UniversitätsrankingBesser werden

Das weltweit beachtete Universitätsranking des Magazins »Times Higher Education« war mangelhaft, sagt Herausgeber Phil Baty von Phil Baty

Studenten der Harvard University

Studenten der Harvard University. Die US-Uni führt seit Jahren das World University Ranking an  |  © Robert Spencer/Getty Images

Ich muss Ihnen ein Geständnis machen. Die Ranglisten der besten internationalen Universitäten, die meine Zeitschrift in den vergangenen sechs Jahren veröffentlicht hat, sind ihrem Zweck nicht gerecht geworden. Anders formuliert: Sie weisen schwerwiegende Mängel auf.

Natürlich war uns immer bewusst, dass Rankings die Arbeit von Universitäten nie vollständig abbilden können. Dennoch sind wir überzeugt, dass Vergleiche ihren Nutzen haben. Sie helfen Studierenden bei der Fächerwahl, den Lehrenden bei ihren Karriereentscheidungen, und sie unterstützen die Universitätsleitungen bei der Festlegung strategischer Prioritäten. Auch staatliche Investitionen in Hochschulen erfolgen mehr und mehr auf der Grundlage internationaler Ranglisten. Insofern sind wir uns unserer Verpflichtung bewusst, Rankings so streng, ausgewogen und transparent wie möglich zu gestalten. Zu dieser Verpflichtung gehört auch, Fehler einzugestehen.

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Unsere jährlichen Hochschulrankings wurden 2004 zum ersten Mal publiziert, als das Magazin Times Higher Education (THE) nicht nur einen anderen Herausgeber hatte, sondern auch einen anderen Namen (THES) und Besitzer. Vergangenes Jahr ergriffen wir die erste Gelegenheit, die Rankings in Gänze auf den Prüfstand zu stellen. Was wir dabei feststellten, gefiel uns ganz und gar nicht.

Das größte Problem war der sogenannte Peer Review, auf dem etwa 40 Prozent der Gesamtpunktzahl einer Universität basierte – eigentlich eine simple Meinungsumfrage unter Hochschulmitarbeitern, welche Unis sie am höchsten bewerten. Doch die Gesellschaft, die uns bis 2009 die Daten lieferte, erreichte nur eine kleine Anzahl von Befragten. So gaben vergangenes Jahr etwa 3500 Personen ihr Urteil ab – ein Bruchteil von Millionen Wissenschaftlern in aller Welt. Die Werte für die einzelnen Länder sind erschreckend. 2008 arbeitete man mit 563 Rückmeldungen aus Großbritannien, und – ich schäme mich fast, es zuzugeben – lächerliche 182 Antworten kamen als Rücklauf aus Deutschland. Ist es da verwunderlich, dass von Jahr zu Jahr dramatische Sprünge zu verzeichnen waren? Beispiel Freie Universität Berlin: Sie preschte 2009 um 43 Ränge von 137 auf 94 vor. Die Hochschule ist hervorragend, aber konnte sie sich in zwölf Monaten wirklich so stark verbessern? Die RWTH Aachen wiederum übersprang von Rang 216 auf 182 ganze 34 Plätze.

Leserkommentare
    • A-Town
    • 11. Juni 2010 20:51 Uhr

    Ich besitze den Zeitstudienführer und diese "Beichte" verwundert mich nicht.
    Die Urteile sind nicht wahrheitsgetreu, wenn man die Ranking-Aussagen mit denen der Studenten von Universitäten vergleicht. Ansonsten kann ich den Studienführer nur weiterempfehlen, die Rankings sind nicht wirklich seriös; mal sehen wie es im nächsten Jahr wird.

  1. irgendwann wird das was mit den Rankings und pervertierten Wettbewerbsideologie unter Bildunginstituten. Es war wohl einfach die Dosis noch nicht intensiv genug um den Theorien gerecht zu werden. Besonders lächerlich auch hier die kritiklose übernahme US Amerikanischer Vorstellungen über das Bildungswesen welches nachweislich miserable Qualität ausweist und dies seit Jahren. Wie immer bei Wettbwerben gewinnt nur einer oder wenige wärend alle anderen abseits stehen. Bildung ist aber kein Sportereignis oder vergleichbar mit einem Konsumgüterhersteller. Bildung sollte strikt von Spezialisten geplant werden ohne das irgendwlche Interessenverbände (Industrie, Bildungskonzerne, Investoren) soviel Macht über die Ausbildungsprozesse erhalten das alle anderen Faktoren auf der Strcke bleiben. Zudem sollte es zur Medienkompetenz gehören das immer gefragt wird wer an irgendwlechen Entscheidungen/Meinungen verdient. Da ergibt sich dann meist ein völlig anderes Bild so als Kontra zur üblichen Verwendung von begriffen wie Freiheit, Eigenverantwortung usw. Viele haben überdies beretis vergessen, oder sind sich nicht bewusst, das Bildung einst dene vorbehalten war die dafür bezahlen konnten. Erst moderne Bildungssystem die mit Umvertielungsmchanismen finanziert wurden konnten Bildung für alle Grantieren. Dies wird nun mehr doer weniger freiwillig wieder abgerissen. Die Bildungslandschaften werden für die Privatisierung vorbereitet wobei dann auch die Rankings wieder in's Spiel kommen.

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    • lepkeb
    • 12. Juni 2010 11:00 Uhr

    Teilen richtig, auch der Ansatz das Alle den Zugang zu Bildung haben sollten ist gut, aber Universitäten und auch Fachhochschulen sind nicht für alle da, sondern sollten einer wissenschaftlichen Elitenbildung dienen. Dieser Gedanke ist jedoch in den letzten 40 Jahren in der BRD mehr und mehr aufgeweicht worden, so dass alle an die Einrichtungen kommen ohne das eine Selektion stattfindet. Diese erfolgt dann auch nicht an den höheren Bildungseinrichtungen, da auch dort nach dem Prinzip gearbeitet werden muss, Masse statt Klasse, da es sonst zu Einschränkungen in der Finanzierung kommt. Wobei der Hintergrund von Ihnen natürlich schon erwähnt wurde, wirtschaftliche Interessen von Konzernen (Stichhworte Überangebot an 'qualifizierten# Arbeitskräften, Lohndumping).

    Zu ihrer Meinung zum Anglo-System und der nachweislich miserablen Qualität, wären Beispiele oder Quellen interessant. Hätte D-land das Anglo-System vollständig übernommen, wäre es ein Gewinn für die Studenten gewesen, denn es hätte mehr Schwung in die Professorenschar gebracht und Ihnen klar gemacht, wer sie finanziert und welche Aufgaben sie haben. Und das eine zwei Tage Arbeitswoche und den Rest der Zeit wird in diversen Firmen noch Geld verdient, nicht Sinn und Zweck ihres Arbeitsvertrages ist. Aber das soll sich ja bald ändern und wie ein Kollege sagte dann höre ich auf.

  2. Jämmerlich jämmerlich, so auf die Meinung von Meinungsmachern zu hören und den gesunden Menschenverstand dabei auszuschalten!

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    Die Frage ist, welche Beschäftigung man anstrebt.

    Ich bin der Meinung, dass es für das Ausbildungsniveau auf Undergraduate-Level (sprich BSc) noch relativ gleichgültig ist, ob man nun in Boston oder Berlin studiert. Hier stimme ich Ihnen noch zu und halte den "gesunden Menschenverstand" für eine nützliche Entscheidungshilfe.

    Für das Graduate-Level jedoch sind Rankings - selbstverständlich bei kritischer Betrachtung - eine gute Stütze. Einfache Zahlen wie Zitationen pro Veröffentlichung sagen zumindest etwas über die allgemeine Wertschätzung, vielleicht sogar über die Qualität der Arbeit an der jeweiligen Universität. Peer-Reviews geben ebenfalls Auskunft über das Renommee einer Institution im gewählten Fachgebiet. Auch die Anzahl der Promotionsstellen pro Professor oder das Betreuungsverhältnis sind Zahlen, die eine Entscheidung durchaus beeinflussen, die jedoch nicht vom Einzelnen erfragt werden können.

    Sich allerdings ausschließlich auf Rankings zu verlassen, wäre wohl Unsinn. Aber so einfach machen es sich dann auch die wenigsten. Ein Ranking ist aber - meiner Meinung nach - ein durchaus angenehmes Mittel, das eigene Bauchgefühl mit etwas Fakten zu füttern.

  3. Das Ziel der Rankings ist doch, zu beweisen, dass Harvard und Stanford - zwei extrem teure "Universitäten", die aus lauter Geldgier mittlerweile sogar pseudoakademische Titel im Internet verhökern, wie sich jeder leicht vergewissern kann - immer noch unerreichte Spitze seien. Auf diese Weise können sie ihrem Auftrag, aus den Kindern der Reichen unabhängig von Begabung oder Motivation die Entscheidungsträger von morgen zu machen, besser nachkommen.

    Dass die Harvard Business School, immer als die Crème de la Crème des ganzen Planeten gepriesen, eine Erfolgsquote ihrer Studenten von 99% vorzuweisen hat (und darunter auch Leuchten wie George Troubleyou), sagt mehr als tausend Worte. Ich habe selber unterrichtet, auch an Universitäten, und weiß eines: 99% Erfolgsquote sind wie die 99%-Wahlergebnisse in totalitären Staaten.

    Vor diesem Hintergrund sind die ewigen Rankings nicht das Papier wert, auf das sie gedruckt werden. Für die USA jedenfalls wäre es besser, einen gesetzlichen Erbadel einzuführen und die Vermögen von Harvard und Stanford, die dann nicht mehr benötigt würden, einzuziehen und zur Finanzierung des Gesundheitssystems zu verwenden.

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    • lepkeb
    • 12. Juni 2010 10:45 Uhr

    oder besser noch den Link für ihre Behauptung hinsichtlich Standford und Havard.

    • joflo
    • 13. Juni 2010 10:42 Uhr

    99% Erfolgsquote sind durchaus moeglich - wenn man alle Studenten, die mehr oder weniger freiwillig aufhoeren, nicht mitzaehlt. Allerdings ist es dann auch keine Leistung mehr (an meinem Institut ist meines Wissens seit Einfuehrung von Bologna offiziell nur ein Student zwangsexmatrikuliert worden; wer zu schlecht war, hatte sowieso meist wenig Spass am Studium und hat es dann selber abgebrochen - und der eine zwangsexmatrikulierte ist auch nicht zu oft durch Prufungen gefallen, sondern hat sich zu oft beim Spicken erwischen lassen).

    Nun ja, Harvard, Yale, Stanford und co. haben eine ganze Rheie von Nobelpreisträgern, Spitzenwissenschaftlern und Ökonomen hervor gebracht. Deshalb stehen diese Universitäten in fast jedem Ranking auf den Spitzenplätzen (nicht nur amerikanische Rankings)
    Diese Eliteuniversitäten als Hort von "Reichen unabhängig von Begabung und Motivation..." hinzustellen geht doch deutlich an der Realität vorbei. Um beispielsweise an der Harvard Business School aufgenommen zu werden , müssen sie eine bestimmte Punktzahl in dem Gmat-Test erreichen (unter anderem). Harvard enteignen und damit das Gesundheitssystem finanzieren ???? Wenn da mal nicht der Neid aus so manchem Kritiker spricht.

  4. Lynchmops,
    ich kann Ihren Post nicht verstehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass Harvard eine herausragende Universität ist. Und das die Qualität von Lehre und Forschung direkt mit den Verfügbaren Geldmitteln und auch dem Prestige korrelieren ist kein Geheimnis.
    Bei den Erfolgsquoten (Undergrad) sollte man 2 Faktoren einbeziehen:
    - Die angenommenen Studenten gehören zu den Besten der Welt und obwohl ein durchschnittlicher Schüler eine Bewerbung gar nicht erst versucht ist die rejection rate sehr hoch
    - Eine Abschlussquote von 98% bezieht sich auf einen Zeitraum von 6 Jahren für einen BA

    Generell halte ich Rankings für sinnvoll, da sie einem erleichtern sich für eine Uni zu entscheiden. Auch wenn das THE Ranking nicht optimal ist, kann man seine Informationen daraus ziehen und ich denke das trotz mancher Fehler Unis der z.B. Top 100 in einem "optimalen Ranking" immer noch sehr gut wären.
    Rankings spielen zwar in Deutschland keine Rolle, da man hier die Mittelmäßigkeit zelebriert (Vorteil, dass es keine "schlechten" Unis gibt, aber eben auch keine "Elite"), aber im Ausland (UK/USA) sind Schüler/Studenten auf solche Wegweiser angewiesen, da es eben auch schlechte Unis gibt.

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    z.B. GWB, der an der University of Texas wegen seiner schlechten Noten nicht genommen wurde und deswegen nach Harvard "musste"?

    • joflo
    • 12. Juni 2010 10:30 Uhr

    Das genannte Ranking hat ein großes Problem, es will nämlich die "beste" Uni finden. Es ist vergleichsweise einfach, Kriterien wie höchste Qualität der Forschung (z.B. viele Veröffentlichungen in angesehen Fachjournalen), die meiste Forschung (Anzahl der Veröffentlichungen), Qualität der Absolventen (wo landen sie später), Lernerfolg der Studenten (wie viel haben sie im Vergleich zum Studienbeginn dazugelernt), Klima an der Uni (fühlen sich Lehrende, Forschende und studierende wohl?) und ähnliches messen.

    Will man aber jetzt herausfinden, welche Uni die beste insgesamt ist, hat man ein Problem: Es gibt keine Eigenschaft "Gutheit", die sich quantitativ messen lässt. Also muss man messbare Kriterien nehmen und diese Gewichten. Und spätestens durch die Gewichtung wird es schnell willkürlich (wie soll die optimale Uni aussehen? Forschung zu Lehre 50:50?).

    Das Ranking macht jedoch anscheinend noch weitere Fehler: Erstens entschiedet es, wie denn gute Lehre oder Forschung zu erreichen ist (z.B. indem es Studierende/Lehrende misst), wobei Phil Baty immerhin zugibt, dass das nicht unbedingt gut ist. Und zweitens bewertet sie den Ruf einer Uni, ein völlig unobjektives Kriterium: Würde man zum Beispiel irgendjemanden auf dem Wochenmarkt fragen, welche Unis besonders gut sind, würden wohl Harvard, Oxford, Cambridge als Namen fallen. Und auch Wissenschaftler werden in ihrer Bewertung durch den bisherigen Ruf einer Uni beeinflusst, so dass sich über Jahre das Ranking selbst beeinflusst.

    Eine Leserempfehlung
  5. Die Frage ist, welche Beschäftigung man anstrebt.

    Ich bin der Meinung, dass es für das Ausbildungsniveau auf Undergraduate-Level (sprich BSc) noch relativ gleichgültig ist, ob man nun in Boston oder Berlin studiert. Hier stimme ich Ihnen noch zu und halte den "gesunden Menschenverstand" für eine nützliche Entscheidungshilfe.

    Für das Graduate-Level jedoch sind Rankings - selbstverständlich bei kritischer Betrachtung - eine gute Stütze. Einfache Zahlen wie Zitationen pro Veröffentlichung sagen zumindest etwas über die allgemeine Wertschätzung, vielleicht sogar über die Qualität der Arbeit an der jeweiligen Universität. Peer-Reviews geben ebenfalls Auskunft über das Renommee einer Institution im gewählten Fachgebiet. Auch die Anzahl der Promotionsstellen pro Professor oder das Betreuungsverhältnis sind Zahlen, die eine Entscheidung durchaus beeinflussen, die jedoch nicht vom Einzelnen erfragt werden können.

    Sich allerdings ausschließlich auf Rankings zu verlassen, wäre wohl Unsinn. Aber so einfach machen es sich dann auch die wenigsten. Ein Ranking ist aber - meiner Meinung nach - ein durchaus angenehmes Mittel, das eigene Bauchgefühl mit etwas Fakten zu füttern.

    Antwort auf "Einfach jämmerlich"
    • lepkeb
    • 12. Juni 2010 10:45 Uhr

    oder besser noch den Link für ihre Behauptung hinsichtlich Standford und Havard.

    Antwort auf "Keine Panik"
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