Deutschland und FrankreichFremde Nachbarn

Wenn Berlin und Paris nicht endlich wieder zueinanderfinden, verspielen sie Europas Einfluss in der Welt

Fröhliche Mienen, doch der Eindruck täuscht: Frankreichs Staatspräsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel am Montag in Berlin

Fröhliche Mienen, doch der Eindruck täuscht: Frankreichs Staatspräsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel am Montag in Berlin

Das wird mittlerweile gemeingefährlich: Ausgerechnet in der schwersten Krise der Europäischen Union sind Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nicht imstande, sich zusammenzuraufen. Schwer zu sagen, was peinlicher war, ihr geplatztes Rendezvous der vergangenen Woche oder das Schauspiel, das die beiden am Montag auf ihrer Pressekonferenz in Berlin boten.

Auf Frankreichs Forderung, eine europäische Wirtschaftsregierung einzurichten, entgegnete die Kanzlerin treuherzig, die 27 Staatschefs würden sich doch ohnehin »als eine Art Wirtschaftsregierung« verstehen. Woraufhin der französische Präsident heuchelte, man gehe »Hand in Hand« nach Brüssel, zum EU-Gipfel. Die Wahrheit: Auf beiden Seiten wächst die Verbitterung.

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Da ist etwas anders geworden. Auch wenn die Routiniers des deutsch-französischen Verhältnisses wiederholen, man habe sich schon immer gefetzt und anschließend wieder vertragen. In der Tat, in den ersten Jahrzehnten nach 1945 konnte noch jeder Zwist um Währung, Wirtschaft und Europa kanalisiert werden. Erst nötigte der Kalte Krieg die beiden Länder dazu. An die Stelle dieses Zwangs trat in den neunziger Jahren dann die Verunsicherung darüber, wie wohl die neue Weltordnung aussehen würde; die zwei sahen einander in die Augen und sagten: Verlass mich nicht!

Doch dann kam die Krise. Sie legte die Schwächen der jeweiligen innenpolitischen Konstruktionen frei, auf die der Präsident und die Kanzlerin bauten. Sarkozys Reformmaschine läuft nur noch auf Notstrom, und Merkels Koalition frisst sich gerade selbst auf.

Lästern über den »Club Med« aus Griechen, Italienern und Franzosen

Und seither geht’s bergab. Denn solange niemand dagegenhält, driften die beiden Länder auseinander. Deutschland, Exportnation mit eingespielten Sozialpartnern, will den Tiger der Globalisierung reiten. Es muss sich daher unausgesetzt reformieren. Frankreichs Wirtschaft hingegen beruht, von ein paar Großfirmen abgesehen, überwiegend auf staatlich vermitteltem Konsum im eigenen Lande. Die Allgegenwart des zentralistischen Staates macht ihn zugleich zum Adressaten sämtlicher Ansprüche im Land. Weshalb Reformieren schwerer und Schuldenmachen leichter fällt als diesseits des Rheins.

Einfacher ist es da, Hilfe von anderen zu fordern: Aus französischer Sicht sollte Deutschland mehr Geld ausgeben, anstatt Europa seine Sparpolitik aufzuzwingen. Die Deutschen konsumierten zu wenig und exportierten zu viel, so heißt es in Paris von rechts bis links. Sie sind sozusagen nicht französisch genug. Das ist der Hintergrund, vor dem Frankreich von »Koordination der Wirtschaftspolitik« und einer europäischen Wirtschaftsregierung spricht. Natürlich kann Merkel das nicht wollen. Doch mittlerweile nimmt der Interessenwiderspruch hässliche Formen an.

Durch Berlin geistert eine Verschwörungstheorie, die in den Chefs der Europäischen Zentralbank, des Weltwährungsfonds und der Welthandelsorganisation, Franzosen allesamt, Komplizen ihres Staatspräsidenten sieht. Man lästert über den »Club Med«, in dem Griechen, Spanier, Italiener und Franzosen einander währungspolitische Sünden nachsehen. Und am liebsten über den eigenartigen Bewohner des Élysée, der so ganz anders ist als man selbst.

Leserkommentare
  1. wenn eine Nation vom Binnenmarkt lebt und die andere vom Export. Wieso soll denn der andere genauso ticken wie man selbst??

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    ... das hat leider auch Herr Randow nicht kapiert. Keiner der neoliberalen Deppen, ob in Berlin oder in den monetaristischen Wirtschaftsinstituten oder der Presse.

    Geld entsteht nämlich durch Kredit. Was passiert wohl, wenn ein Land, per Dumping, ständig Sachen an ein anderes Land verkauft?

    Richtig, die Schulden des konsumierenden Landes steigen, die Wirtschaft dort stagniert oder geht zurück, staatliche Sozialmassnahmen werden nötig, die Schulden steigen noch mehr. usw. usw. Schön an G zu beobachten. Und da helfen altkluge Reform-Tips nicht die Bohne, eine solche Situation zu ändern, gar mit einem Race-to-the-Bottom der Löhne, ist schon gleich eine ganz schlechte Idee.

    Aber den neoliberalen Deppen fällt es schwer ihren Fehler einzusehen, haben sie doch jahrelang gepredigt, alle ständen ständig im Wettbewerb. Und jetzt stimmt das gar nicht? Jetzt kommt es plötzlich auf eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz an? Das kann nicht angehen! Wo wir doch gerade die EU beginnen zu dominieren! Noch dazu erfordert eine erfolgreiche Binnenmarktpolitik Umverteilung.

    D hat, glaube ich, im letzten Jahr Waren im Wert von 9ooo Euro pro Person mehr exportiert als importiert. Waren auf die wir, dank Kaufkraftverlust verzichten "durften". Gleichzeitig ist die Zahl der Millionäre weiter steil angestiegen:
    http://www.naumburger-tag...

    So ist das.

    ... das hat leider auch Herr Randow nicht kapiert. Keiner der neoliberalen Deppen, ob in Berlin oder in den monetaristischen Wirtschaftsinstituten oder der Presse.

    Geld entsteht nämlich durch Kredit. Was passiert wohl, wenn ein Land, per Dumping, ständig Sachen an ein anderes Land verkauft?

    Richtig, die Schulden des konsumierenden Landes steigen, die Wirtschaft dort stagniert oder geht zurück, staatliche Sozialmassnahmen werden nötig, die Schulden steigen noch mehr. usw. usw. Schön an G zu beobachten. Und da helfen altkluge Reform-Tips nicht die Bohne, eine solche Situation zu ändern, gar mit einem Race-to-the-Bottom der Löhne, ist schon gleich eine ganz schlechte Idee.

    Aber den neoliberalen Deppen fällt es schwer ihren Fehler einzusehen, haben sie doch jahrelang gepredigt, alle ständen ständig im Wettbewerb. Und jetzt stimmt das gar nicht? Jetzt kommt es plötzlich auf eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz an? Das kann nicht angehen! Wo wir doch gerade die EU beginnen zu dominieren! Noch dazu erfordert eine erfolgreiche Binnenmarktpolitik Umverteilung.

    D hat, glaube ich, im letzten Jahr Waren im Wert von 9ooo Euro pro Person mehr exportiert als importiert. Waren auf die wir, dank Kaufkraftverlust verzichten "durften". Gleichzeitig ist die Zahl der Millionäre weiter steil angestiegen:
    http://www.naumburger-tag...

    So ist das.

  2. reden sie eigentlich?

    Im Nahen Osten zahlt man den Palästinensern bissl Schmerzensgeld, wennj Israel wieder alles niederbombt, weil die EU Israel gewähren lässt und unfähig ist den Frieden durchzusetzen.

    In Asien interessiert sich keiner für die EU, dort schaut man nach China oder den USA.

    In Südamerika fragt man sich mitlerweile, wo Europa liegt bzw. was die EU sein soll.

    In den USA schüttelt man nur noch den Kopf über dieses Kasperletheater EU.

    In Rußland hat man aufgegeben sich mit der EU Visionen zu machen und ist ernüchternd über dieses Mosaik an neuen Gesichern, welche sich Präsident und Außenbeauftragte nenen dürfen, aber nichts zu sagen haben.

    Die Finanzmärkte schauen gebannt auf diesen Chaoshaufen EU und fragen sich, was bei Griechenland und Co noch so alles passieren wird in Brüssel und Paris, Berlin.

    Die Türkei wurde aufgrund einer Anti-Haltung durch Sarkozy und Merkel verloren und nach Osten geschubst.

    Afrika wird gerade von den USA, China und anderen Mittelmächten beackert.

    Indien lacht nur noch über Europas Unfähigkeit.

    Also von was für einem Einfluß reden sie ?

    Die wirtschaftliche Stärke Europas wird durch die anderen Länder mehr und mehr zurückgedrängt. Militärisch ist die EU unfähig oder kontraproduktiv, siehe Kosovo, Bosnien, Ruanda und Afghanistan.

    Die EU spielt Global nur dann eine Rolle, wenn die USA vorpreschen und sich die EU Länder dahinter verbergen können.

    Ein Armutszeugnis, angesuchts der Ansprüche und Fähigkeiten.

  3. 3. soso,

    Deutschland wiederum gibt ein wenig nach und stimuliert auf einigen Gebieten gezielt die Nachfrage. Auch wenn es schwerfällt. Und dann wird beschlossen, dass es keine Alleingänge mehr gibt, auf keinem Gebiet.

    stimuliert auf einigen Gebieten die Nachfrage --Nach Luxusyachten?

    keine Alleingänge? Und damit wäre Deutschland gar nicht mehr reformierbar.

    • woo
    • 17.06.2010 um 8:30 Uhr

    unglaublich. nationaler patriotismus, wir deutschen, die anderen, ....
    auf lasst uns doch noch nen bisle mit den Fahnen wedeln und rausschreien wir sind die besten, dass hatten wir doch schon mal, hat doch gut geklappt, dannach konnten wir wieder von vorne anfangen und alles aufbauen.

    Liberté - Egalité - Fraternité (Freiheit - Einigkeit - Brüderlichkeit).

  4. Durch Einführung des Euro haben Kohl und Mitterand die europäischen Länder quasi miteinander verheiratet und jetzt müssen sie eben "alles miteinander machen", auch wenn ihre Mentalitäten völlig verschieden sind. Jetzt kracht's - nicht nur manche Menschen, auch manche Länder brauchen eben eine gewisse Distanz, um sich gegenseitig respektieren und schätzen zu können. Nur Kinder und Jungverliebte glauben, dass die engste Nähe zur größten Liebe führt.

    Der Artikel fordert, dass Frankreich und Deutschland sich nun zusammenraufen müssen, als wenn die deutsch-französischen Differenzen einfach momentane Missstimmungen seien. Wahrscheinlich gehen die Differenzen aber tiefer, und bei einer Angleichung müßte einer der Partner einen wesentlichen Teil seiner gewachsenen Identität aufgeben. Kann das gutgehen? Und selbst wenn das ginge: ist das wirklich zu wünschen?

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    Die BRD-Nomenklatura in Medien und Politik hat doch gewachsene Identitäten zumindest in ihren Verlautbarungen immer wieder ignoriert. Da ich erst kürzlich heftig über Herrn von Randow lästerte muß ich nun zugestehen: Endlich spricht er einige Konflikte deutlich an ! Bemerkenswert auch, wie er die halbsozialistischen Verhältnisse in Frankreich skizziert. Seine Befürchtungen teile ich teilweise. Frankreich, Deutschland, Polen haben eine besondere Verantwortung, wenn ja wenn man das Europa-Projekt will.
    Aber nichts ist mit Verschwörungstheorien. Es ist hier schon monatelang diskutiert worden (Finanzkrise, Griechenland), wie das deutsche Volk hinters Licht geführt und ausgenutzt wird.
    Hierzu haben die Mainstream-Medien total versagt indem sie schweigen und immer wieder schweigen.

    Die BRD-Nomenklatura in Medien und Politik hat doch gewachsene Identitäten zumindest in ihren Verlautbarungen immer wieder ignoriert. Da ich erst kürzlich heftig über Herrn von Randow lästerte muß ich nun zugestehen: Endlich spricht er einige Konflikte deutlich an ! Bemerkenswert auch, wie er die halbsozialistischen Verhältnisse in Frankreich skizziert. Seine Befürchtungen teile ich teilweise. Frankreich, Deutschland, Polen haben eine besondere Verantwortung, wenn ja wenn man das Europa-Projekt will.
    Aber nichts ist mit Verschwörungstheorien. Es ist hier schon monatelang diskutiert worden (Finanzkrise, Griechenland), wie das deutsche Volk hinters Licht geführt und ausgenutzt wird.
    Hierzu haben die Mainstream-Medien total versagt indem sie schweigen und immer wieder schweigen.

  5. wenn Diletanten und Dummschwätzer auf der politischen Bühne ihr Tänzchen machen. Diese Zeiten sind leider vorbei und nun zeigt sich mit erstaunlicher Klarheit, das Unfähigkeit gepaart mit Käuflichkeit zwar das eigene Konto, nicht aber ein Land bereichern kann.

    Solange solche "Menschen" in Führungsrollen zu finden sind, wird sich nicht, absolut nichts ändern. Feiern wir also den Niedergang, mal sehen, wie diese unsere Zeit einst in den Geschichtsbüchern da steht

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    ... die Zeit der Parteiendiktaturen befand sich in den 70igern auf ihrem Höhepunkt und war seit der Ölkrise, zusammen mit den wirtschaftlichen Verhältnissen im schleichenden Niedergang begriffen. Korruption griff ebenso um sich wie neofeudale Besitztumsverhältnisse und esoterische ökonomische Ideen. Diese Entwickung endete 201x mit dem Auseinanderbrechen der sogenannten EU (Anm.: die EU war ein länderübergreifendes Freihandelsprojekt) starker Inflation und politischen Verwerfungen in den USA und GB. Die politischen Protagonisten, idR altgediente Parteifunktionäre, hatten der Entwicklung nichts entgegenszusetzen, nachdem sie diese vorher mit unüberlegten Entscheidungen (Anm.: Einführung einer Gemeinschaftswährung namens Euro in der EU ohne Ausgleichsmechanismen(!)) und Sparaktionen sogar angefeuert hatten....

    *g*

    ... die Zeit der Parteiendiktaturen befand sich in den 70igern auf ihrem Höhepunkt und war seit der Ölkrise, zusammen mit den wirtschaftlichen Verhältnissen im schleichenden Niedergang begriffen. Korruption griff ebenso um sich wie neofeudale Besitztumsverhältnisse und esoterische ökonomische Ideen. Diese Entwickung endete 201x mit dem Auseinanderbrechen der sogenannten EU (Anm.: die EU war ein länderübergreifendes Freihandelsprojekt) starker Inflation und politischen Verwerfungen in den USA und GB. Die politischen Protagonisten, idR altgediente Parteifunktionäre, hatten der Entwicklung nichts entgegenszusetzen, nachdem sie diese vorher mit unüberlegten Entscheidungen (Anm.: Einführung einer Gemeinschaftswährung namens Euro in der EU ohne Ausgleichsmechanismen(!)) und Sparaktionen sogar angefeuert hatten....

    *g*

  6. Die BRD-Nomenklatura in Medien und Politik hat doch gewachsene Identitäten zumindest in ihren Verlautbarungen immer wieder ignoriert. Da ich erst kürzlich heftig über Herrn von Randow lästerte muß ich nun zugestehen: Endlich spricht er einige Konflikte deutlich an ! Bemerkenswert auch, wie er die halbsozialistischen Verhältnisse in Frankreich skizziert. Seine Befürchtungen teile ich teilweise. Frankreich, Deutschland, Polen haben eine besondere Verantwortung, wenn ja wenn man das Europa-Projekt will.
    Aber nichts ist mit Verschwörungstheorien. Es ist hier schon monatelang diskutiert worden (Finanzkrise, Griechenland), wie das deutsche Volk hinters Licht geführt und ausgenutzt wird.
    Hierzu haben die Mainstream-Medien total versagt indem sie schweigen und immer wieder schweigen.

  7. Der von der Regierung durchgepeischte Lissabonvertrag - Bundespräsident Köhler weigerte sich Monate zu unterschreiben - dann die vom Merkel an den Haaren herbeigezogene EURO- und EU-Krise im April/Mai und das europafeindliche und asoziale 80 Milliarden Sparprogramm der SCHWELB-Regierung, haben gezeigt, dass die "Neue protestantische Ethik" aus der Uckermark mit dem Dolce Vita des mediterran-katholischen Süden/Westen nicht kompatibel ist.
    Denn die karolingische Klammer, die die Basis der EWG-EG-EU ist, soll von Berlin jetzt aufgekündigt werden, weil der Lokalrundenspender der EU (Berlin) die Illusionen auf ein prosperierendes Europa ohne Spenden verloren hat.
    50 Jahre Zusammengehörigkeitsgefühl sind beendet worden von einer Deutschen Regierung, die wieder mehr Privat statt Staat (FDP-Einfluss) ruft.
    Frankreich will aber seinen Sozialstaat schützen und die Privatisierung und Entsolidiariserung (in Frankreich ist Armut nur halb so groß wie in Deutschland) - Rente mit 60 dann auf 62! - der Gesellschaft langsamer betreiben.
    Deutschland ist absolut isoliert in der EU - vielleicht die neue Mitte-Rechts-Regierung(Rutte-Wilders) in Holland und die Österreicher sind noch pro Deutschland -
    Merkel-Westerwelle gehen einen Renatinalisierungskurs, denn sie wollen die Gelder nicht in den Töpfen der EU, sondern an die wohlhabenden Deutschen versenken und mit dem schwachen EURO die Deutsche Exportindustrien forcieren - die wahre Steuerkraft Deutschlands -
    Mutti hat's Baby-Lissabon-EU getötet

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