfe wie Karl Schiller, Willy Brandt, Helmut Schmidt und wie sie alle heißen. Die alte Bundesrepublik war der freiste, coolste und demokratischste deutsche Staat den es jemals gab.

    Heute residiert die "Berliner Republik" inmitten von Prunk, auf dem düsteren Parlamentsgebäude mit dem Namen der mir Schaudern bereitet ("Reichstag") flattern hingegen die Flaggen auf den vier Festungstürmen, per Inschrift über dem Eingang wird völkischer Pathos bemüht. Und alles kann nicht groß und wichtig und hochglänzend genug sein, fernsehnachrichtengerechter als das White House oder Kreml. Nur wird die Republik heute so provinziell - im Geiste - regiert wie zu keiner Zeit als Bonn noch Bundeshauptstadt war. So ist das eben mit Sein und Schein.

  4. und ein Italiener hat das Siegerprojekt für den Wiederaufbau. Aber ich würde dafür plädieren, es nicht zu tun. Neue Projekte, innovative Ansätze können wesentlich mehr!

  5. Das jetzt wiede Stimmen spriessen, die gegen einen Wiederaufbau sprechen.

    "Es ist damit, wenn nicht alles täuscht, beerdigt. Das ist gut. Denn es wird momentan von niemandem wirklich gebraucht."

    Beerdigt wohl ja, der Rückhalt war nie nennenswert, lediglich gerade für einen Beschluss ausreichend. Nicht gebraucht ? Subjektiv..
    Wer braucht schon historische Gebäude ? Ein Schelm der böses dabei denkt.

    Zerbombte Kirchen werden wiederaufgebaut, wohlgemerkt mit Spenden & anderen finanziellen Zuschüssen. Die Kriche hingegen hält sich schön zurück, erstickt im Geld aber wozu sich beteiligen. Soll der Staat mal zusehen.
    Und nun zerbombte (nicht NS belastete) historische Staatsarchitektur ?

    In Zeiten finanzieller "Not", würde das Volk ein Verschieben des Baubeginns begrüßen. Wohl weil es hofft, die Millionen oder gar Milliarden fliessen in nützliche Projekte bzw. dienen dem Sparen. Aber Gott sei dank, hat uns Frau Merkel die Illusion schon genommen in ihrer kürzlich gehaltenen Ansprache zum Thema Sparpolitik.

  6. Ich bin erleichtert, dass es j e t z t nicht gebaut wird. Das hatte doch nun wirklich nichts mit Rekonstruktion zu tun. Auf lediglich drei Seiten barocke Fassade und nicht mal Geld für die Kuppel, im Inneren was ganz anderes.

    Man hätte nur riskiert, dass spätere Generationen ewig damit hadern, dass wir im Gegensatz zu anderen Hauptstädten diese Anomalie haben.
    Man hätte es ja dann schlecht wieder abreißen und durch eine echte Rekonstruktion ersetzen können. Dann wäre es nur um die bereits verbauten Spendengelder der Bürger schade gewesen.

    Mich regen nur die auf, die dagegen sind, weil wir ja sparen müssen. Die haben dabei anscheinend gar nicht mehr vor Augen haben, dass gleichzeitig dutzende Milliarden "alternativlos" ans Ausland gehen. Dabei wäre es auch wegen des Tourismus von Vorteil, wieder eine echte europäische Hauptstadt zu haben. Nicht das nur von Krieg, Sozialismus und den Glaspalästen des heutigen Neoliberalismus gezeichnete Berlin.

    An einen Vorposter: Auch der "grimmige General" auf einem Sockel vor einem historischen Gebäude ist Teil der internationalen Normalität ;).
    Und wenn man die wirklich will und nicht nur auf ewig ein abschreckendes Beispiel dafür sein möchte, was passiert, wenn die Geschichte einen falschen Verlauf nimmt…

  7. ... dass ich hier nicht der einzige bin, der sich an diesem abstrusen Artikel stört.

    Wenn der Autor von der "natürliche[n] nationale[n] Identität" schreibt, und zwar im gleichen Atemzug mit Preußen, dann hat er Deutschland nicht verstanden.

    Zum Glück ist Preußen untergegangen. Außer den Ex-Preußen tut das keinem leid. Da müssen wir es nicht in Berlin wieder aufleben lassen.

    Außerdem, Herr Illies, schreiben Sie: "Dass nun das Stadtschloss eingespart wird, weil die Sozialkosten explodiert sind,..." - Wie bitte? Was hat das mit den Sozialkosten zu tun? Oder verbuchen Sie Banken- und Konjunkturrettungspakete unter Sozialausgaben!?

    Sie scheinen mir reichlich verwirrt.

    • th
    • 10.06.2010 um 13:12 Uhr

    Der Platz ist doch keineswegs "die Mitte der Republik" und erst recht nicht identitätsstiftendes Zentrum der deutschen Nation, sondern einfach nur die historische Mitte der Stadt Berlin, mit einer ziemlich klar bestimmbaren Funktion im Stadtgefüge.

    Die Funktion einer Schloss-Rekonstruktion ist einfach, das verbindende Gelenk zwischen Museumsinsel einerseits, und den Linden mit Zeughaus und Forum Fridericianum andererseits zu schaffen. Da ist die einfachste Lösung eben, wieder Barock hinzustellen, selbst als Imitation, wo mal Barock gestanden hat.

    Meinetwegen könnte an die Stelle ein Bau ("Showroom") von S.I.T.E. kommen, etwas völlig Verrücktes wie die Barockfassade mit einem Aquarium darin oder so ... aber mit einem leeren Platz oder einer Eiermann-Kaufhausfassade bzw. noch irgendeinem Beton/Glasklotz ist es gerade an dieser Stelle einfach nicht getan.

    Wir laufen doch auch nicht "aus Ehrlichkeit" mit großen Zahnlücken herum, oder mit popfarbenen Füllungen. Der Neubau eines Schloß-Ersatzes hätte doch keine andere Funktion, als Berlin ein Stück seines europäischen Gesichtes wiederzugeben - sozusagen Schönheitschirurgie. Dabei ist doch jedem klar, dass die alte Tante durch lifting nicht wirklich verjüngt wird - sie sieht halt nur etwas besser aus.

    Dass die Preussenkönige mal im Schloss gewohnt haben, ist fast belanglos: wer den Zwinger, den Louvre oder die Eremitage liebt, ist deshalb noch kein Monarchist, oder Chauvinist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ohne Frage ist das architektonische Ensemble um die Spree als Gesamtkunstwerk aufzufassen, das erst durch eine Rekonstruktion des Berliner Schlosses wieder komplettiert würde. Es wäre städtebaulich richtig, dem zerstörten Gebiß neue Schneidezähne einzusetzen, auch wenn der Betrachter erkennt, daß sie falsch sind. Florian Illies legt die Schwächen der Planungen für einen Wiederaufbau, der keinen wirklichen Rückhalt in der Bevölkerung hat, hinreichend dar. Die mangelnde Überzeugungskraft ist meines Erachtens auf eine Konzeption zurückzuführen, die mentalitätsgeschichtlich viel zu sehr im abgestandenen Fruchtwasser der untergegangenen Bonner Republik schwimmt, wo die gewollte Häßlichkeit im öffentlichen Raum sowohl Unterwürfigkeit gegenüber den westlichen Siegermächten als auch eine neu erworbene moralische Überlegenheit symbolisierte.

    • ach_
    • 12.06.2010 um 18:13 Uhr

    Wie kommen Sie darauf, daß ein Bau, der von der Größe nicht zur Museuminsel paßt und von der Ausrichtung nicht zu Unter den Linden ein verbindendes Gelenk werden könnte?

    Die Frage, ob die Preußenkönige in dem Schloß gewohnt haben, ist übrigens nicht uninteressant - die meisten haben nämlich das Ding gemieden.

    Ohne Frage ist das architektonische Ensemble um die Spree als Gesamtkunstwerk aufzufassen, das erst durch eine Rekonstruktion des Berliner Schlosses wieder komplettiert würde. Es wäre städtebaulich richtig, dem zerstörten Gebiß neue Schneidezähne einzusetzen, auch wenn der Betrachter erkennt, daß sie falsch sind. Florian Illies legt die Schwächen der Planungen für einen Wiederaufbau, der keinen wirklichen Rückhalt in der Bevölkerung hat, hinreichend dar. Die mangelnde Überzeugungskraft ist meines Erachtens auf eine Konzeption zurückzuführen, die mentalitätsgeschichtlich viel zu sehr im abgestandenen Fruchtwasser der untergegangenen Bonner Republik schwimmt, wo die gewollte Häßlichkeit im öffentlichen Raum sowohl Unterwürfigkeit gegenüber den westlichen Siegermächten als auch eine neu erworbene moralische Überlegenheit symbolisierte.

    • ach_
    • 12.06.2010 um 18:13 Uhr

    Wie kommen Sie darauf, daß ein Bau, der von der Größe nicht zur Museuminsel paßt und von der Ausrichtung nicht zu Unter den Linden ein verbindendes Gelenk werden könnte?

    Die Frage, ob die Preußenkönige in dem Schloß gewohnt haben, ist übrigens nicht uninteressant - die meisten haben nämlich das Ding gemieden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service