Bildungsreformen Welche Schule ist die beste?Seite 4/4

Auch einem anderen aufwendigen Vorhaben, mit dem sich kurzfristig keine Lorbeeren ernten lassen, muss sich die Politik widmen: der Lehrerbildung. Studien zeigen, dass Gymnasiallehrer einen besseren Unterricht geben, weil sie über mehr Fachwissen verfügen als ihre Kollegen. Wenn Haupt- und Realschullehrer nicht besser ausgebildet werden, dann bleiben ihre Schüler – Schulform hin oder her – benachteiligt.

9. Ein breiter Konsens ist die erste Reformerpflicht

Schulen können nur dann erfolgreich sein, wenn sie vom Vertrauen der Eltern und der Gesellschaft getragen werden. Deshalb ist ein breiter Konsens über die Grundzüge der Schulpolitik ein Wert an sich. Gerade wer die sozial Schwachen fördern will, der muss die Starken mit ins Boot holen. Das Bürgertum kann viel dazu beitragen (mit Geld und Einfluss, als Mentor, als ehrenamtlicher Helfer), dass es weniger Bildungsverlierer gibt. Es muss aber umworben werden.

Wer den Gymnasien, wie in Hamburg, zwei Schuljahre amputiert, ohne ihnen etwas zu bieten, handelt unüberlegt. Eine kluge Schulpolitik baut auch dagegen vor, dass weniger verantwortliche Teile des Bürgertums jede Schulreform scheitern lassen können, etwa durch politische Störmanöver, durch Abschottung und durch den Rückzug in Privatschulen.

10. Schulen können die Gesellschaft nicht gerechter machen

Wer glaubt, Schulen könnten die Gesellschaft gerechter machen, der irrt. Das belegt eine Studie aus Hessen: Während der Schulzeit verteilen die dort untersuchten Gesamtschulen die Bildungschancen tatsächlich gerechter als die Schulen des gegliederten Systems. Dann aber ändert sich das Bild: Welche Bildungsabschlüsse die Jugendlichen letztlich erlangen, welche Ausbildung und welche Berufslaufbahn sie einschlagen – dabei schlägt die soziale Herkunft gleichermaßen durch, unabhängig davon, welche Schule die Jugendlichen vorher besucht hatten.

Was im Schonraum der Schule also gelingt, verliert seine Kraft, wenn es hinaus ins Leben geht.

Man kann froh sein – und muss es fördern! –, wenn die Schule die soziale Ungleichheit nicht verschärft. Wer mehr verlangt, überfordert die Schule und kann nur enttäuscht werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Werden die Redakteure der ZEIT eigentlich dafür bezahlt, das 3-gliedrige Schulsystem wegzuschreiben?

    Für das Herstellen von Gerechtigkeit in Schulen brauchen wir minderjährige Fahnder, Polizisten und Staatsanwälte. Was Minderjährige sich mittlerweile gegenseitig in Schulen jegweder Form antun, würde jeden Erwachsenen auf kürzestem Weg in Gefängnis bringen. Gerechtgkeit wird von Menschen gemacht, nicht von Systemen, auch nicht von Schulsystemen.

    Das Problem der 'Restschule' ist ein unlösbares. Selbstverständlich können wir alle Schulen zu 'Restschulen' machen. Das ist aber nicht gerechter, weil es ungerecht ist für diejenigen, die mehr können. Diejenigen, die für die Abschaffung der 'Restschulen' sind, haben sicher kein Problem damit, wenn wir auch die Gefängnisse abschaffen mit der Begründung, daß längeres gemeinsames Lernen (mit Kriminellen) auch für uns Erwachsene gut weil gerechter ist.

    Einerseits soll das Schulsystem wichtig sein für Bildungserfolg. Wenn dann ein Schulsystem wie Gesamtschule scheitert, liegt es aber nicht am System, sondern am fehlen 'starker' Schüler? Ja was denn nun? Sind Schüler von sich aus 'stark' oder 'schwach' oder kann ein Schulsystem aus 'schwachen' Schülern 'starke' machen? Wenn Schüler von sich aus 'stark' oder 'schwach' sind, und Schulsystem das nicht ändern können, können wir uns die Debatte um Schulsysteme sparen.

    • meuser
    • 17.06.2010 um 20:20 Uhr

    In Ba-Wü erreicht 1/3 der Schüler die Fachhochschulreife, die auf der Real-oder Hauptschule angefangen haben.
    Dass das System nicht durchlässig wäre, ist eine Lüge.
    Das Gesamtschulsystem versagt auf ganzer Linie.
    Nur Ideologen wollen das nicht eingestehen.

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    • ribera
    • 17.06.2010 um 21:32 Uhr

    Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.

    • ribera
    • 17.06.2010 um 22:38 Uhr

    Frankreich, Spanien und England haben de facto ein System des längeren gemeinsamen Lernens.
    In Frankreich nach der Grundschule 4 Jahre Collège, in England das Secondary und in Spanien die Educacion Secundaria(12-16J.)
    Danach fällt die Entscheidung Richtung Abitur.
    Aus persönlichem Erleben heraus sehe ich diese staatlich verordnete vermeintliche Chancengleichheit als eine sich immer weiter verfestigende Chancenungleichheit. Weil ein Sitzenbleiben fast nicht mehr stattfindet, eine jahrgangsinterne Dürchlässigkeit nicht praktiziert wird
    (starke oder schwächere Schüler werden nicht nach Niveau in eigenen Klassen zusammengefaßt und gefördert, schicken alle Eltern, die das Geld haben,ihre Kinder auf eine Privatschule.
    Diese erzielen dann, Beispiel Frankreich, in den Abschlußprüfungen des Collèges (Einheitsprüfungen auf Regionalebene)wieder bessere Noten, die ihnen die Aufnahme in besseren Lycées ermöglichen. Dort wiederum werden bessere Abischnitte erreicht, die Zugang zu Eliteuniversitäten ermöglichen.Was nebenbei auch daran liegt, dass die besten Lehrkräfte auf den Privatschulen zu finden sind. So entscheidet in viel stärkerem Maße als bei uns der Geldbeutel der Eltern über den Schulabschluß.
    Genau dieses System schaffen wir uns derzeit in Deutschland, verbunden mit einer weiteren Absenkung des Niveaus an den staatlichen Schulen.
    Deshalb sind kein längeres gemeinsames Lernen sondern noch mehr Durchlässigkeit,verbunden mit Fordern und Fördern nach Leistungsfähigkeit notwendig!

    • ribera
    • 17.06.2010 um 21:32 Uhr

    Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.

    • ribera
    • 17.06.2010 um 22:38 Uhr

    Frankreich, Spanien und England haben de facto ein System des längeren gemeinsamen Lernens.
    In Frankreich nach der Grundschule 4 Jahre Collège, in England das Secondary und in Spanien die Educacion Secundaria(12-16J.)
    Danach fällt die Entscheidung Richtung Abitur.
    Aus persönlichem Erleben heraus sehe ich diese staatlich verordnete vermeintliche Chancengleichheit als eine sich immer weiter verfestigende Chancenungleichheit. Weil ein Sitzenbleiben fast nicht mehr stattfindet, eine jahrgangsinterne Dürchlässigkeit nicht praktiziert wird
    (starke oder schwächere Schüler werden nicht nach Niveau in eigenen Klassen zusammengefaßt und gefördert, schicken alle Eltern, die das Geld haben,ihre Kinder auf eine Privatschule.
    Diese erzielen dann, Beispiel Frankreich, in den Abschlußprüfungen des Collèges (Einheitsprüfungen auf Regionalebene)wieder bessere Noten, die ihnen die Aufnahme in besseren Lycées ermöglichen. Dort wiederum werden bessere Abischnitte erreicht, die Zugang zu Eliteuniversitäten ermöglichen.Was nebenbei auch daran liegt, dass die besten Lehrkräfte auf den Privatschulen zu finden sind. So entscheidet in viel stärkerem Maße als bei uns der Geldbeutel der Eltern über den Schulabschluß.
    Genau dieses System schaffen wir uns derzeit in Deutschland, verbunden mit einer weiteren Absenkung des Niveaus an den staatlichen Schulen.
    Deshalb sind kein längeres gemeinsames Lernen sondern noch mehr Durchlässigkeit,verbunden mit Fordern und Fördern nach Leistungsfähigkeit notwendig!

    • grrzt
    • 17.06.2010 um 20:29 Uhr

    Da kann ich nur sagen: so isses! Die Eltern schauen auf Schulabschlüsse (auf "Scheine", die eben nur Schein sind)Die Diskussion bewegt sich auf dem Niveau "Wir brauchen mehr Abiturienten, Akademiker, blablabla, das Heil wird in der Organisation gesucht, und dass Schüler, Lehrer und Eltern "Schule machen" taucht nur am Rande auf. Wenn alle zumindest einen "mittleren" Bildungsabschluss per Ordre de Mufti machen, dann führt das zu einer Entwertung der Realschule, zu einer Flucht aufs Gymn. (weil man da die "besseren Chancen" hat?) Ich denke, die besseren, wacheren, enagierteren Schüler, die haben besser Chancen. Ich habe zu viele Abiturienten-Luschen kennengelernt, die von manchem Hauptschüler, was Pragmatismus, Überblick locker übertroffen werden.

  2. Als Gymnasiast in NRW möchte ich sagen, dass dieser Artikel eines der Intelligentesten Sachen ist, die mir zur Schulreform bisher untergekommen ist
    Ich hatte das Pech in einem sozialen Brennpunkt die Grundschule besuchen zu müssen und dort war Gewalt unter Kindern, Lehrer die selbst bei 3. und 4. Klässlern schon völlig überfordert waren und ein gefühltes Bildungsniveau wie in der Vorschule Alltag! Woran es lag? Die Kinder aus den "bildungsfernen Schichten", oder um auszusprechen was sich offensichtlich keiner traut, den Asozialen, war Schule egal. Woher sollte Bildungswille denn auch kommen wenn die Eltern nachmittags mit einem Bier in der Hand Zuhause sitzen, meistens kaum Deutsch sprechen und den Kindern den Schlüssel um den Hals hängen und sagen: "komm heut Abend wieder!". Wir hatten unzählige solcher Fälle.

    Ich war erleichtert diesem Schrecken entfliehen zu können und auf eine Schule zu kommen in der Klassenbester sein nicht heißt verprügelt zu werden!

    Jetzt wird gesagt: Wir können alle Probleme lösen, wenn wir länger zusammen lernen. Eine billige und falsche Lösung! Wirklich etwas verändern können wir nur wenn wir die "bildungsfernen Schichten" loswerden und zwar durch Investition in Frühkindliche Bildung und Bildung allgemein, ausreichende Nachmittagsbetreuung damit Kinder nicht schon mit 9 oder 10 Jahren auf der Strasse hängen müssen, Familien- und Sozialämter mit mehr Möglichkeiten zu fördern und auch einzugreifen und durch soziales Engagement.

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    Schön, dass jemand, der ganz offensichtlich weiß, wovon er schreibt, auch einmal das Wort "Bildungswille" benutzt. Ohne den geht nämlich auch beim intelligentesten Kind nichts!

    Schön, dass jemand, der ganz offensichtlich weiß, wovon er schreibt, auch einmal das Wort "Bildungswille" benutzt. Ohne den geht nämlich auch beim intelligentesten Kind nichts!

    • ribera
    • 17.06.2010 um 21:32 Uhr

    Das nächste im Ländervergleich gut dastehende Bundesland das Bildungsideologen ruinieren werden.

  3. Schule bildet nie, sondern erst ihre Überwindung.

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