Ganz Südafrika ist in diesen Tagen fußballverrückt, und niemand will mehr etwas hören über all die Rückschläge und Fehlplanungen bei der Vorbereitung der Weltmeisterschaft 2010. Diese Geschichte aber muss vor dem Anpfiff noch erzählt werden, denn sie liefert ein Lehrstück darüber, was alles schiefgehen kann, wenn ein Schwellenland den Zuschlag für ein globales Mega-Event erhält. Sie spielt in Nelspruit, einer mittelgroßen Stadt, die zu den neun Spielorten gehört, und sie handelt von verschleuderten Millionen und haarsträubender Korruption, von revoltierenden Jugendlichen und einem mörderischen Verteilungskampf um die Profite, die die WM abwirft.

Es ist die Geschichte des Mbombela-Stadions, einer prächtigen Arena für 43.500 Zuschauer, die eine Milliarde Rand gekostet hat, rund 100 Millionen Euro. Vier Weltcup-Begegnungen werden in diesem Stadion stattfinden, und nach 360 Minuten wird das Turnier aller Turniere in Nelspruit vorbei sein.

Den traurigsten Teil der Geschichte erzählt Bonny Mahlala. Sie hat ihren Ehemann verloren. Er hieß Jimmy Mahlala, war Sprecher der Stadtverwaltung und hatte Informationen über Irregularitäten bei der Vergabe der Bauaufträge gesammelt. Mahlala wollte die kriminellen Deals aufdecken und zeigte Jacob Dladla an, den ins Zwielicht geratenen Manager der Administration.

Am 4. Januar 2008, gegen acht Uhr abends, drang ein Unbekannter in Mahlalas Haus mit der Nummer 3432 in der Township KaNyamazane ein. Er schoss Mahlala aus nächster Nähe nieder und jagte dem 19-jährigen Sohn Tshepiso eine Kugel ins Bein. "Ich hörte die Schüsse im ersten Stockwerk. Dann sah ich den Killer weglaufen", sagt Bonny Mahlala. Ihr Mann Jimmy starb am Tatort.

Bonny Mahlala ist eine elegante, selbstbeherrschte Frau, die sich die Trauer nicht anmerken lässt. Erst als sie sagt, dass ihr Mann noch leben würde, wenn der Weltcup nicht nach Südafrika gekommen wäre, werden ihr Augen feucht. "Jimmy starb auf dem Fußballfeld von Mbombela."

Fast auf den Tag genau ein Jahr später wurde Sammy Mpatlanyane umgebracht, der Vizedirektor im Sportministerium der Provinzregierung. Auch er wusste zu viel. Eine Untersuchungskommission fand heraus, dass beim Stadionbau Millionen von Rand veruntreut worden waren. Es geht um klandestine Absprachen der Zulieferfirmen, die die Preise für Stahl, Zement und andere Baustoffe in die Höhe trieben, und um kick backs, also um Schmiergelder für die Beamten, die die öffentlichen Aufträge vergeben hatten. Die Kommission empfahl, den vom Dienst suspendierten Stadtmanager Dladla sowie die Direktoren der drei Firmen, die den Stadionbau koordinierten, strafrechtlich zu belangen.

"Es kommt ja doch nichts dabei heraus", sagt Bonny Mahlala resigniert. Wenn man den Bericht der Witwe gehört hat, sieht man das Stadion mit anderen Augen. Es liegt sieben Kilometer außerhalb der Stadt, ein markantes Bauwerk mit 18 hoch aufragenden Stützpfeilern, die an Giraffenhälse erinnern. Die Sitzreihen sind gemustert wie ein Zebrafell. "Wildest Africa" nennt der Chefarchitekt Mike Bell seinen Stil. Den Fans aus Europa wird die Arena gefallen, sie entspricht allen Klischees, die Weiße vom "schwarzen Kontinent" haben.