In Deutschland kauft sich Nicolas Berggruen gerne Lindt. Schokolade ist seine große Schwäche. In der Regel nimmt er zwei Mahlzeiten am Tag zu sich, davon ist eine immer ein Schokoladenkuchen oder eine Vollmilchtafel. Das beruhigt die Nerven, gibt Energie und verschafft Schwung. So ging er vor einigen Jahren mit David Bonderman im Himalaya wandern. Der Gründer und Chef der Private-Equity-Firma TPG ritt die Berge allerdings mit einem Pferd hoch, während Berggruen zu Fuß ging – und dabei die ganze Zeit Schokoriegel futterte.

In diesen Tagen steigt Berggruens Zuckerkonsum wohl wieder an. Lauter Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di, dem Konkursverwalter Klaus Hubert Görg und dem Vermieter Highstreet bis zum endgültigen Erwerb der Kaufhauskette Karstadt – das kostet Kraft. Aber in schwierigen Situationen lebt Berggruen auch auf. Genau analysieren, rasch reagieren, hart arbeiten: Das kennt er in seinen fast 30 Jahren als Investor kaum anders. 12 oder 14 Stunden, jeden Tag.

Der Deutsch-Amerikaner prüft kühl Bilanzen und rechnet den Geldfluss auf Jahre hoch. Getöse stört ihn dabei nicht. In der Finanzkrise hat er nicht nur in das spanische Verlagshaus Prisa, sondern auch in den großen englischen Lebensversicherer Pearl investiert. "Man soll einsteigen, wenn das Blut auf der Straße fließt", zitiert er gern die angebliche Börsenweisheit des Baron Rothschild. Anders gesagt, der Mann hat Nerven und Geduld. Berggruen findet auch seine Kollegen an der Wall Street oft zu zappelig. Grundsätzlich macht er keine in der Branche üblichen Deals gemeinsam mit Partnern aus der Private-Equity-Szene. "Wenn es gut läuft, steigen die Partner nach zwei oder drei Jahren aus", sagte Berggruen, nachdem Karstadt am Dienstag besiegelt war. Er aber würde am liebsten für immer dabeibleiben. Viele seiner Firmen wie den portugiesischen Medienkonzern Media Capital verkaufte er erst nach mehr als zehn Jahren.

Der Karstadt-Kauf ist ohnehin nicht irgendein Deal für Berggruen. Schon lange wollte er in ein deutsches Unternehmen investieren. Vor fünf Jahren eröffnete er sein Büro in Berlin, erwarb zunächst aber nur Immobilien im Wert von insgesamt 140 Millionen Euro. In einem seiner Häuser an der Cottbusser Straße eröffnet er am Freitag mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit ein Kulturzentrum. Am Sonntag feiert er dann mit großer Prominenz aus der Kunstwelt im Berggruen-Museum, wo die Picasso-Sammlung steht, die sein Vater, der berühmte Kunsthändler Heinz Berggruen, Berlin schenkte.

Sohn Nicolas Berggruen spricht Deutsch, die Sprache seiner Kindheit. Aber er lebte nie in Deutschland. Denn seine Mutter, eine Berliner Schauspielerin, wohnt in Paris. Sein Urgroßvater betrieb noch ein Lederwarengeschäft, sein Großvater ein Schreibwarengeschäft in Berlin. Beides waren exklusive Läden, in seinen Memoiren erinnert sich Berggruens Vater gern an den Duft des Leders und den Glanz der teuren Füllfederhalter. Kein Wunder, dass Berggruen die Karstadt-Filialen "glamouröser" und hochwertiger machen will.

Dort investiert er nun mit seinem eigenen Geld, denn er sammelt kein Kapital bei Pensionsgesellschaften oder anderen institutionellen Investoren ein. Das verschaffe Unabhängigkeit, so Berggruen. Nur von einer Sache ist er abhängig, wie gesagt: von Schokolade.