Sarah Palin Amerika kämpft jetzt am Gartenzaun

Die US-Politikerin Sarah Palin wehrt sich gegen einen Nachbarn, der ein Buch über sie schreiben will

Sarah Palin und ihr Ehemann Todd

Sarah Palin und ihr Ehemann Todd

Eines schönen Morgens Ende Mai will Sarah Palin daheim in Wasilla, Alaska, ihren Rasen mähen, da entdeckt sie auf der Veranda des Nachbarhauses einen älteren Mann, weißhaarig, in grauem Poloshirt und beigefarbenen Hosen.

»Ja, der Joe McGinniss ist hier, nur 15 Fuß entfernt! Willkommen, Joe!«, entfährt es ihr. »Es wird ein super Sommer. Sie können sich gern Zucker leihen, wenn Sie welchen brauchen– und morgen fangen wir an, einen Zaun zu ziehen!«

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Inzwischen steht der Zaun. Blickdicht aus Holz, vier Meter hoch, und ganz Amerika berauscht sich an diesem Nachbarschaftsstreit. Der Sender NBC hat sogar einen Ü-Wagen vor dem Zaun postiert. Man will gerüstet sein für alle Fälle.

Wasilla hat 7000 Einwohner, eine Zeitung und einen Flugplatz. Hier wohnt immer schon Sarah Palin. Sie hat erst ihr Dorf regiert, dann Alaska. Vor zwei Jahren bewarb sie sich vergeblich als Vizepräsidentin der USA. Im Juli 2009 trat sie als Gouverneurin zurück, um ohne Amt große Politik zu machen. Die 46-jährige ist vielen Konservativen in Amerika eine Leitfigur.

Neu in Wasilla ist der 67-jährige Joe McGinniss, ein Bestsellerautor aus Massachusetts. Sein Buch über Richard Nixon machte ihn berühmt. Seit einem Jahr recherchiert er an seiner Sarah-Palin-Biografie. Nun aus nächster Nähe.

Das freut Mrs. Palin wenig, denn seine Texte sind ätzend. Im März 2009 untersuchte er ihre Rolle beim geplanten Bau einer Gaspipeline und nannte sie »die Eva Perón von Alaska«.

Am 25. Mai vertraute Sarah Palin ihrer Facebook-Seite an, wer da neben ihr eingezogen sei. »Und damit ließ sie die Hunde der Hölle von der Kette«, klagt der Nachbar eine Woche später in einer Talkshow auf NBC.

Höllenhunde? Der erste Kläffer ist Mark Levin, ein konservativer New Yorker Radiomoderator. Er sagt seinen Hörern McGinniss’ Mailadresse durch, damit der ungebetene Nachbar lerne, was der Verlust der Privatsphäre bedeute. »Komm schon, Bursche, ich bin hier, aber du willst nicht mit mir reden, weil du ein Feigling bist!«, sagt er noch. McGinniss’ Postfach versinkt in einer Flut von Beschimpfungen.

Sarah Palin redet bei Fox News am selben Abend. Seit einigen Monaten hat sie mit dem stramm rechten Sender einen Vertrag als politische Kommentatorin. Sie kommentiert den Nachbarn: »McGinniss soll wegbleiben. Er täte gut daran, meine Kinder in Ruhe zu lassen!« Das sagt eine Mutter, die im Wahlkampf kein Problem hatte, ihr Familienleben auszustellen.

Leser-Kommentare
    • T.M.
    • 11.06.2010 um 10:56 Uhr

    Entschuldigung, aber ist das Sommerloch tatsächlich schon im Juni so gross, dass diese schlagzeilenträchtige Thematik alle zwei Tage mit neuen wichtigen Details (Hund -> Geschenk -> wow!) in irgendeiner Gazette wiederholt, noch einmal durchgekaut und anschliessend breitgetreten werden muss? Hat die ZEIT dieses strunzdumme Boulevard-Geplapper nötig? Und da wundert sich die Journaille über rückgehende Verkaufszahlen ...

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    ...jetzt haben Sie eine aussagekräftige Überschrift. Das Alaska-Kracherl forderte mit diesen Worten die weitere enthemmte Ausbeutung der Tiefsee vor Amerikas Küsten - noch kurz vor Deepwater horizon. Ich halte - im Gegensatz zu Ihnen - den Bericht über Palin wichtig. Er vermittelt einen Eindruck von Amerikas Befindlichkeit.

    ...jetzt haben Sie eine aussagekräftige Überschrift. Das Alaska-Kracherl forderte mit diesen Worten die weitere enthemmte Ausbeutung der Tiefsee vor Amerikas Küsten - noch kurz vor Deepwater horizon. Ich halte - im Gegensatz zu Ihnen - den Bericht über Palin wichtig. Er vermittelt einen Eindruck von Amerikas Befindlichkeit.

  1. ...jetzt haben Sie eine aussagekräftige Überschrift. Das Alaska-Kracherl forderte mit diesen Worten die weitere enthemmte Ausbeutung der Tiefsee vor Amerikas Küsten - noch kurz vor Deepwater horizon. Ich halte - im Gegensatz zu Ihnen - den Bericht über Palin wichtig. Er vermittelt einen Eindruck von Amerikas Befindlichkeit.

  2. Ich würde den Artikel auch nicht ins Sommerloch fallen lassen. Nicht nur weil der auf sich warten läßt...
    Viel mehr zeigt das Verhalten von Mrs. Palin welcher Geist in ihr wohnt. Ein radikaler, einer der über Leichen geht, einer der andere verheizt zum eigenen Wohlbefinden.

    Der Wolf kommt im Schafspelz!
    Hoffentlic hwird sie nicht die nächste ..... ich will das nicht mal aussprechen!

  3. Na, Frau Palin hat den "american way of life" gut gelernt.
    Da wird mit allen hässlichen Methoden gemobbt, was das Zeug hält!

    Wann kommen denn die Kapuzenmänner und zünden ein Kreuz auf dem Rasen des Mr. McGinnis?

    Das ist ja eine richtig Krawall-Klara, diese Frau!
    Gut, dass sie der "großen Politik" erspart blieb.

  4. Auch wenn Palin einmal für das Vizepräsidentenamt kandidiert hat, aber das ist Vergangenheit und dieser Klamauk auf "Maschendrahtzaun-Niveau" interessiert wohl eher die wenigsten. Ich kann dem ersten Kommentar nur beipflichten: Wundern sie sich nicht über rückläufige Auflagen und das schlechte Ansehen der Journalisten in der Bevölkerung, wenn so ein Humbug veröffentlicht wird.

    • domion
    • 15.06.2010 um 15:28 Uhr

    Seit wann ist Fox News stramm rechts?
    also sie sind extrem konservativ, aber nur weil man extrem konservativ ist sollte man nicht, vor allem hier in Deutschland, als rechts gelten. Da wird doch sofort eine Verbindung zu Neo-/Nazis gezogen, und da wollen wahrscheinlich die meisten Konservativen nicht gesehen werden. Nur weil "rechts von mir" nur noch die Wand ist, heißt das nicht das ich NPD wähle oder Hitlers Geburtstag feiere.

    Also nicht das ich Fox News in irgendeiner Weise gut finden würde, die erzählen den letzten Schwachsinn, aber Verbindungen direkt zu direkten Rechten Lagern sehe ich da jetzt nicht. Vor allem wenn man Glenn Beck und seine Vergleiche mit Hitler sieht, z.B: als Obama etwas zur Freizeitgestaltung (wenn ich mich richtig erinnere) von Kindern sagte und Beck dann gleich an die Hitlerjugend dachte (ja ich gucke Stewart und Colbert)

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