Das Himmelsross oder Celestial Steed hat Blizzard wohl 3,5 Millionen Dollar eingebracht © Blizzard

Alles ganz normal: Auf dem Flughafen in Moskau schießen Terroristen gnadenlos Passagiere über den Haufen. In Azeroth scheuchen Jagdgesellschaften ein Rudel Trolle durchs Unterholz. Und in Simsland bewundern Nachbarn gegenseitig ihre neuen Designerlofts. Genau so, wie es sein soll.

Und doch ändert sich etwas im Reich der Fantasie. Dreißig Jahre nach der Erfindung von Pacman macht die Evolution der Computerspiele den nächsten großen Sprung. Zuerst hockten Spieler vor ihren Bildschirmen, den Joystick fest umklammert, einsam im Wettstreit mit der Maschine. Dann zogen sie ins Internet, wo Spiele zur sozialen Begegnungsstätte wurden, in der sich Menschen aus der ganzen Welt miteinander maßen. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, die Geldbörsen der Spieler zu öffnen. Und damit zugleich die Gratiskultur im Internet zu beenden. Woran Zeitungsverlage und Plattenfirmen schon seit Jahren verzweifeln – nämlich digitale Begehrlichkeiten zu schaffen, für die Menschen bereitwillig Geld ausgeben –, den Spielemachern ist es geglückt.

Auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles , einer der weltweit wichtigsten Spielemessen, spricht die Branche derzeit nicht nur über aktuelle Bestseller, sondern auch über neue Finanzquellen. »Früher waren wir stolz darauf, Millionen Spiele auf DVDs zu verkaufen. Heute geht es darum, Millionen von Kunden zu haben«, sagt Olaf Coenen, Deutschlandchef von Electronic Arts, einem der weltweit größten Spieleverleger aus Kalifornien. »Das Internet gibt ihnen die Freiheit, ihre Spiele individuell zu gestalten – teils kostenlos, aber natürlich auch gegen Geld. Für uns ist der Verkauf von virtuellen Produkten daher sehr interessant.«

Virtuelle Produkte. Bunte Pixelhaufen. Materialwert gleich null. Nur auf den ersten Blick erscheint das absurd.

Für das Himmelsross beim Fantasy-Rollenspiel World of Warcraft sollen 140.000 Menschen jeweils 25 Dollar ausgegeben haben. Hersteller Blizzard will das nicht kommentieren, dürfte auf diese Weise aber 3,5 Millionen Dollar verdient haben. Das halb transparente Digitalpferd wäre damit das bislang wohl einträglichste virtuelle Produkt.

Haris Pilton verkauft Taschen zu absurd hohen Preisen

Bei einer anderen World-of-Warcraft -Figur stehen die Zahlen fest: Der Pandarenmönch, eine Art putziger Pandabär-Samurai-Hybrid mit Reishut, verkaufte sich in gerade mal acht Wochen 220.000 Mal. Zum Stückpreis von zehn Dollar.

Da ist ein neues Bad für das Haus bei den Sims , wo Bauen und Einrichten sehr wichtig sind, schon preiswerter: 4,49 Euro kostet das Modell Chill. 

Für 1,10 Euro hütet ein Verteidigungsminister Ihre Burg bei Lord of Ultima , wenn Sie als Spieler offline sind. So billig waren Politiker noch nie!