Ölmarkt Welt ohne Stoff

Die Katastrophe im Golf von Mexiko macht das Öl noch knapper. Das könnte eine neue Wirtschaftskrise auslösen.

Die Ölpest könnte auch die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinflussen

Die Ölpest könnte auch die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinflussen

Es geht um elf Tote, um verseuchte Küsten, verendende Tiere, strafrechtliche Ermittlungen gegen das britische Traditionsunternehmen BP und seinen möglichen Bankrott. Doch eigentlich geht es bei der Katastrophe im Golf von Mexiko um noch viel mehr – um fast alles nämlich: um die Zukunft der Weltwirtschaft, die 40 Jahre nach der ersten Ölkrise vom Öl so abhängig ist wie von keiner anderen Energiequelle.

Schon lange sprechen Geologen ernste Warnungen aus: Bald und schneller als gedacht, könne nicht mehr so viel Öl gefördert werden wie bisher. Es stecke einfach nicht mehr genug von dem schwarzen Stoff in der Erdkruste. Und schon lange halten Ölgesellschaften dagegen, allen voran BP. Deren Chef Tony Hayward hat dazu einmal selber geäußert: Das Reden vom Ende des Öls sei nichts als ein Mythos. Die offizielle Linie bei BP lautet, dass immer noch mehr Öl als notwendig vorhanden sei. BPs Statistikbroschüre, die in der Branche fast amtlichen Charakter hat, beziffert die Sache ganz genau. Wenn man im gleichen Tempo weiter fördere, dann reiche das Öl noch für 46 Jahre.

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Wer hat nun recht?

Das Problem ist, dass der Optimismus der Ölmultis an einer umstrittenen Annahme hängt: Ihre Fachleute gehen davon aus, dass sich mit den neuesten technischen Methoden in den kommenden Dekaden viel mehr Ölquellen erschließen lassen. Doch ausgerechnet daran nährt das Desaster im Golf von Mexiko nun Zweifel: Ein Großteil der noch vermuteten Ölreserven lagert schließlich tief unter dem Meer und unter extraharten Stein- oder Salzschichten. Dafür ist noch kein Bohrer erfunden, geschweige denn eine verlässliche Technik zur Sicherung der Bohrlöcher.

Und was geschieht, wenn diese Technik doch nicht erfunden wird – oder wenn Regierungen unter dem Eindruck des jüngsten Desasters die Ölförderung unter extremen Bedingungen verbieten? Dann droht ernster Energiemangel. Er könnte schon bald wirtschaftliche Verwerfungen auslösen, die noch gravierender sind als die Finanzkrise.

Vor Amerika wird sechs Monate lang nicht mehr in tiefem Wasser gebohrt

Das Problem wäre nicht, dass es kein Öl mehr gäbe – bis dahin dauert es noch ein paar Jahrzehnte. Doch es könnte nicht mehr wie bisher Jahr für Jahr mehr Öl auf den Markt kommen. Es gäbe kein Wachstum mehr bei der Förderung, ein Novum, denn hundert Jahre lang ist dadurch das Räderwerk der Industriegesellschaften angetrieben worden.

Keine Substanz prägt den Alltag von Abermillionen Menschen so wie Öl . Es steckt in Düngemitteln, Farben, Medikamenten, Kleidung, Möbeln und Matratzen – und es hat im Verkehrssektor sogar ein Monopol: Öl ist die einzige Energie, die die rasch wachsende weltweite Auto-Armada in Bewegung hält. Ohne Öl – und ohne Zuwächse bei der Ölförderung – drohen Stillstand, Arbeitslosigkeit und Rückschläge beim Wirtschaftswachstum. Die Sozialsysteme der demokratischen Staaten würden auf die Probe gestellt, womöglich sogar die Demokratie selbst.

Leser-Kommentare
  1. sollten wir nicht endlich aufhören, Krisen herbei zu reden?
    Ist es wieder soweit für eine Endzeitstimmung? Und schon wieder das Wort "Zuwachs". Ich kann es langsam nicht mehr hören. Die meisten herbei geredeten Katastrophen haben sich in Nichts aufgelöst. Die einzige echte Katastrophe ist die jetzige unvorstellbare Ölverschmutzung. Alles andere wird sich ergeben wenn es soweit ist (sagte schon Adenauer: Mer sinn dat wenn et soweit is).

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    Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    • yato
    • 18.06.2010 um 18:47 Uhr

    Probleme werden nicht durch ignorieren gelöst.

    Wann Peak Oil war oder ist, das ist nicht das Wichtigste. Unbestritten ist die Tatsache dass wir nicht nachhaltig wirtschaften und dass das Ende von dieser Unvernunft immer näher kommt.

    Wir sollten also so schnell wie möglich auf 99% - 100% regenerative Energieversorgung umstellen. Mehr kann man dazu fast nicht sagen.

    • peku28
    • 19.06.2010 um 9:34 Uhr

    Die Jornalisten wissen ja gar nicht mehr was sie alles schreiben sollen, darum dieser ganze Unsinn und Stimmungmache.
    Anstatt sie gege die Spekulanten vorgehen, schütten sie Oel ins Feuer und der Oelpreis steigt !!!
    Da kann man mal auch wieder die Lobby sehen, schreibt es wird knapp und wir anoncieren.............
    Ihr bekommt Anzeigen................
    etc. etc.
    Funktioniert doch einwandfrei, oder?
    Wenn mir jetzt einer sagt daß das nicht stimmt, der soll mir das Gegenteil beweisen.
    Diese Panikmache.......man kann es nicht mehr höhren.

    Und wo bleibt das Mitgefühl für die Natur, die Tiere und zuletzt auch wir, denn es wird verhehrende Folgen haben für unsere Weltmeere. Das wird totgeschwiegen von der Presse, denn ist ja nicht so aufregend und schockt auch nicht so wie "Oel wird kanpp und teuer".

    Wo gibt es noch gute Jornalisten frage ich mich da ????

    Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    • yato
    • 18.06.2010 um 18:47 Uhr

    Probleme werden nicht durch ignorieren gelöst.

    Wann Peak Oil war oder ist, das ist nicht das Wichtigste. Unbestritten ist die Tatsache dass wir nicht nachhaltig wirtschaften und dass das Ende von dieser Unvernunft immer näher kommt.

    Wir sollten also so schnell wie möglich auf 99% - 100% regenerative Energieversorgung umstellen. Mehr kann man dazu fast nicht sagen.

    • peku28
    • 19.06.2010 um 9:34 Uhr

    Die Jornalisten wissen ja gar nicht mehr was sie alles schreiben sollen, darum dieser ganze Unsinn und Stimmungmache.
    Anstatt sie gege die Spekulanten vorgehen, schütten sie Oel ins Feuer und der Oelpreis steigt !!!
    Da kann man mal auch wieder die Lobby sehen, schreibt es wird knapp und wir anoncieren.............
    Ihr bekommt Anzeigen................
    etc. etc.
    Funktioniert doch einwandfrei, oder?
    Wenn mir jetzt einer sagt daß das nicht stimmt, der soll mir das Gegenteil beweisen.
    Diese Panikmache.......man kann es nicht mehr höhren.

    Und wo bleibt das Mitgefühl für die Natur, die Tiere und zuletzt auch wir, denn es wird verhehrende Folgen haben für unsere Weltmeere. Das wird totgeschwiegen von der Presse, denn ist ja nicht so aufregend und schockt auch nicht so wie "Oel wird kanpp und teuer".

    Wo gibt es noch gute Jornalisten frage ich mich da ????

  2. Was im Artikel nicht erwaehnt wurde ist, dass von jedem gefoerderten Fass Oel zukuenftig ein immer groesserer Teil in die Foerderung investiert werden muss. Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. Dies verschaerft die Lage nochmals dramatisch. Man kann nun vortrefflich darueber streiten, ob Peak Oil schon erreicht ist oder nicht. Sicher ist aber, dass uns unsere Sucht nach Oel schon bald Probleme bereiten wird, wogegen uns die Finanzkrise wie ein laues Lueftchen vorkommen wird. Es wird Zeit, an den Entzug zu denken !

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    http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

    Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

    http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

    Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

  3. Wirtschaft und Politik haben gleichermassen versagt, die Bevölkerung hat viel zu lange tatenlos zugesehen und den Versprechungen der Politik/Wirtschaft geglaubt. Immer wider besseren Wissens! Das Glas ist nur noch zu 25% voll aber es kommen 75% mehr Trinker, die aus diesem Glase trinken wollen.
    Wie lange geht so etwas gut?
    Warum muss es erst immer richtig krachen, bevor gehandelt wird?
    Unsere Eliten haben schon wieder auf ganzer Linie versagt und wir Konsumenten auch!

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    • joG
    • 27.06.2010 um 16:14 Uhr

    Eine solche Meldung aus der Energiewirtschaft: http://www.angelnexus.com...

    • joG
    • 27.06.2010 um 16:14 Uhr

    Eine solche Meldung aus der Energiewirtschaft: http://www.angelnexus.com...

  4. Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    Antwort auf "Lieber Herr Vorholz"
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    Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

    Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

  5. http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

  6. Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

    Antwort auf "Lieber Herr Bernauheim"
  7. Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

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    Sollte Ihnen aber aufgefallen sein ;-)
    3,867 Mrd USD Gewinn trotz Öl-Kastastrophe
    Sie schrieben - Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. <
    Das habe ich als "Relativ" zu den Gewinnen der Mineralöl-Industrie gesehen. Die Mineralöl-Konzerne haben kein Interesse an Alternativ-Energien und die Aktionäre schon mal gar nicht. Und die großen Aktionäre sind Firmen und Banken. Und diese wiederum haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung ... usw usw

    Sollte Ihnen aber aufgefallen sein ;-)
    3,867 Mrd USD Gewinn trotz Öl-Kastastrophe
    Sie schrieben - Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. <
    Das habe ich als "Relativ" zu den Gewinnen der Mineralöl-Industrie gesehen. Die Mineralöl-Konzerne haben kein Interesse an Alternativ-Energien und die Aktionäre schon mal gar nicht. Und die großen Aktionäre sind Firmen und Banken. Und diese wiederum haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung ... usw usw

  8. Sorry, aber einem Tony Hayward glaube ich einfach lieber, als den Geologen, Herr Vorholz. Auch ein Geologe kann nicht in die Tiefen des Gesteins blicken, aber Ölgesellschaften sind die Praktiker.
    Bislang die lautet die akzeptierte Markt-Doktrin "ein knapper Stoff ist teurer" - warum sollten sich die Ölgesellschaften also auf diese Art selbst das Geschäft schlecht reden??? Erklären ließe sich das nur, wenn man damit sagen möchte, dass Konzeren so die Suche nach Alternativen behindern wollen.
    "Out-of-the-box"-Denken ist hier ganz sicher gefragt. Sehen Sie sich mal diese Motoren an: http://quanthomme.free.fr...
    http://www.break.com/user...
    Es handelt sich um praktische Realisationen von zu 80% mit Wasser angetriebenen Motoren... und warum forscht daran keine Uni? Weil die Not offenbar einfach noch nicht groß genug ist.

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    • ddkddk
    • 18.06.2010 um 19:07 Uhr

    Da sind Sie womöglich der einzige Mensch der Welt und können demnächst mit seinem Dankbrief rechnen.

    • ddkddk
    • 18.06.2010 um 19:07 Uhr

    Da sind Sie womöglich der einzige Mensch der Welt und können demnächst mit seinem Dankbrief rechnen.

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