Seine Karriere gilt als eine Art modernes Heldenmärchen, das alle Welt bestaunt und nicht zuletzt er selbst: "Hätte ich als kleiner Junge eine Geschichte schreiben sollen, die schönste, die man sich vorstellen kann – dann hätte ich mir das ausgedacht, was mir im wirklichen Leben passiert ist", resümierte er kurz vor seiner Schlussvorstellung. Da hatte er bei mehr als tausend Auftritten längst beide Hälften der Menschheit verzaubert. Die weibliche, weil er so verdammt gut aussah mit seinem hochgewachsenen, trainierten Körper, dem dichten, dunklen Haar und einem unergründlichen Blick aus blauen Augen; die männliche, weil er zudem über innere Werte verfügt, die man sich von seinem besten Freund erhofft. Treue, Fairness, Teamgeist wurden ihm stets attestiert und dass er seinen Job perfekt erledigt. Pünktlich, präzise, punktgenau. Und wenn dann doch mal was schiefging, lag das kaum an ihm.

Sein Erfolgsrezept? "Sie müssen alles, was Sie haben, ... investieren. Und Sie dürfen es nicht als Arbeit auffassen. Vergnügen, Leidenschaft, Liebe. Aber niemals Arbeit." Schön, wenn man mit dem, was man ohnehin gern tut, sein Geld verdienen kann. Noch schöner, wenn einem das Talent dazu in die Wiege gelegt wurde, in seinem Fall vom Vater. Denn jener Spross eines Seemanns hatte bereits eine ähnliche Erfolgsstory hingelegt wie er. Nur war das für ihn anfangs eine Bürde. Als "der Sohn von..." bespöttelt, fühlte er sich umso mehr angespornt, einer der Besten zu werden: "Ich habe dreimal so hart gearbeitet, um die Sticheleien aus der Welt zu schaffen."

Gerade einmal 16 Jahre alt, erlebte er sein Debüt. Und schwärmt bis heute von dem "unvergesslichen Gefühl, in die Welt der Großen einzutreten". Später dann habe er mehr und mehr von den väterlichen Erfahrungen profitiert. "Man verliert nicht gleich den Kopf, wenn einem zum ersten Mal Honig um den Bart geschmiert wird." Und deshalb gab er nie den Dampfplauderer wie so viele andere: "Mir wurde durch meinen Vater früh klar, dass eines Tages alles vorbei ist, auch deine Zeit des Ruhms." Bewusst schirmte er sein Privatleben ab. So weiß man eigentlich nur, dass er reich und glücklich verheiratet ist, zwei Söhne hat und fünf Geschwister. Dass er sich für Mode interessiert und einem Tick frönt, den man sonst den Frauen nachsagt: Er sammelt Schuhe. Als er sein wohl liebstes Paar an den Nagel hängte, bescherte ihm das einen Abschied, bei dem ihm Tausende mit weißen Schals zuwinkten. Den Moment hat er genossen, obwohl er ihm zuvor mit Angst entgegensah, wie er in einem Interview zugab. Aber er freue sich jetzt auch auf "sein Leben danach", auf eine neue Aufgabe irgendwann, zweifellos im gewohnten Umfeld. Sein ältester Sohn, so munkelt man dort, werde in ein paar Jahren vermutlich die Familientradition fortführen, ganz im Sinne des freundlichen Herrn Papa. Wer ist's?

Lösung aus Nr. 23:
Der "Libertador" Simón Bolívar (1783 bis 1830) reiste 1799 bis 1802 und 1804 bis 1807 durch Europa. In Rom, auf dem Monte Sacro, soll er gelobt haben, Südamerika von den Spaniern zu befreien. Nach der Niederlage der Ersten Republik floh er 1812 ins kolumbianische Cartagena. Dort entstand sein berühmtes "Manifest". 1813 eroberte er seine von einem Erdbeben zerstörte Heimatstadt Caracas und ging 1815 nach dem Fall der Zweiten Republik ins Exil. 1818 kehrte er zurück, im Jahr darauf gründete er die Republik Großkolumbien aus Kolumbien, Venezuela, Panama und Ecuador, scheiterte aber mit seiner Vision eines panamerikanischen Staates. Den "Diktator auf Zeit" bewogen Aufstände und ein Attentat im April 1830 zum Rücktritt und zur Flucht. Er starb in Santa Marta/Kolumbien im Haus eines Spaniers