Hygiene-BeutelAb in den Beutel
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In Kibera, einem Slum in Afrika, ist die Situation besonders prekär

Allerdings ist noch ein Problem zu lösen: Selbst in der Massenproduktion wird ein Peepoo-Beutel etwa drei Cent kosten – viel zu viel für Slumbewohner. Jachnow arbeitet deshalb mit der Sustainable Sanitation Alliance an einer Weiterentwicklung. Eine einfache, verschließbare Toilettenschüssel soll mit einem größeren Peepoo-Sack ausgelegt werden. So brauchte man nur alle paar Tage einen neuen.

Besonders wenn eine schnelle Lösung her muss, zum Beispiel in Katastrophengebieten, könnte so ein Klobeutel von Nutzen sein. Die Hilfsorganisation Oxfam hat ihn nach dem Erdbeben in Haiti ausprobiert. »Am wichtigsten war uns, dass Krankheitserreger eliminiert werden«, sagt Deepa Patel, die das Projekt leitet.

Aber auch für Dauernotfälle wie die riesigen Slums Asiens und Afrikas wäre die Tütentoilette eine wichtige Übergangslösung, meint Elisabeth von Münch. Sie ist bei der GTZ für nachhaltige Sanitärversorgung zuständig. »Natürlich geht das nicht auf Dauer, aber die Menschen brauchen sofort Hilfe.« Langfristig könnte Peepoo die Einführung von Trockentrenntoiletten vorbereiten. Diese trennen Flüssiges von Festem, die Fäkalien werden mit Sägemehl oder Asche bestreut. So produzieren auch diese Klos kein Abwasser, sondern Dünger.

In Kibera, dem zweitgrößten Slum Afrikas, ist die Situation besonders prekär. Dort lebt mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Kenias Hauptstadt Nairobi. Und es gibt so wenige Gemeinschaftsklos, dass jedem Bewohner nur alle zwei Tage ein paar Minuten für sein Geschäft zur Verfügung stünden, wie eine Hilfsorganisation errechnet hat. Im August soll in einer Pilotanlage in Kibera die Tütenproduktion beginnen. Suraj Sudhakar von Peepoople hat die Beutel schon von 300 Bewohnern testen lassen. »90 Prozent wollten sie weiter benutzen. Sie haben gefragt: Wann kommt ihr mit mehr?« Die Klotüten könnten bald den Boden in nahe gelegenen Gartenbaubetrieben düngen, die Rosen für Europa züchten.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
  1. dass diese armen menschen endlich im "komposttierbare sackerln" scheißen dürfen. da freuen wir uns doch alle für die umwelt.

    • kräg
    • 12.06.2010 um 21:21 Uhr

    ... dass man in Nairobi auch nicht fragt: "Wo kann ich die kaufen?", sondern: "Wann kommt ihr mit mehr?"

  2. Aktion saubere Slums - humanes Verhungern?

  3. Netter Schlussgedanke:

    "Die Klotüten könnten bald den Boden in nahe gelegenen Gartenbaubetrieben düngen, die Rosen für Europa züchten."

    Weisse Rosen aus Athen - mit Faekalduft aus Kenia.

    • bojan
    • 13.06.2010 um 2:06 Uhr

    Ein interessanter Artikel, der zeigt mit welchen Problemen unsere Mitbürger in vielen Teilen der Welt zu kämpfen haben. Die zynischen Bemerkungen hier offenbaren, dass es leider kaum eine Vorstellung von der Situation in anderen Ländern gibt - wo diese Produktentwicklung dazu beitragen kann eines oder gar mehrere der vielen Probleme zu lösen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in Staedten und - scheinbar hat hier nur einer der Kommentatoren wirklich eine Vorstellung davon, was das bedeutet. Meine NGO hier in einem Slum in der Altstadt von Kabul ist an diesem Projekt verzweifelt und letztlich ist auch mein Projekt daran gescheitert. Peepoo ist eine grossartige Erfindung, loest aber nur ein Fragment der massiven Umweltprobleme in Slums weltweit.
    Wasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung = Grund-/ Trinkwasserverschmutzung und viele andere Dinge folgen hinterdrein. Bei Menschen, die oft Buergerkriegsfluechtlinge und/ oder eben tief religioes gepraegt und von geringer Bildung steht das taegliche Ueberleben im Vordergrund. Da sind Verfahren zu Hygiene und Gesundheitserziehung nur bei mittel- und langfristigem Monitoring von Erfolg gekroent.
    Vertrauensaufbau und - eben langfristig arbeitende Bildungs- und Aufbaustrategien - das ist es, was erforderlich ist - nicht oberflaechliche Kurzinterventionen, wie viele NGO's sie praktizieren. Harte Arbeit, die nur in partnerschaftlichen Konzepten zwischen dem so genannten Norden und dem so genannten Sueden erwachsen koennen.
    In Kabul's Altstadt ist das System der Trockentoiletten, das jahrhundertelang im Austausch zwischen benachbarten Bauern und Siedlungs-/ Stadtbewohnern funktionierte auch zusammengebrochen. Die Trockentoiletten laufen hier in die Gassen ueber - die Stadt hat bisweilen einen Faekalanteil in der Atemluft - insbesondere in der Altstadt, der nicht nur unertraeglich, sondern auch hoechst gesundheitsschaedlich ist. Programme zur Regeneration koennen gerade hier, in der schnellst wachsenden Stadt Zentralasiens nur mittel- und langfristig konzipiert sein und in enger Koordination zwischen Streetworkern und Staedtebauern/ Ingenieuren funktionieren. Bei der allgemeinen Fokussierung auf militaerische Ziele und Optionen bleibt so alles, was die Lebensbedingungen betrifft unberuehrt und verschlechtert sich gar. Letztlich ist es aber auch unsere Umwelt, die hier zerstoert wird - durch planlose Verstaedterung, in der die essentiellen und grundlegenden Probleme nur ungenuegend und nicht systemisch angegangen werden.

    Herzliche Gruesse aus dem Luftkurort Kabul,
    Stefan Frischauf, Architekt und Staedtebauer

    in Staedten und - scheinbar hat hier nur einer der Kommentatoren wirklich eine Vorstellung davon, was das bedeutet. Meine NGO hier in einem Slum in der Altstadt von Kabul ist an diesem Projekt verzweifelt und letztlich ist auch mein Projekt daran gescheitert. Peepoo ist eine grossartige Erfindung, loest aber nur ein Fragment der massiven Umweltprobleme in Slums weltweit.
    Wasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung = Grund-/ Trinkwasserverschmutzung und viele andere Dinge folgen hinterdrein. Bei Menschen, die oft Buergerkriegsfluechtlinge und/ oder eben tief religioes gepraegt und von geringer Bildung steht das taegliche Ueberleben im Vordergrund. Da sind Verfahren zu Hygiene und Gesundheitserziehung nur bei mittel- und langfristigem Monitoring von Erfolg gekroent.
    Vertrauensaufbau und - eben langfristig arbeitende Bildungs- und Aufbaustrategien - das ist es, was erforderlich ist - nicht oberflaechliche Kurzinterventionen, wie viele NGO's sie praktizieren. Harte Arbeit, die nur in partnerschaftlichen Konzepten zwischen dem so genannten Norden und dem so genannten Sueden erwachsen koennen.
    In Kabul's Altstadt ist das System der Trockentoiletten, das jahrhundertelang im Austausch zwischen benachbarten Bauern und Siedlungs-/ Stadtbewohnern funktionierte auch zusammengebrochen. Die Trockentoiletten laufen hier in die Gassen ueber - die Stadt hat bisweilen einen Faekalanteil in der Atemluft - insbesondere in der Altstadt, der nicht nur unertraeglich, sondern auch hoechst gesundheitsschaedlich ist. Programme zur Regeneration koennen gerade hier, in der schnellst wachsenden Stadt Zentralasiens nur mittel- und langfristig konzipiert sein und in enger Koordination zwischen Streetworkern und Staedtebauern/ Ingenieuren funktionieren. Bei der allgemeinen Fokussierung auf militaerische Ziele und Optionen bleibt so alles, was die Lebensbedingungen betrifft unberuehrt und verschlechtert sich gar. Letztlich ist es aber auch unsere Umwelt, die hier zerstoert wird - durch planlose Verstaedterung, in der die essentiellen und grundlegenden Probleme nur ungenuegend und nicht systemisch angegangen werden.

    Herzliche Gruesse aus dem Luftkurort Kabul,
    Stefan Frischauf, Architekt und Staedtebauer

  4. in Staedten und - scheinbar hat hier nur einer der Kommentatoren wirklich eine Vorstellung davon, was das bedeutet. Meine NGO hier in einem Slum in der Altstadt von Kabul ist an diesem Projekt verzweifelt und letztlich ist auch mein Projekt daran gescheitert. Peepoo ist eine grossartige Erfindung, loest aber nur ein Fragment der massiven Umweltprobleme in Slums weltweit.
    Wasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung = Grund-/ Trinkwasserverschmutzung und viele andere Dinge folgen hinterdrein. Bei Menschen, die oft Buergerkriegsfluechtlinge und/ oder eben tief religioes gepraegt und von geringer Bildung steht das taegliche Ueberleben im Vordergrund. Da sind Verfahren zu Hygiene und Gesundheitserziehung nur bei mittel- und langfristigem Monitoring von Erfolg gekroent.
    Vertrauensaufbau und - eben langfristig arbeitende Bildungs- und Aufbaustrategien - das ist es, was erforderlich ist - nicht oberflaechliche Kurzinterventionen, wie viele NGO's sie praktizieren. Harte Arbeit, die nur in partnerschaftlichen Konzepten zwischen dem so genannten Norden und dem so genannten Sueden erwachsen koennen.
    In Kabul's Altstadt ist das System der Trockentoiletten, das jahrhundertelang im Austausch zwischen benachbarten Bauern und Siedlungs-/ Stadtbewohnern funktionierte auch zusammengebrochen. Die Trockentoiletten laufen hier in die Gassen ueber - die Stadt hat bisweilen einen Faekalanteil in der Atemluft - insbesondere in der Altstadt, der nicht nur unertraeglich, sondern auch hoechst gesundheitsschaedlich ist. Programme zur Regeneration koennen gerade hier, in der schnellst wachsenden Stadt Zentralasiens nur mittel- und langfristig konzipiert sein und in enger Koordination zwischen Streetworkern und Staedtebauern/ Ingenieuren funktionieren. Bei der allgemeinen Fokussierung auf militaerische Ziele und Optionen bleibt so alles, was die Lebensbedingungen betrifft unberuehrt und verschlechtert sich gar. Letztlich ist es aber auch unsere Umwelt, die hier zerstoert wird - durch planlose Verstaedterung, in der die essentiellen und grundlegenden Probleme nur ungenuegend und nicht systemisch angegangen werden.

    Herzliche Gruesse aus dem Luftkurort Kabul,
    Stefan Frischauf, Architekt und Staedtebauer

    Antwort auf "Distanzdenken"
  5. Bei den Peepoo Bags gibt es ein Grundproblem. Die Leute kacken eh schon in Plastiktueten, wie im Artikel beschrieben. Warum sollen sie Geld dafuer ausgeben, um in oekologisch abbaubare Plastiktueten zu kacken, wenn es die anderen Beutel umsonst gibt?

    Was der Artikel zudem verschweigt. Wo sollen denn die Leute all die Tueten mit der Kacke kompostieren? Koennen Sie sich die Menge der Tueten pro Tag vorstellen, die bei 6-8 Personen pro Haushalt und 2-3 "Ereignissen" pro Tag anfallen? In den Slums gibt es dafuer keinen Platz. Und wer sollte die Kacktueten abholen, wenn noch nicht mal die normale Muellabfuhr in die Slums kommt, um den Haushaltsmuell zu entsorgen?

    Ausserdem fehlt immer noch eine wissenschaftliche Untersuchung, die beweisst, dass wirklich alle Keime und Wurmeier in diesen Tueten unter Praxusbedingungen abgetoetet werden. Bislang gibt es nur eine Studie aus Schweden, die im Labor und mit Eiern des Schweinebandwurms durchgefuehrt wurde.

    Es gibt wesentlich bessere, nachhaltigere und menschenwuerdigere Konzepte im Sanitaetsektor, als Leuten zu empfehlen in politisch korrekte Biotueten zu kacken.

    All diejenigen, die die Peepoo Bags empfehlen, sollen erstmal ihre eigene Familie ueberzeugen, dies fuer 4 Wochen am Stueck zuhause zu implementieren. Auf dieser Erfahrungsbasis koennen wir dann weiter diskutieren.

  6. aufklärenden kommentar. mein zuerst zynischer beitrag bezog sich letztendlich auf ihre angesprochene weiterführende problematik.
    wir führen zwar krieg in afghanistan, ist aber die frage wozu?
    was dort dafür ausgegeben wird kommt nur denen zugute welche waffen dafür herstellen.
    nicht auszudenken wenn statt dessen diese gelder zum aufbau verwendet werden würde. schulen, krankenhäuser, strassen, toiletten, kanalisation etc.
    was würde unsere regierung darauf antworten wenn sie dazu befragt würde? erst die bösen taliban besiegen?

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