Die schlimmsten Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten, als der indische Weltmeister Viswanathan Anand in der ersten Partie des WM-Wettkampfs gegen seinen bulgarischen Herausforderer Veselin Topalov sang- und klanglos einging. Sein Vorgänger auf dem WM-Thron, der Russe Wladimir Kramnik, hatte ihm davon abgeraten, in Sofia zu spielen. Dann verschworen sich auch noch die Naturgewalten gegen ihn. Aufgrund des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull musste er von Frankfurt aus eine 40-stündige Autofahrt in Kauf nehmen, um gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung zu kommen.

"Vishy" ist in der Schachwelt sehr beliebt, alle fieberten mit ihm mit, bis zu den Koryphäen Kasparow, Kramnik und Carlsen. Umso größer war das Entsetzen, als er in der zweiten Partie einen "krummen" Damentausch anbot. Doch der Fauxpas sollte sich als geniale Idee erweisen, in einem feinen Endspiel gewann er. Als er mit einem fantastischen Angriffssieg unter Springeropfer, dessen tiefgründiges Konzept selbst die allwissenden Computer nur mit großer Verzögerung erkennen, nachlegte, schien alles wieder eitel Sonnenschein.

Doch der kampfstarke Topalov glich aus, schließlich die alles entscheidende letzte Partie. Anand trieb den feindlichen König mit einem fulminanten Angriff höchst prekär an den Brettrand. Hier gewann Anand als Schwarzer nach 1.Sf5+ Kh7! die Partie und damit 1,2 Millionen Euro.

Mit welch fantastischer Opferkombination hätte er den unheilvoll am Brettrand eingeklemmten weißen König indes nach 1.Txa8 zur Strecke gebracht?

Lösung aus Nr. 23:
Ein gewaltiger Opfereinschlag von Weiß führte zur Eroberung der schwarzen Dame. Nach dem Turmopfer 1.Txe6+! fxe6 2.Dxg7+ hätte 2...Kd6 3.Se4+ unmittelbar die Dame verloren. Deshalb 2...Sf7, weil jetzt das Abzugsschach 3.Sg8+ an 3...Txg8 gescheitert wäre – plötzlich ginge die weiße Dame verloren. Doch 3.d6+! machte das Feld d5 fürs entscheidende Springerabzugsschach frei: 3...Txd6 4.Sd5+ Txd5 5.Dxb2, und Weiß gewann bald