Wie krank ist Nelson Mandela? © THEMBA HADEBE/AFP/Getty Images

Er kommt leider nicht. Als Südafrikas Präsident Jacob Zuma diese Nachricht verkündete, wurde es für einen Augenblick still im Stadion von Johannesburg. Mandela auf der Ehrentribüne – das wäre die Krönung der WM-Eröffnungsfeier gewesen.

In die Enttäuschung des Publikums mischte sich Verständnis und Angst um den alten Mann. In der Nacht zuvor war seine Urenkelin Zenani tödlich verunglückt, ausgerechnet auf der Heimfahrt von einem Popkonzert in Soweto, bei dem Shakira und andere Stars den Weltcup besungen hatten. Die Familie trauert, während das Land feiert. Doch viele fragen sich, wie viel der 92-jährige Mandela von der familiären Tragödie und der nationalen Euphorie noch wahrnimmt. Wie krank ist Mandela?

Bei den seltenen öffentlichen Auftritten an der Seite seiner Frau Graça Machel wirkte Mandela zuletzt sehr gebrechlich, manchmal auch abwesend. Interview-Anfragen werden kategorisch abgelehnt, selbst hohe Staatsgäste hat der Ex-Präsident nur noch in Ausnahmefällen empfangen. Madiba, wie ihn die Südafrikaner nach seinem Clannamen nennen, hat sich in sein Haus im Johannesburger Stadtteil Houghton in den Kreis seiner Familie zurückgezogen.

Manchmal zeigt er sich noch bei Empfängen seiner Nelson Mandela Foundation. Teilnehmer berichten, dass er oft mehrmals die gleiche Frage stelle – Anzeichen einer fortschreitenden Senilität. Auch diverse Krankheiten, eine Folge seiner 27 Jahre im Gefängnis, sollen Mandela immer stärker zusetzen. Weil aber die Bulletins über seinen wahren Gesundheitszustand gehütet werden wie Staatsgeheimnisse, kursieren wilde Gerüchte: Mandela, so spekulieren manche, lebe gar nicht mehr, doch sein Tod solle bis zum Ende der WM geheim bleiben, um die kollektive Partystimmung nicht zu verderben.

Die großen Tageszeitungen des Landes rechnen damit, dass Mandela das Jahresende nicht mehr erleben wird. Die Nachrufe sind bereits geschrieben. Im Umland seines Heimatdorfes Qunu sind sämtliche Unterkünfte durch Journalisten seit einem Jahr ausgebucht. Die Medien wollen ganz vorn dabei sein, wenn Mandela bestattet wird, wenn das Land und die Welt um eine ihrer ganz großen Heldenfiguren trauern. Aber in diesen Tagen hoffen alle Südafrikaner, ihren geliebten Madiba noch einmal zu erleben: wenn er, und kein anderer, den Cup an das beste Fußballteam der Welt überreicht. Bartholomäus Grill