Deutschlands Millionäre Reich an Geld, reich an Sorgen

Euro-Angst und Sozialdebatte: Viele Millionäre zweifeln an Deutschland. Stehlen sie sich aus der Verantwortung?

Vielleicht ist Gut Rösslberg eine Insel der Glückseligen, ganz sicher sieht es genauso aus. Ein stattlicher Landsitz auf einer Anhöhe über dem Starnberger See, ein Refugium zwischen Wiesen und Wäldern. In der Bibliothek sitzt der Gutsherr, Andreas Botas, Immobilienmakler. Rufen ihn Menschen an, die ein Reihenhaus suchen oder eine Zweizimmerwohnung, wimmelt er sie freundlich ab, Botas verkauft nur das Beste, die »Perlen« und »Eins-a-Objekte« hier am See, wo die Reichen ihren Erst-, Zweit- oder Drittwohnsitz haben. Die Krise? Botas winkt ab. »Das war ein Regenschauer, den wir abgeschüttelt haben.« Regenschauer kommen und gehen. Am Starnberger See habe man die schlimmste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg »minimal gemerkt«.

Die Maximilianstraße in München. Louis Vuitton, Prada, alle, die das Schöne und Teure feilbieten, haben hier ihren Sitz. Verschleierte Frauen, die Hände voller Einkaufstüten, eilen vorbei, 20-Jährige mit Einstecktuch, Männer, die Formel-1-Manager sind oder zumindest so aussehen wollen. Bei Hemmerle, dem Luxusjuwelier, muss der Kunde durch eine Sicherheitsschleuse gehen, bevor er sich an erlesenem Schmuck weiden kann. Gehen die Geschäfte schlechter? Herr Hemmerle lächelt versonnen. »Aber nein, das Schöne verkauft sich doch immer.«

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Auch die Reichen haben 2008 unter der Finanzkrise gelitten , ja, einen Moment lang sah es so aus, als sei die Welt ein wenig gleicher geworden. Doch sie haben ihre Vermögensverluste schon wieder weitgehend ausgeglichen. Das zeigt der Report Global Wealth 2010, den die Unternehmensberatung Boston Consulting Group vergangene Woche veröffentlicht hat. Insgesamt konnten jene, die über ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar verfügen, ihren Anteil am gesamten Privatvermögen der Welt sogar von 36 auf 38 Prozent erhöhen. Sie stellen weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung. In Deutschland verfügen immerhin die reichsten zehn Prozent der Gesellschaft laut Sachverständigenrat über 60 Prozent des Gesamtvermögens.

Diese Menschen kamen auch deshalb so glimpflich durch die Krise, weil die Staaten große Banken stützten, weil sie Konjunkturprogramme auflegten und in Europa gar Griechenland und den Euro retteten. Für all das haben sie neue Schulden aufgenommen und sich damit ins Wanken gebracht.

Zahlen sollen nun vor allem die Armen und die Mittelschicht. Sie tragen die Hauptlast im Sparpaket der deutschen Bundesregierung, und ihr Protest lässt nicht auf sich warten. Zehntausende gingen am vergangenen Wochenende in Berlin und Stuttgart auf die Straße. Gewerkschaften, Kirchen, Opposition, ja selbst hochrangige Unionspolitiker fordern inzwischen, den Spitzenverdienern und Erben zwischen Starnberg und Sylt an den Geldbeutel zu gehen. Das Wort von der »Reichensteuer« macht die Runde. Diskutiert werden die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, die Wiedereinführung der Vermögensteuer, die Ausweitung der Erbschaftsteuer. Und am Dienstag stellte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin eine Studie vor, die besagt: »Arm und Reich driften in Deutschland immer weiter auseinander.« Die Autoren folgern daraus, dass »auch Menschen mit höheren Einkommen zum Sparpaket beitragen« sollten. Mit einem Mal stehen die Reichen im Zentrum einer erbitterten gesellschaftspolitischen Debatte.

Leser-Kommentare
  1. 1. ......

    Je weiter oben man auf der Leiter steht, desto höher die Angst vor dem Absturz. Das geht bis dahin, sich einzumauern, wie bereits in vielen amerikanischen Städten zu beobachten, ganz zu schweigen von südamerikanischen Städten. Ob das dann das schönere Leben ist, abgeschirmt vom Rest der Welt, ist zu bezweifeln. Sozialer Friede bedeutet also auch Friede für die da oben. Ich bin kein Freund von Gleichmacherei, aber etwas mehr Umverteilung von oben nach unten macht die da oben sicher nicht ärmer, sondern reicher. Auf jeden Fall reicher an Lebensqualität.

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    • Chali
    • 21.06.2010 um 10:32 Uhr

    Aber der Gestank brennender Reifen kommt auch durch den Stacheldraht!

    • Chali
    • 21.06.2010 um 10:32 Uhr

    Aber der Gestank brennender Reifen kommt auch durch den Stacheldraht!

  2. Artikel als bedenklich melden.

    Wetering

    • Chali
    • 21.06.2010 um 10:32 Uhr

    Aber der Gestank brennender Reifen kommt auch durch den Stacheldraht!

    Antwort auf "......"
  3. ...nicht viel ausmachen würde mehr Steuern zu bezahlen, glaub ich gerne. Die sind schon Reich und wer Geld hat, verdient auch viel schneller Neues.
    Die Parteien aber denken an die die gerne Reich wären es aber (noch) nicht geschafft haben - denn das sind ihre Wähler.
    Und eine "Reichensteuer" würde das Ziel in weite Ferne rücken.
    Die Illusion, man könnte eines Tages mal dazugehören ist zu wertvoll, als das man sie totsteuern darf.

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    Es ist schon verwunderlich wie eine Wählermehrheit wissentlich eine Politik wählt, die den 5 bis 10% Reichsten nutzt ohne selbst dazuzugehören. Definitionsgemäß würden die reichste Oberschicht ja eigentlich politisch zumindest bei den großen Wahlen keinen Einfluß entfalten können.

    Es ist schon verwunderlich wie eine Wählermehrheit wissentlich eine Politik wählt, die den 5 bis 10% Reichsten nutzt ohne selbst dazuzugehören. Definitionsgemäß würden die reichste Oberschicht ja eigentlich politisch zumindest bei den großen Wahlen keinen Einfluß entfalten können.

  4. 5. Danke

    richtig guter Artikel, sehr differenziert.

    EIn bisschen in die Richtung geht auch The Spirit Level von Wilkinson. Darin wird die These vertreten, dass größere wirtschaftliche Ungleichheit dazu führt, dass die Menschen unglücklich werden. Das Interessante daran ist, dass das nicht nur die Unter- und Mittelschicht, sondern auch die Oberschicht betrifft.

    • baku
    • 21.06.2010 um 10:47 Uhr

    man muss derzeit tatsächlich die sorge haben, dass durch die aktuelle tagespolitik alles nur noch schlimmer gemacht wird. schwarz/gelb okay, man weiss wofür das steht, aber sind die derzeit handelnden wirklich so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht merken wie schnell das schiff sinkt? oder ist es am ende konsequenterweise so, das es für sie keine große rolle spielt, ob sich diejenigen ohne lobby und einfluss aufregen. es wird sich in diesem lande nichts grundlegend ändern, zu eingeschliffen sind institutionen und politische akteure - die geier warten schon!

  5. Das Verrückte ist, dass ganz besonders die Reichen auch nur Erzeugnisse des Kapitalismus sind, genauso wie die Armen.

    Sie haben den unschätzbaren Vorteil, dass sie das wichtigste, das ein Mensch haben kann, sicher haben: die Mittel um zu überleben.

    Dennoch sind auch sie streng gefangen im Kapitalismus, auf ihre Art sogar stärker als die weniger Vermögenden. Der Artikel spricht es kurz an, es sind die Anlageformen, die gebraucht werden. Solange jeder Mensch konservativ wird sobald es ihm gut geht - im Sinne davon, dass er seinen status quo bewahren will - solange werden auch die Reichen versuchen, ihre Vermögen und damit ihren Wohlstand und Luxus zu erhalten. Damit binden sie sich selbst an den Kapitalismus, zu dessen Überleben nun Banken, große Unternehmen und sogar ganze Staaten gerettet werden mussten. Gerettet wurden sie mit Geld, welches jetzt besorgt werden muss.

    Die Aussage, dass die Reichen nun zahlen sollen, da sie und ihr Wohlstand damit gerettet wurden, ist nur recht und billig. Allerdings im vollen Umfang nicht gerecht.

    Es war eine Perversion des Kapitalismus, dass er gerettet werden muss, und nun die von ihm Abhängigen belastet.

    Die Armen dürfen nicht belastet werden, sie sind bereits die Verlierer. Es ist nicht erklärbar, warum diese nun bestraft werden.

    Die Reichen müssen zum Teil belastet werden, aber nicht voll. Sie sind nicht voll verantwortlich.

    Es klafft eine nicht schließbare Lücke. Die Sünde ist nicht wiedergutzumachen und fordert nun ihren Tribut.

  6. Um es nochmal zusammenzufassen:

    Wir (die steuerzahlende Bevölkerung) haben die Gläubiger (Banken und Anleger) vor dem Verlust von Milliarden gerettet. Auf Kosten unserer Volkswirtschaft, auf Kosten unserer Kommunen und unserer Infrastruktur.

    Sprich: Frau Millinärsgattin kann immer noch jeden Monat zwei bis drei Durchschnittsgehälter in edlen Modegeschäften oder Beautysalons lassen weil WIR ihre Einlagen gesichert haben und jetzt dafür bluten müssen.

    Die Welt wäre etwas gleicher gewesen nach der Krise, hätten wir nurnicht diese absolut unfähige Regierung, die alles daran setzt dieser feinen Gesellschaft die besten Plätze am Trog auf unsere Kosten zu sichern.

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    • gauss
    • 21.06.2010 um 11:38 Uhr

    Nun ja, der Rettungsfonds für die Banken ist nur ein KREDIT. Zudem fallen hierfür nicht ganz wenig Zinsen an. Momentan sieht es nicht nach einem großen finanziellen Grab aus. Allerdings, die Folgekosten für die Wirtschaft sind natürlich reale Kosten, wie Kurzarbeitergeld oder die sog. Abwrackprämie. Dies zahlen aber letztendlich alle Steuerzahler, insbesondere die Reichen und Wohlhabenden. Mit einer solchen einseitigen Betrachtung, die geradezu in eine Hatz mündet, kommt auch niemand weiter. Die Probleme des Sozialstaats haben, objektiv betrachtet, mit der sog. Finanzkrise nichts zu tun, sondern er ist schon lange überdehnt. Die Politik schafft es seit mehr als 30 Jahren nicht Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu definieren, in der es möglich ist dauerhafte Vollbeschäftigung zu realisieren bei Löhnen von denen man leben kann. Wenn man das Grundproblem zwischen der Besteuerung von Einkommen auf der einen Seite und dem der Vermögen und Firmenbeteiligungen lösen will, sollte man zu allererst über die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten nachdenken. Es bringt wenig wieder neue Steuern einzuführen, zusammen mit neuen Absetzmöglichkeiten. Das ist dann nur pure Psychologie. Darüber vernehme ich aber in dieser Diskussion nichts, denn damit können die Wohlhabenden ihre Steuerlast, ganz legal, massiv drücken. Wer es ernst meint mit der "Solidarität", der schafft alle Ausnahmetatbestände rigoros ab! Dann kann man über Vermögensabgabe und Reichensteuer nachdenken, aber nicht vorher!

    • keox
    • 21.06.2010 um 14:26 Uhr

    "...hätten wir nur nicht diese absolut unfähige Regierung..."

    Es geht nicht nur um Unfähigkeit, sondern zumindest zu großen Teilen um Korruption und Komplizenschaft.

    Nicht zuletzt geht es um undemokratische Strukturen, bestens zu sehen an der Verschleuderung von Volksvermögen - freundlich harmlos 'Privatisierung' genannt - und hört bei 'Cross Boarder Leasing' längst nicht auf.

    Jede wichtige Entscheidung - egal auf welcher Ebene - wird ohne Beteiligung der Bevölkerung getroffen. Warum auch nicht, laut TINA Merkel gibt es ja ohnehin nie eine Alternative.

    Ob €U, Afghanistan, Vermögenssteuer etc etc, egal worum es geht, der Wille der Bevölkerung vergeht wie der Furz im Lüftungsschacht.

    Bei der 'Rettung' der Banken und ihrer Anleger verabschiedete sich das Parlament gleich ganz von seinen formalen Rechten, bis heute weiß niemand, wohin warum wieviel Geld fließt.

    Um es kurz zu machen:

    Es handelt sich keineswegs nur um Unfähigkeit, hier zeigt sich ein Staat, der längst privatisiert wurde.

    • gauss
    • 21.06.2010 um 11:38 Uhr

    Nun ja, der Rettungsfonds für die Banken ist nur ein KREDIT. Zudem fallen hierfür nicht ganz wenig Zinsen an. Momentan sieht es nicht nach einem großen finanziellen Grab aus. Allerdings, die Folgekosten für die Wirtschaft sind natürlich reale Kosten, wie Kurzarbeitergeld oder die sog. Abwrackprämie. Dies zahlen aber letztendlich alle Steuerzahler, insbesondere die Reichen und Wohlhabenden. Mit einer solchen einseitigen Betrachtung, die geradezu in eine Hatz mündet, kommt auch niemand weiter. Die Probleme des Sozialstaats haben, objektiv betrachtet, mit der sog. Finanzkrise nichts zu tun, sondern er ist schon lange überdehnt. Die Politik schafft es seit mehr als 30 Jahren nicht Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu definieren, in der es möglich ist dauerhafte Vollbeschäftigung zu realisieren bei Löhnen von denen man leben kann. Wenn man das Grundproblem zwischen der Besteuerung von Einkommen auf der einen Seite und dem der Vermögen und Firmenbeteiligungen lösen will, sollte man zu allererst über die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten nachdenken. Es bringt wenig wieder neue Steuern einzuführen, zusammen mit neuen Absetzmöglichkeiten. Das ist dann nur pure Psychologie. Darüber vernehme ich aber in dieser Diskussion nichts, denn damit können die Wohlhabenden ihre Steuerlast, ganz legal, massiv drücken. Wer es ernst meint mit der "Solidarität", der schafft alle Ausnahmetatbestände rigoros ab! Dann kann man über Vermögensabgabe und Reichensteuer nachdenken, aber nicht vorher!

    • keox
    • 21.06.2010 um 14:26 Uhr

    "...hätten wir nur nicht diese absolut unfähige Regierung..."

    Es geht nicht nur um Unfähigkeit, sondern zumindest zu großen Teilen um Korruption und Komplizenschaft.

    Nicht zuletzt geht es um undemokratische Strukturen, bestens zu sehen an der Verschleuderung von Volksvermögen - freundlich harmlos 'Privatisierung' genannt - und hört bei 'Cross Boarder Leasing' längst nicht auf.

    Jede wichtige Entscheidung - egal auf welcher Ebene - wird ohne Beteiligung der Bevölkerung getroffen. Warum auch nicht, laut TINA Merkel gibt es ja ohnehin nie eine Alternative.

    Ob €U, Afghanistan, Vermögenssteuer etc etc, egal worum es geht, der Wille der Bevölkerung vergeht wie der Furz im Lüftungsschacht.

    Bei der 'Rettung' der Banken und ihrer Anleger verabschiedete sich das Parlament gleich ganz von seinen formalen Rechten, bis heute weiß niemand, wohin warum wieviel Geld fließt.

    Um es kurz zu machen:

    Es handelt sich keineswegs nur um Unfähigkeit, hier zeigt sich ein Staat, der längst privatisiert wurde.

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