Bildungsreformen Welche Schule ist die beste?
Die Verteilung der Kinder auf Gymnasien, Haupt- und Realschulen habe sich bewährt, sagen die einen. Andere glauben, länger gemeinsam zu lernen schaffe mehr Chancengerechtigkeit. Wer hat recht im Schulstreit? Der Versuch einer Antwort in zehn Lektionen
1. Eine gute Schule führt ihre Schüler zu hohen Leistungen
Welche Schulform, welches Schulsystem ist am besten? Dazu müssen wir zunächst klären, was denn eine gute Schule ausmacht. Der Streit darum könnte eine ganze Ausgabe der
ZEIT
füllen – und wäre doch nicht entschieden.
Behelfen wir uns deshalb mit jenen Kriterien, mit denen die berühmte Pisa-Studie die Schulsysteme weltweit vergleicht: Wie gut können 15-jährige Schüler lesen und rechnen, und wie viel Ahnung haben sie von den Naturwissenschaften? Diese Kenntnisse sind nicht alles, aber ohne sie fällt der Start ins Leben schwer. Eine gute Schule also führt den Nachwuchs mindestens zu guten Leistungen im Lesen, in der Mathematik und in den Naturwissenschaften.
2. Ein gutes Schulsystem muss sozial gerecht sein
Ein weiteres Merkmal einer guten Schule, auch darüber dürfte Einigkeit herrschen, ist, dass es in ihr gerecht zugeht. Bildungsforscher können messen, wie gerecht ein Schulsystem ist. Sie prüfen dabei, wie stark die Leistung der Schüler von deren sozialer Herkunft abhängt. Nun sind auf der ganzen Welt zum Beispiel Akademikerkinder im Durchschnitt besser in der Schule als Arbeiterkinder. Aber in manchen Ländern sind die Unterschiede größer (in Deutschland etwa), in anderen kleiner. Und kleiner ist gerechter.
Gerechtigkeit ist ein Gebot der Moral, aber auch eines der Ökonomie. Wenn die Kinder besonders aus den unteren Sozialschichten zu Bildungsverlierern werden, dann fehlen sie der Wirtschaft als Fachkräfte. In Deutschland ist die Lage durchaus dramatisch: Jeder fünfte 15-Jährige kann nicht richtig lesen und rechnen und wird von den Forschern zur »Risikogruppe« gezählt, weil er weder eine Bewerbung schreiben noch eine Zeitung lesen kann.
Eine zweite Spielart der Gerechtigkeit kommt im Schulstreit zum Tragen, die sogenannte Abschlussgerechtigkeit. Denn nicht allein das Können, sondern auch Zertifikate zählen im Leben. Auch hier muss man wohl akzeptieren, dass mehr Akademikerkinder das Abitur machen – den begehrtesten Abschluss – als Arbeiterkinder, denn wer wollte und könnte den Einfluss der Familien auf die Bildung der Kinder verbieten?
Nachdenklich stimmen muss aber die Ungerechtigkeit beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium, der den Weg zum Abitur ebnet: Dort hat ein Akademikerkind – bei gleicher Schulleistung! – eine dreimal größere Chance als ein Arbeiterkind, auf das Gymnasium statt auf die Realschule zu wechseln.
3. Das dreigliedrige Schulsystem stößt an seine Grenzen
Die Anhänger des dreigliedrigen Schulsystems (von den Sonderschulen sei hier einmal abgesehen) nennen es »begabungsgerecht« und »bewährt«. Zu Recht? Gibt es den Begabungstyp Hauptschüler, den Begabungstyp Realschüler und den Begabungstyp Gymnasiast? Bildungspsychologen nennen diese Vorstellung vernichtend »Folklore«. Die Aufteilung der Schüler auf diese Schularten ist uns (in Westdeutschland) zwar vertraut, aber ihr fehlt jede wissenschaftliche Grundlage.
- Datum 16.06.2010 - 12:14 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 17.06.2010 Nr. 25
- Kommentare 30
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Werden die Redakteure der ZEIT eigentlich dafür bezahlt, das 3-gliedrige Schulsystem wegzuschreiben?
Für das Herstellen von Gerechtigkeit in Schulen brauchen wir minderjährige Fahnder, Polizisten und Staatsanwälte. Was Minderjährige sich mittlerweile gegenseitig in Schulen jegweder Form antun, würde jeden Erwachsenen auf kürzestem Weg in Gefängnis bringen. Gerechtgkeit wird von Menschen gemacht, nicht von Systemen, auch nicht von Schulsystemen.
Das Problem der 'Restschule' ist ein unlösbares. Selbstverständlich können wir alle Schulen zu 'Restschulen' machen. Das ist aber nicht gerechter, weil es ungerecht ist für diejenigen, die mehr können. Diejenigen, die für die Abschaffung der 'Restschulen' sind, haben sicher kein Problem damit, wenn wir auch die Gefängnisse abschaffen mit der Begründung, daß längeres gemeinsames Lernen (mit Kriminellen) auch für uns Erwachsene gut weil gerechter ist.
Einerseits soll das Schulsystem wichtig sein für Bildungserfolg. Wenn dann ein Schulsystem wie Gesamtschule scheitert, liegt es aber nicht am System, sondern am fehlen 'starker' Schüler? Ja was denn nun? Sind Schüler von sich aus 'stark' oder 'schwach' oder kann ein Schulsystem aus 'schwachen' Schülern 'starke' machen? Wenn Schüler von sich aus 'stark' oder 'schwach' sind, und Schulsystem das nicht ändern können, können wir uns die Debatte um Schulsysteme sparen.
In Ba-Wü erreicht 1/3 der Schüler die Fachhochschulreife, die auf der Real-oder Hauptschule angefangen haben.
Dass das System nicht durchlässig wäre, ist eine Lüge.
Das Gesamtschulsystem versagt auf ganzer Linie.
Nur Ideologen wollen das nicht eingestehen.
Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.
Frankreich, Spanien und England haben de facto ein System des längeren gemeinsamen Lernens.
In Frankreich nach der Grundschule 4 Jahre Collège, in England das Secondary und in Spanien die Educacion Secundaria(12-16J.)
Danach fällt die Entscheidung Richtung Abitur.
Aus persönlichem Erleben heraus sehe ich diese staatlich verordnete vermeintliche Chancengleichheit als eine sich immer weiter verfestigende Chancenungleichheit. Weil ein Sitzenbleiben fast nicht mehr stattfindet, eine jahrgangsinterne Dürchlässigkeit nicht praktiziert wird
(starke oder schwächere Schüler werden nicht nach Niveau in eigenen Klassen zusammengefaßt und gefördert, schicken alle Eltern, die das Geld haben,ihre Kinder auf eine Privatschule.
Diese erzielen dann, Beispiel Frankreich, in den Abschlußprüfungen des Collèges (Einheitsprüfungen auf Regionalebene)wieder bessere Noten, die ihnen die Aufnahme in besseren Lycées ermöglichen. Dort wiederum werden bessere Abischnitte erreicht, die Zugang zu Eliteuniversitäten ermöglichen.Was nebenbei auch daran liegt, dass die besten Lehrkräfte auf den Privatschulen zu finden sind. So entscheidet in viel stärkerem Maße als bei uns der Geldbeutel der Eltern über den Schulabschluß.
Genau dieses System schaffen wir uns derzeit in Deutschland, verbunden mit einer weiteren Absenkung des Niveaus an den staatlichen Schulen.
Deshalb sind kein längeres gemeinsames Lernen sondern noch mehr Durchlässigkeit,verbunden mit Fordern und Fördern nach Leistungsfähigkeit notwendig!
Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.
Frankreich, Spanien und England haben de facto ein System des längeren gemeinsamen Lernens.
In Frankreich nach der Grundschule 4 Jahre Collège, in England das Secondary und in Spanien die Educacion Secundaria(12-16J.)
Danach fällt die Entscheidung Richtung Abitur.
Aus persönlichem Erleben heraus sehe ich diese staatlich verordnete vermeintliche Chancengleichheit als eine sich immer weiter verfestigende Chancenungleichheit. Weil ein Sitzenbleiben fast nicht mehr stattfindet, eine jahrgangsinterne Dürchlässigkeit nicht praktiziert wird
(starke oder schwächere Schüler werden nicht nach Niveau in eigenen Klassen zusammengefaßt und gefördert, schicken alle Eltern, die das Geld haben,ihre Kinder auf eine Privatschule.
Diese erzielen dann, Beispiel Frankreich, in den Abschlußprüfungen des Collèges (Einheitsprüfungen auf Regionalebene)wieder bessere Noten, die ihnen die Aufnahme in besseren Lycées ermöglichen. Dort wiederum werden bessere Abischnitte erreicht, die Zugang zu Eliteuniversitäten ermöglichen.Was nebenbei auch daran liegt, dass die besten Lehrkräfte auf den Privatschulen zu finden sind. So entscheidet in viel stärkerem Maße als bei uns der Geldbeutel der Eltern über den Schulabschluß.
Genau dieses System schaffen wir uns derzeit in Deutschland, verbunden mit einer weiteren Absenkung des Niveaus an den staatlichen Schulen.
Deshalb sind kein längeres gemeinsames Lernen sondern noch mehr Durchlässigkeit,verbunden mit Fordern und Fördern nach Leistungsfähigkeit notwendig!
Da kann ich nur sagen: so isses! Die Eltern schauen auf Schulabschlüsse (auf "Scheine", die eben nur Schein sind)Die Diskussion bewegt sich auf dem Niveau "Wir brauchen mehr Abiturienten, Akademiker, blablabla, das Heil wird in der Organisation gesucht, und dass Schüler, Lehrer und Eltern "Schule machen" taucht nur am Rande auf. Wenn alle zumindest einen "mittleren" Bildungsabschluss per Ordre de Mufti machen, dann führt das zu einer Entwertung der Realschule, zu einer Flucht aufs Gymn. (weil man da die "besseren Chancen" hat?) Ich denke, die besseren, wacheren, enagierteren Schüler, die haben besser Chancen. Ich habe zu viele Abiturienten-Luschen kennengelernt, die von manchem Hauptschüler, was Pragmatismus, Überblick locker übertroffen werden.
Als Gymnasiast in NRW möchte ich sagen, dass dieser Artikel eines der Intelligentesten Sachen ist, die mir zur Schulreform bisher untergekommen ist
Ich hatte das Pech in einem sozialen Brennpunkt die Grundschule besuchen zu müssen und dort war Gewalt unter Kindern, Lehrer die selbst bei 3. und 4. Klässlern schon völlig überfordert waren und ein gefühltes Bildungsniveau wie in der Vorschule Alltag! Woran es lag? Die Kinder aus den "bildungsfernen Schichten", oder um auszusprechen was sich offensichtlich keiner traut, den Asozialen, war Schule egal. Woher sollte Bildungswille denn auch kommen wenn die Eltern nachmittags mit einem Bier in der Hand Zuhause sitzen, meistens kaum Deutsch sprechen und den Kindern den Schlüssel um den Hals hängen und sagen: "komm heut Abend wieder!". Wir hatten unzählige solcher Fälle.
Ich war erleichtert diesem Schrecken entfliehen zu können und auf eine Schule zu kommen in der Klassenbester sein nicht heißt verprügelt zu werden!
Jetzt wird gesagt: Wir können alle Probleme lösen, wenn wir länger zusammen lernen. Eine billige und falsche Lösung! Wirklich etwas verändern können wir nur wenn wir die "bildungsfernen Schichten" loswerden und zwar durch Investition in Frühkindliche Bildung und Bildung allgemein, ausreichende Nachmittagsbetreuung damit Kinder nicht schon mit 9 oder 10 Jahren auf der Strasse hängen müssen, Familien- und Sozialämter mit mehr Möglichkeiten zu fördern und auch einzugreifen und durch soziales Engagement.
Schön, dass jemand, der ganz offensichtlich weiß, wovon er schreibt, auch einmal das Wort "Bildungswille" benutzt. Ohne den geht nämlich auch beim intelligentesten Kind nichts!
Schön, dass jemand, der ganz offensichtlich weiß, wovon er schreibt, auch einmal das Wort "Bildungswille" benutzt. Ohne den geht nämlich auch beim intelligentesten Kind nichts!
Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.
Frankreich, Spanien und England haben de facto ein System des längeren gemeinsamen Lernens.
In Frankreich nach der Grundschule 4 Jahre Collège, in England das Secondary und in Spanien die Educacion Secundaria(12-16J.)
Danach fällt die Entscheidung Richtung Abitur.
Aus persönlichem Erleben heraus sehe ich diese staatlich verordnete vermeintliche Chancengleichheit als eine sich immer weiter verfestigende Chancenungleichheit. Weil ein Sitzenbleiben fast nicht mehr stattfindet, eine jahrgangsinterne Dürchlässigkeit nicht praktiziert wird
(starke oder schwächere Schüler werden nicht nach Niveau in eigenen Klassen zusammengefaßt und gefördert, schicken alle Eltern, die das Geld haben,ihre Kinder auf eine Privatschule.
Diese erzielen dann, Beispiel Frankreich, in den Abschlußprüfungen des Collèges (Einheitsprüfungen auf Regionalebene)wieder bessere Noten, die ihnen die Aufnahme in besseren Lycées ermöglichen. Dort wiederum werden bessere Abischnitte erreicht, die Zugang zu Eliteuniversitäten ermöglichen.Was nebenbei auch daran liegt, dass die besten Lehrkräfte auf den Privatschulen zu finden sind. So entscheidet in viel stärkerem Maße als bei uns der Geldbeutel der Eltern über den Schulabschluß.
Genau dieses System schaffen wir uns derzeit in Deutschland, verbunden mit einer weiteren Absenkung des Niveaus an den staatlichen Schulen.
Deshalb sind kein längeres gemeinsames Lernen sondern noch mehr Durchlässigkeit,verbunden mit Fordern und Fördern nach Leistungsfähigkeit notwendig!
Ich finde es schade, dass der Autor dieses Artikels nicht auf andere Schulsystem zurückgreift, die für mich ganz klar die einzige Lösung sind. Das Bildungssystem brauch eine starke Veränderung in dieser Hinsicht und mit leichter Veränderung des "3 Klassen Systems" wird auch nichts behoben.
Ich wunder mich, dass hier keine "Alternativ Schulen" aufgelistet werden, somal sie vorkurzem in den Nachrichten standen. Deutscher Schulpreis ist das Stichwort, diese Schulen weichen alle vom Normalen System ab und weisen alle eine bessere Leistung, soziales Verständniss und und und... auf, dafür wurden sie auch ausgezeichnet. Es war für mich ein klares Zeichen, dass diese Art der Schule, die dort präsentiert, und Tag für Tag ausgeführt wird, neue Ansätze schaffen wird um unser System zu verbessern.
Diese Schulen bringen deutliche Leistung wie das "Oberstufen Kolleg" Bielefeld, dass einmalig in Deutschland ist und den besten Abitur Schnitt liefert. Diese Schule wird von Reformen und Änderungen nur so,von der Regierung, zerbombt. Bis nichts Besonderes mehr übrig bleibt und sie zur Regelschule gezwungen wird, ohne das sie sich weren kann. Soziales Denken ist dort wichtig, alle Schüler egal von welcher Schule oder aus welchen Land fühlen sich wohl und lernen miteinander.
Ich finde es echt Schade, dass diese Schulen nicht so beachtet werden wie sie sollten. Es wäre ein Ansatz für ein neues Schulsystem, ein besseres wo alle gleich gute Chancen haben.
Schule bildet nie, sondern erst ihre Überwindung.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren