Europa Gefährliches Gerede

In Europas Hauptstädten kursiert die Angst vor einem Finanzkollaps

Die spanische Schuldenkrise sorgt für Unruhe in den europäischen Hauptstädten. Dort geht man davon aus, dass Spaniens Finanzprobleme Banken und Unternehmen in ganz Europa und darüber hinaus in Schwierigkeiten bringen könnten . »Griechenland war nur das Vorspiel, Spanien ist das eigentliche Thema«, sagt ein führender europäischer Notenbanker, der nicht genannt werden will.

Vor allem deutsche und französische Banken haben auf der Iberischen Halbinsel erhebliche Summen angelegt. Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hatten allein die hiesigen Kredithäuser Ende 2009 Forderungen über 202 Milliarden Dollar in Spanien ausstehen – davon entfallen 109 Milliarden auf Darlehen an Banken.

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Die Deutsche Bank hat in Spanien 20,6 Milliarden Euro verliehen, davon sind nach eigenen Angaben 13,1 Milliarden durch Gegengeschäfte abgesichert, also zum Beispiel durch Kreditausfallversicherungen. Die marode Pfandbriefbank Hypo Real Estate hält spanische Staatsanleihen im Wert von 2,7 Milliarden Euro. Müssten solche Forderungen abgeschrieben werden, würden neue Löcher in die Bankbilanzen gerissen.

Spanische Institute wiederum sind als Geldgeber in Lateinamerika aktiv. Allein in Brasilien haben sie Darlehen in Höhe 146 Milliarden Dollar vergeben. Sollten die Spanier in ihrer Not Kreditlinien kappen, könnte die Krise über den Atlantik schwappen, weshalb auch die Vereinigten Staaten auf eine Stabilisierung der Lage dringen. Insbesondere die kleineren spanischen Banken haben wegen der Risiken in ihren Bilanzen kaum noch Zugang zum Geldmarkt, wo sich die Kreditinstitute untereinander mit Liquidität versorgen.

Die EU drängt Madrid deshalb, den Bankensektor schleunigst zu sanieren. Sollte das die Finanzkraft des Staates überfordern, so versichern Diplomaten, stehen Mittel aus dem jüngst aufgelegten europäischen Stabilisierungsfonds bereit.

Umstritten aber scheint, wie ernst die Lage ist . In deutschen Medien wurde diese Woche aus Kreisen der Bundesregierung berichtet, die Freigabe der Mittel werde bereits vorbereitet. Spanische Regierungsvertreter wiesen die Berichte zurück, auch die Fachleute in den Berliner Ministerien halten die Situation noch für beherrschbar. Tatsächlich hat Spanien erst vergangene Woche 3,9 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen können. Konkrete Rettungsmaßnahmen, so heißt es in Finanzkreisen, seien vorerst nicht geplant.

Ganz ausschließen will sie aber niemand. Denn es geht auch um die Frage, wer die Lasten schultert. Die Spanier profitieren bislang davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Anleihemarkt des Landes stützt. Die Notenbank kauft seit einigen Wochen Staatspapiere der südeuropäischen Staaten auf. Die EZB möchte das umstrittene Ankaufsprogramm aber beenden. Aus Sicht der Währungshüter ist die Rettung angeschlagener Staaten eine Aufgabe für die Finanzpolitik und nicht für die Zentralbanken. Deshalb hat Notenbankchef Jean-Claude Trichet Interesse daran, dass der Stabilisierungsfonds im Ernstfall auch tatsächlich angezapft werden kann.

Und da liegt ein Problem: Noch sind viele Marktteilnehmer nicht überzeugt, dass das Geld im Ernstfall schnell und unbürokratisch freigegeben wird. Das sorgt für Verunsicherung. Ein neuerliche klare Hilfszusage der Politik, so denken einige Zentralbanker und ihre Verbündeten in den Regierungen, könnte verhindern, dass die Investoren vollends in Panik geraten und Spanien vom Kapitalmarkt abschneiden, wenn sich die EZB zurückzieht.

Doch je mehr über die spanischen Probleme in der Öffentlichkeit diskutiert wird, desto nervöser werden die Märkte. Die jetzt losgetretene Debatte über einen bevorstehenden Rettungseinsatz hat die Unsicherheit jedenfalls noch verstärkt. Gut möglich, dass Berlin am Ende zahlen muss, weil irgendjemand nicht schweigen konnte.

 
Leser-Kommentare
    • k2
    • 18.06.2010 um 7:03 Uhr

    Spanien suche schleunigst den IWF-Rettungsfond oder
    es droht der Untergang der kleinen Sparkassen !
    Spekulationen sind von einer Sitzung am heutigen Freitag zwischen Zapatero und Dominique Strauss-Kahn
    des "Internationalen Währungsfonds" bis zur Kondensationstemperatur zum Beispiel über die Zukunft der vereinigten Caja Granada und Cajasur, Unicaja sowie
    Cajasol angeheizt.

  1. Las ich nicht von wenigen Tagen hier:
    Nicht der spanische Staat ist betroffen, sondern die spanischen Banken. Wie paßt das zum Artikel.

    Manchmal scheint es mir, dass entweder die Redakteure eigentlich auch gar keine Ahnung haben, so wie ich. Oder sie haben Ahnung und verstehen die Welt nicht mehr. Oder es sind absichtliche Nebelkerzen. Eine Verwirrungsstrategie um mit der Hilfe von Konfusion, so weiter machen zu können wie bisher.

    Als Konsument kann ich den Artikel zur Kenntnis nehmen und irgendwo in meinem Hinterstübchen die Information speichern:

    Zitat: Gut möglich, dass Berlin am Ende zahlen muss, weil irgendjemand nicht schweigen konnte.

    Aha! Irgendjemand hat Schuld! Da hat einer geredet, wie konnte der bloß. Man muss doch alles geheimhalten.

    Und das nicht nicht endende Gefasel: Die Banken vertrauen sich nicht mehr!. Welch ein Quatsch. Die Banken sind wirklich die absoluten Spezialisten normale Bürgern zu erklären, dass sie 3,50 Euro zu wenig für einen Kredit verdienen, und dafür einen Risikoaufschlag von x zu zahlen haben. Unterlagen auf den Tisch und dann wird die Kreditwürdigkeit geprüft. Das geht nur dann nicht, wenn man selbst nicht in der Lage ist, zu prüfen. Tolle Banker.

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    war zu lang und ich habe einzelne Pasagen gelöscht. Leider habe ich nicht gemerkt, dass er dadurch nicht mehr in sich schlüssig wirkt.

    Redaktion

    Lieber Klausabc,

    inwieweit widersprechen sich die Artikel? Beide behandeln die Krise in Spanien und beide sagen: Es gibt große Probleme im spanischen Bankensektor. Hinzu kommenden die Schulden des Landes. Zitat:

    "Die EU drängt Madrid deshalb, den Bankensektor schleunigst zu sanieren. Sollte das die Finanzkraft des Staates überfordern, so versichern Diplomaten, stehen Mittel aus dem jüngst aufgelegten europäischen Stabilisierungsfonds bereit."

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

    Für alle anderen - dies ist der zweite Artikel:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    war zu lang und ich habe einzelne Pasagen gelöscht. Leider habe ich nicht gemerkt, dass er dadurch nicht mehr in sich schlüssig wirkt.

    Redaktion

    Lieber Klausabc,

    inwieweit widersprechen sich die Artikel? Beide behandeln die Krise in Spanien und beide sagen: Es gibt große Probleme im spanischen Bankensektor. Hinzu kommenden die Schulden des Landes. Zitat:

    "Die EU drängt Madrid deshalb, den Bankensektor schleunigst zu sanieren. Sollte das die Finanzkraft des Staates überfordern, so versichern Diplomaten, stehen Mittel aus dem jüngst aufgelegten europäischen Stabilisierungsfonds bereit."

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

    Für alle anderen - dies ist der zweite Artikel:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

  2. war zu lang und ich habe einzelne Pasagen gelöscht. Leider habe ich nicht gemerkt, dass er dadurch nicht mehr in sich schlüssig wirkt.

    • Chali
    • 18.06.2010 um 7:12 Uhr

    ... hört sich das aber nicht an?

    Das ist ja eher Sozialismus? Informationsunterdrückung? Ausgleich von Misswirtschaft durch die Allgemeinheit?

    • Chali
    • 18.06.2010 um 7:14 Uhr

    ... ist das die "Neue sozialistische Marktwirtschaft", die da immer gefordert wird?

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    Ich hatte gestern abend Herrn Banduleit zitiert. Das schlimme ist doch, daß Herr Schieritz mit der gelenkten Demokratie offensichtlich kein Problem hat.

    Ich hatte gestern abend Herrn Banduleit zitiert. Das schlimme ist doch, daß Herr Schieritz mit der gelenkten Demokratie offensichtlich kein Problem hat.

  3. > Gut möglich, dass Berlin am Ende zahlen muss, weil irgendjemand nicht schweigen konnte. <
    Ja, wer hat denn da nicht geschwiegen? War es denn nicht Mutti die vor kurzem ganz laut gesagt hat, dass der Rettungsfonds jedem sofort zur Verfügung steht, der ihn braucht?
    Der Artikel ist nicht schlüssig. Auf der einen Seite soll kein Chaos herbeigeredet werden und auf der anderen soll sehr schnell gesagt werden, dass der Rettungsschirm da ist. Was denn nun?

  4. ich als Bürger nur Zaungast bin. Aber ein Zaungast, der die Gartentür offen zu halten hat, um sein redliches Einkommen jederzeit den Hasardeuren aushändigen zu müssen.

    Es ist einfach unfair, zu solch Tatenlosigkeit gezwungen zu sein.

    Ich geh dann mal in meinen Nutzgarten, um für die elementare Versorgung zu ackern.

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    Da spielt sich nix auf abgehobenen Niveau ab. Die ganzen Abläufe sind im Grunde ganz banal, trotzdem hochgefährlich. Wurde uns nicht mit der Einführung des Euros in blumigen Worten suggeriert, dass man zukünftig alles schöner, besser und unter Kontrolle hätte? Die Politiker Europas haben die Büchse der Pandora mit konstruiert, die meisten sind im Ruhestand wie Theo W., Helmut K. etc. oder wie Horst K., zurück getreten, weil er in den Abgrund schaute und sich den Blues nahm. Bar jeder nachhaltiger Vernunft hat ein Geflecht aus Staaten, Politikern, Bankern, Versicherungen usw. sich aufgeschwungen, etwas ganz besonderes zu konstruieren, den Euro. Herausgekommen sind die Plagen dieser Welt und das versprochene Goldene Zeitalter ist endgültig vorbei. Das ganze Szenario erinnert verdammt an die Politik und dem Umgang mit der Atomenergie. Die Laienprediger (Politiker) erzählen uns von der Ungefährlichkeit dieser Technologie, selbst haben sie Null Ahnung davon, geschweige denn von Kettenreaktionen. Wir Bürger sollten uns dringend angewöhnen diesen Dampfplauderern besser auf den Mund und noch besser auf die Finger zu schauen.

    Da spielt sich nix auf abgehobenen Niveau ab. Die ganzen Abläufe sind im Grunde ganz banal, trotzdem hochgefährlich. Wurde uns nicht mit der Einführung des Euros in blumigen Worten suggeriert, dass man zukünftig alles schöner, besser und unter Kontrolle hätte? Die Politiker Europas haben die Büchse der Pandora mit konstruiert, die meisten sind im Ruhestand wie Theo W., Helmut K. etc. oder wie Horst K., zurück getreten, weil er in den Abgrund schaute und sich den Blues nahm. Bar jeder nachhaltiger Vernunft hat ein Geflecht aus Staaten, Politikern, Bankern, Versicherungen usw. sich aufgeschwungen, etwas ganz besonderes zu konstruieren, den Euro. Herausgekommen sind die Plagen dieser Welt und das versprochene Goldene Zeitalter ist endgültig vorbei. Das ganze Szenario erinnert verdammt an die Politik und dem Umgang mit der Atomenergie. Die Laienprediger (Politiker) erzählen uns von der Ungefährlichkeit dieser Technologie, selbst haben sie Null Ahnung davon, geschweige denn von Kettenreaktionen. Wir Bürger sollten uns dringend angewöhnen diesen Dampfplauderern besser auf den Mund und noch besser auf die Finger zu schauen.

  5. Redaktion
    8. Banken

    Lieber Klausabc,

    inwieweit widersprechen sich die Artikel? Beide behandeln die Krise in Spanien und beide sagen: Es gibt große Probleme im spanischen Bankensektor. Hinzu kommenden die Schulden des Landes. Zitat:

    "Die EU drängt Madrid deshalb, den Bankensektor schleunigst zu sanieren. Sollte das die Finanzkraft des Staates überfordern, so versichern Diplomaten, stehen Mittel aus dem jüngst aufgelegten europäischen Stabilisierungsfonds bereit."

    Schöne Grüße

    Marcus Gatzke

    Für alle anderen - dies ist der zweite Artikel:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

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