BP Ein Konzern im Feuer

Die US-Regierung steckt in einer Zwickmühle: Ein allzu hartes Durchgreifen gegen BP liegt nicht in ihrem Interesse – ohne den Konzern kann am Golf nicht aufgeräumt werden.

Vergangene Woche stand im Herzen der BP-Zentrale am Londoner St. James’s Square eine Gruppe von Männern in dunklen Anzügen, und sie redeten nicht über die Katastrophe. Der Chefökonom des Mineralölkonzerns, Christof Rühl, und der Marketingvorstand Iain Conn präsentierten Analysten und Presseleuten den jährlichen Bericht über die globalen Energiereserven. Öl gebe es noch genug auf der Welt. Beim gegenwärtigen Fördertempo reiche es für weitere 46 Jahre und damit vier Jahre länger als zuvor gedacht. BP werde auch in Zukunft alles daransetzen, den Bedarf seiner Kunden nach Mobilität, Licht und Wärme zu befriedigen.

Und die Lage am Golf von Mexiko?

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»Wir geben Ihnen gerne die neuesten Pressemitteilungen«, hieß es. »Ansonsten helfen die Kollegen in den USA gerne. Hier in London wird der Rest des Unternehmens geführt.«

Ein Konzern verdrängt seine Probleme, ein Konzern schottet sich ab. Von wegen, die Mitarbeiter in den USA helfen gerne weiter: Man kann in diesen Tagen sogar am Golf von Mexiko stehen, in Hopedale in Louisiana, und mit den Fischern zu reden versuchen, die schwimmende Barrieren gegen das Öl verlegen. Dann wird man bald von zwei breitschultrigen Männern mit Helm und orangefarbener Weste rüde zur Seite gedrängt. »Keine Fragen, bitte« und »Verlassen Sie den Hafen«, heißt es; nach eigener Auskunft arbeiteten die beiden Männer für eine Sicherheitsfirma im Auftrag von BP. So geht es auch amerikanischen Journalisten: Sie werden abgedrängt, erhalten Strandverbote, und jeden Abend bedauert der US-Nachrichtensender CNN, der in Bataillonsstärke am Golf angerückt ist, aufs Neue: »Keiner von BP spricht mit uns.«

Würde man den Ölteppich, der alle Meeresflora und -fauna unter sich erstickt, in seiner jetzigen Größe über Deutschland legen, er reichte von Berlin bis hinter Dortmund und von Halle bis kurz vor Kiel. Das Desaster hat eine Größenordnung erreicht, die BP an den Rand der Pleite treibt.

Vor der Explosion am 20. April noch galt BP als ein grundsolides Unternehmen: der zweitgrößte britische Konzern, die größten Reserven unter allen westlichen Energieunternehmen, eine Aktienanlage mit zuverlässig hohen Dividenden. Jetzt ist der Börsenwert des Unternehmens von 151 Milliarden Euro auf 81 Milliarden Euro zusammengefallen. BP-Anteile werden an der Börse eifrig gehandelt, aber das liegt daran, dass die Papiere zu einer Pokeraktie geworden sind: »Da steckt im Moment viel Fahrt drin«, erklärt Stephen Peak vom Londoner Investmenthaus Henderson. »Eine sichere Anlage ist das nicht mehr«, sagt ein anderer Trader. Mit anderen Worten, der Finanzmarkt nimmt Wetten entgegen, ob BP die Sache überlebt.

Das hängt jetzt zu großen Teilen an der Politik. Es gibt kaum jemanden in Amerika, der nicht in diesen Tagen publikumswirksam mit dem Finger auf das Unternehmen zeigte: Präsident Obama wie sein Innenminister Ken Salazar, der Oberkommandierende der staatlichen Rettungsmaßnahmen am Golf, Admiral Thad Allen, Senatoren und Abgeordnete in Washington. Und sie alle sagen wiederholt und gezielt British Petroleum, wobei die Betonung jedes Mal auf »British« liegt, damit ja kein Zweifel aufkommt, dass die Hauptverantwortung an der bislang größten Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte ein ausländisches, ein britisches Unternehmen mit Hauptsitz in London trägt.  

Leser-Kommentare
  1. Öl gibt es genug auf der Welt es reicht bei dem Fördertempo noch für 46 Jahre.46 Jahre nach Peak oil oder 46 Jahre bis Peak oil.Handelt es sich um leicht zu förderndes Öl oder sind die bekannten Tiefseevorkommen mit eingerechnet?Ist der Preis für die Förderung schon auf dem Stand nach dem fahrlässigen Unfall der Bohrinsel oder
    noch auf dem Stand vor dem Unfall usw.An dieser Stelle sei auf die Dokumentation 2A Crude Awakening The Oil Crash"hingewiesen.
    http://video.google.com/v...
    In großen Büchereien kann der Film auch als DVD in deutsch ausgeliehen werden.
    Denn wenn die Ölreserven die die Konzerne angeben in Wirklichkeit kleiner sind, als die Marketing Abteilungen glauben machen wollen und einiges spricht dafür ,dann ist das noch schlimmer weil der Spielraum um dem Mangel zu begegnen immer kleiner wird.Ein dauerhafter steiler Preisanstieg bei Erdöl würgt die Weltwirtschaft schnell ab.Was dann folgt hängt von der Vernunft der Akteure ab.

  2. > Es gibt keine Ölwolken da unten«, und »ich glaube, der Umweltschaden wird wohl sehr, sehr gering gewesen sein«. <
    Es gibt sehr wohl Ölwolken da unten wie die Kamera gezeigt hat und es sind etwa 8 Mio Liter pro Tag, die austreten. Wie lange sprudelt die Quelle schon?
    Wenn das Öl erst die Swamps und Mangrovenwälder erreicht hat ist dort nichts mehr zu retten.
    Warten wir mal auf den ersten Hurricane dieser Saison.

  3. 20 Milliarden?
    Kein Problem, das ist gerade mal ein Jahresgewinn. Die Benzinpreise werden etwas erhöht und die Zukunft sieht rosig aus: http://www.spiegel.de/wir...

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