ZEITmagazin Autotest Wenn Männer zu viel reden
Andreas Wellnitz fährt den Peugeot RCZ 2.0 HDi
© Peugeot

163 PS unter der Haube: der Peugeot RCZ
Stellen wir uns einen Mann vor. Einen Mann auf der Suche nach Applaus, nach Begeisterung, nach Anerkennung seiner Geschlechtsgenossen. Er kommt in den Besitz eines raren Gutes, eines Autos, das es eigentlich gar nicht geben darf. Der Mann kann über das Ergebnis einer einmaligen Konzeptstudie verfügen, die bereits 2007 auf der Automobilausstellung in Frankfurt für Aufsehen sorgte und nun von ihren französischen Erfindern auf unsere Straßen entlassen worden ist: den Peugeot RCZ. Eine Flunder von einem Auto. Die Karosse zieren zwei Aluminiumbügel, die sich von der Motorhaube bis zum Heck schwingen. Ein Designstück wie aus dem Vitra-Katalog.
Es ist ein unfassbares Erlebnis für diesen Kerl. Als ob er die Stadt mit einem fliegenden Teppich überqueren würde. Die Menschen bleiben mitten auf der Straße stehen. Sie zeigen auf ihn mit offenen Mündern. Sie staunen, und er platzt vor Stolz, als er in seine Kreuzberger Straße einbiegt. Er hat der Freundin angekündigt, dass er sie abholen werde in diesem extravaganten Geschoss. Der Kioskbesitzer grüßt von Weitem, Kinder winken ihm zu. Die Freundin wartet am Straßenrand, sie hat sich eine Kapuze über den Kopf gezogen und trägt eine Sonnenbrille. Schnell steigt sie zu ihm in den Wagen.
Er sagt: Gott, findest du ihn auch so schön?
Sie denkt: Was für ein Angeberschlitten.
Er sagt: Hast du diese Formen betrachtet? Die sportlichen Rundungen?
Sie denkt: Sieht aus wie ein Rasierapparat mit Delle.
Er sagt: Schau mal, die Armaturen, alles Leder.
Sie denkt: Irgendwas riecht hier komisch.
Er sagt: Mensch, der spielt in derselben Klasse wie der TT, aber er macht mehr Spaß und ist billiger. Wenn ich die Wahl hätte: Ich würde ihn nehmen.
Sie denkt: Was wollte ich heute noch mal besorgen?
Er sagt: Zwei-Liter-Maschine, Turbodiesel mit 186 PS. Wahnsinn!
Sie denkt: Ach, ich muss ja noch den kleinen Beistelltisch abholen!
Er sagt: Und dieses Raumgefühl, wie in einem Cockpit!
Sie denkt: Bekomme ich den Tisch da hinten überhaupt rein?
Sie halten neben einer gläsernen Fassade, er sagt: Guck mal, wir spiegeln uns.
Sie denkt: Ach Gott, wie rührend.
Er sagt: Vielleicht werden wir irgendwann so ein Auto besitzen, wer weiß?
Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 120 kW (163 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
CO2-Emission: 139 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,3 Liter
Basispreis: 28.950 Euro
Andreas Wellnitz ist Berater im ZEITmagazin
- Datum 16.06.2010 - 15:25 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 17.06.2010 Nr. 25
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:











Soll diese Art der Besprechung eines Autos lustig sein? Failed.
...originell - eine nette Idee.
gefällt auch mir, obwohl ich ein überzeugter 4x4 Besitzer bin. Interessant nur die Gedanken die zum Autokauf führen würden oder es bereits getan haben. Wer weiss?
Daher würde es aber wirklich interessieren wieviele Käufe aufgrund von Gedanken wie am Anfang des Artikels getätigt werden und wieviele käufe getätigt werden auch wenn keine externe Anerkennung zu erwarten ist? Wie oft zücken wir das Portemonaie, die Kreditkarte beim Gedanken was wohl die anderen zu meinem Kauf sagen werden? Eine ziemlich listige und komplexe Angelegenheit die sich da in den Köpfen der Konsumenten abspielt und dies obwohl wir eigentlich Jahrelang trainieren können. Rationale Ueberlegungen scheinen da eher in das Hintertreffen zu geraten und fristen ihr Dasein im Bereich des Unterbewussten. Entscheidungenw erden in Bruchteilen von Sekunden getroffen, der Akt des Geldzückens und das entgegennehmen der Ware, das auspacken zu Hause, das präsentieren vor Freunden, die Anerkennung als das gehört zum kauf dazu und begleitet uns über Jahre obwohl die Wohnungen schon voll sind mit solchen Ueberzeugungskäufen...
Aber trotzdem, tolles Design von dem Peugeot :-)
am "die Freundin".
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren