Nürnberg Weltkulturerbe "Wir sind der Ort der Täter"Seite 2/2
ZEIT: Was hätte Nürnberg eigentlich davon, wenn es Weltkulturerbe würde?
Maly: Was wir uns wünschen, ist ein Stück internationaler Anerkennung dessen, was an Geschichtsarbeit geleistet wurde. Wobei Nürnberg natürlich auch ohne Welterbestatus immer eine Reise wert ist.
ZEIT: Spielen nicht auch finanzielle Aspekte hinein? Ihr Koalitionspartner, die CSU, verbindet mit dem Antrag die Hoffnung, dass damit auch die Kosten für die Sanierung der Zeppelinbühne auf dem Reichsparteitagsgelände zum Teil übernommen würden.
Maly: Ich erwarte nicht, dass wir aus möglichen Welterbetöpfen Geld abziehen werden.
ZEIT: Wenn es nun auch mit den Menschenrechten nicht klappt, haben Sie dann noch einen Bewerbungsvorschlag für die Unesco im Köcher?
Maly: Nein. Es ist ja nicht so, dass wir wie beim Eurovision Song Contest 28 Jahre lang nach der Krone fischen, nur um irgendwas aufs Ortsschild schreiben zu können. Die Sache ist uns ein ernsthaftes inhaltliches Anliegen.
ZEIT: Sie möchten nicht die Lena von Nürnberg werden?
Maly: Die würde ich meinem Freund und Bürgermeisterkollegen Stefan Weil in Hannover nie streitig machen wollen.
Das Gespräch führte Sven Behrisch
- Datum 22.06.2010 - 16:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2010 Nr. 24
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Mag es theoretisch gut klingen, so ist weder Nürnberg noch Deutschland an sich dafür reif. Auch nach all den Jahren nicht. Die Zeit vergeht, aber anders als die Nachbarländer wird Geschichte hier nur mangelnd (wenn überhaupt) aufgearbeitet. Politische Themen werden der Vergangenheitsbewältigung und dr Auseinandersetzung mit selbiger, vorgezogen.
Eben erst erschien ein Artikel, bei dem Zuse als böser Nazi(helfer) deklariert wurde.
Verklärte anstatt verarbeitete Wirklichkeit.
ob die sich auf Ort der Täter definieren lassen wollen.
Eher als Reichsparteitag fällt mit bei Nürnberg doch immer noch Lebkuchen ein und das dürfte in der breiten Bevölkerung ähnlich sein. Wenn die Medien nicht ständig sich am 3.Reich abarbeiten wollten und dabei die alten NS-Losungen "Stadt der Reichsparteitage" witertransportierten. Wohl mangels anderer mainstream-gängiger Themen.
In der Tat. Denn dort wurde die NS Führung ohne juristische Basis (nulla poena sine lege!) und teilweise unter Folter (siehe bspw. Rudolf Franz Ferdinand Höss) verurteilt, die "Nuremberg Trials" waren nichts als Schauprozess um von den wirklichen Problemen abzulenken - auch unschuldige kamen dabei ums Leben (siehe bspw. Alfred Jodl).
Teilweise entfernt. Bitte vermeiden Sie polemische Pauschalisierungen. Die Redaktion/sh
Entfernt. Verzichten Sie auf hetzerische Behauptungen und überzeugen Sie stattdessen mit sachlichen Meinungen. Danke. Die Redaktion/sh
fällt mir bei Nürnberg auch als erstes ein, der Christkindelmarkt und eine schöne Altstadt. Warum muß man denn bei allen erdenklichen Gelegenheiten immer dieses Kapitel anbringen.
Eine durchweg und uneingeschraenkt unterstuetzendswerte Initiative, die, so hoffe ich, parteiuebergreifend aufgegriffen wird und nicht zur einseitigen parteiplolitischen Profilierung genutzt wird.
Die deutsche Gesellschaft hat die Chance und die Verantwortung sich weiterhin den Konsequenzen des eigenen historischen Unrechtsystems zu stellen und an anderer Stelle heute zu mahnen.
Mich stört Herrn Malys Geschichtsbild: Die Stadt und ihre damalige Bedeutung wurden bewusst von der NS-Propaganda und später auch von den Alliierten instrumentalisiert! Es ist das Problem der Stadt, dass sie seit Jahrhunderten mit ideologisch aufgeladenen Titulaturen überfrachtet wird. Da mach „Stadt der Menschenrechte“ keine Ausnahme.... Die hier vorgebrachte Argumentation geht in etwa so: Früher ganz böse, heute ganz gut. Das hat doch keine Basis. Eine respektvolle und differenzierte Aufarbeitung sieht für mich anders aus!
Als Volkswirt denkt Herr Maly natürlich an enorm teuere Sanierung des Reichsparteitagsgeländes. Das kann von der Stadt nicht alleine gestemmt werden und ist eine gesamtdeutsche Aufgabe. Aber hierfür braucht man keinen Weltkulturerbetitel! Der UNESCO-Zuschuss ist fast nicht existent. Das Geld käme so und so aus Bundesmitteln.
Wer die Zukunft der Stadt auf diesem Areal sucht, der irrt!
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