DIE ZEIT: Deutschland ist ein Topfavorit für die WM, meinen viele Experten. Haben sie recht?

Bastian Schweinsteiger: Nein, es hat sich doch nach dem 4:0 gegen Australien nichts Entscheidendes verändert. Wir haben ein Spiel gewonnen, aber davon sind wir doch alle ausgegangen. Vielleicht war die Höhe des Ergebnisses und die Art, wie wir nach vorne gespielt haben, so nicht zu erwarten. Aber ich weiß einzuschätzen, wie so ein Turnier verläuft. Wir dürfen jetzt nicht in die Situation geraten, dass das letzte Gruppenspiel zum Endspiel wird. Gegen Serbien müssen wir daher zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind.

ZEIT: Keine Mannschaft hat im ersten Spiel so überzeugt wie Deutschland.

Schweinsteiger: Für ein Auftaktspiel war es ein gutes Spiel, besonders in der Offensive. Aber wir müssen ein paar Dinge noch besser machen.

ZEIT: Was denn?

Schweinsteiger: Die Australier konnten sich selbst zu zehnt relativ leicht die Bälle zuspielen. Da brauchen wir in der Defensive eine bessere Ordnung. Wir sind nicht so in die Zweikämpfe gekommen, wie das sein muss. Das liegt daran, dass unsere Raumaufteilung noch besser werden muss. Die Kompaktheit, die Ordnung muss stimmen. Wir müssen uns zusammen verschieben, um enger beieinander zu stehen. Die Abstände dürfen nie größer sein als 10 bis 15 Meter. Gegen Mannschaften wie Spanien oder Argentinien kommen wir sonst in Verlegenheit und lassen Torchancen zu.

ZEIT: Wie fühlen Sie sich eigentlich in Ihrer neuen Rolle als Chef?

Schweinsteiger: Der Bundestrainer ist hier der Chef.

ZEIT: Der steht aber nicht auf dem Platz?

Schweinsteiger: Das ist richtig. Das sind immer elf Spieler, und von denen gibt es einige, die aufgrund ihrer Erfahrung mehr Verantwortung tragen, etwa Kapitän Philipp Lahm, Miro Klose, Arne Friedrich, Per Mertesacker und ich. Auf dem Platz entscheidet jedoch oft die eigene Leistung, wer die Kommandos gibt. Jeder kann da Verantwortung übernehmen, wenn er ein gutes Spiel macht.

ZEIT: Klar, aber im Fußball gibt es Spiele, in denen gleich die ersten beiden Pässe zum Gegner rollen. Wie reagieren Sie dann?

Schweinsteiger: Genau solche Dinge sind mir auch schon passiert: Früher hab ich mich dann ein bisschen rausgehalten. Jetzt ist es aber so, dass ich weiter den Ball fordere. Wenn sich dann eine Situation ergibt, in der ich noch mal einen Risikopass spielen muss, dann spiele ich den auch. Weil ich das Selbstvertrauen habe und nach einem schlechten Start nicht gleich geknickt bin.