Etwa jeder Dritte der in Bremerhaven versammelten Fachleute meinte, Kernenergie und Offshorewindkraft ergänzten sich gut © Ingo Wagner/dpa

Während die Bundesregierung ihre Entscheidung vertagt hat , bekommt die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke jetzt unerwartete Unterstützung: ausgerechnet aus der Branche der Offshorewindkraft. Dort genießt der Weiterbetrieb von AKWs über den Ausstiegstermin 2021 hinaus bemerkenswerte Sympathie.

So hatten 800 Teilnehmer der Fachkonferenz "Windstärke 10 – Kurs Offshore" jüngst an einer Tele-Dialog-Umfrage teilgenommen, wobei 55 Prozent von ihnen eine Laufzeitverlängerung befürworteten, fast 30 Prozent sogar einen unbefristeten Weiterbetrieb "bis zum Ende der technischen Betriebsdauer".

Nur ein Drittel der Befragten befürchtet Nachteile für den Bau neuer Windparks auf hoher See durch weiter laufende Atommeiler, der Rest sieht keine oder positive Folgen. Etwa jeder Dritte der in Bremerhaven versammelten Fachleute meinte sogar, Kernenergie und Offshorewindkraft ergänzten sich gut. Weitere 20 Prozent hoffen auf Vorteile, wenn Gewinne aus weiter produziertem Atomstrom abgeschöpft und zum Ausbau des Stromnetzes zugunsten erneuerbarer Energiequellen eingesetzt würden.

Mit Ökovisionen idealistischer Windmüller hat die junge Offshoreindustrie wenig am Hut. Kein Wunder: Es geht um Milliarden-Investitionen, und zwei Drittel sämtlicher Projekte planen die Energieriesen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall – allesamt AKW-Betreiber. Hauptsponsor der Tagung in Bremerhaven war Areva, der weltgrößte Nuklearkonzern und Betreiber der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague. Seine Tochter Multibrid liefert die Turbinen für Deutschlands ersten Windpark auf hoher See, Alpha-Ventus.

Fazit: Nuklear- und Offshorewindindustrie sind politisch keine Kontrahenten – sondern eher zwei Abteilungen des gleichen Konzerns.