Ölmarkt Welt ohne StoffSeite 3/3

Selbst IEA-Experten wie Fatih Birol, die jahrelang von bevorstehender Ölknappheit nichts wissen wollten, gehen deshalb mittlerweile davon aus, dass in nur rund zehn Jahren peak oil eintritt; das Fördermaximum wäre dann erreicht. In der zweiten Halbzeit des Ölzeitalters ginge es nur noch bergab. Die Bundesanstalt für Rohstoffe (BGR) rechnet mit dem gefährlichen Wendepunkt schon vom Jahr 2015 an. Nach der Katastrophe im Golf, meint der Ölexperte Bukold, könnte es sogar noch ein Jahr früher sein. Also praktisch morgen.

Und dann? Wenn die Skeptiker recht behalten, wird es beim Ölpreis kein Halten mehr geben, denn ein Ersatz für Öl ist nicht in Sicht. Fast 150 Dollar pro Fass a 159 Liter mussten im Sommer 2008 schon gezahlt werden. Experten wie der auf Energiegeschäfte spezialisierte Bankier Matthew Simmons aus Houston in Texas halten in Zukunft Preise von 300 Dollar und mehr für möglich.

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Autofahren würde dann zum Luxus – und ganz ohne ihr Zutun würde sich eine Forderung erfüllen, mit der die deutschen Grünen vor zwölf Jahren Schlagzeilen machten: Der Liter Benzin solle binnen zehn Jahren 5 Mark kosten, forderten sie damals.

Benzin aus Kohle? Benzin aus Mais? Immer leidet die Umwelt

Das meiste Öl wird auf der ganzen Welt im Verkehrssektor verbraucht, und dort ist es kurzfristig praktisch nicht ersetzbar. Der Rohstoff zur Erzeugung von Benzin, Diesel oder Kerosin lässt sich zwar auch aus ölhaltigem Sand oder Schiefergestein gewinnen; das ist aber eine sehr schmutzige und aufwendige Angelegenheit. Unterm Strich ist es ökologischer Nonsens.

Noch schlimmer für die Umwelt wäre es, größere Mengen Kraftstoff aus Kohle herzustellen. Nicht nur müsste die weltweite Kohleförderung dann deutlich ausgeweitet werden; weil bei der Kohleverflüssigung extrem viel Kohlendioxid entsteht, müsste die Politik sich obendrein wohl endgültig von ihrem Bemühen verabschieden, die Erderwärmung zu bremsen.

Wie man es auch dreht und wendet: Schnell und problemlos lässt sich Erdöl durch nichts ersetzen.

Nicht einmal durch Biokraftstoff ? Selbst dieser kann Umweltkatastrophen auslösen. Wie ein solches Desaster aussehen könnte, ließ sich ausgerechnet am Golf von Mexiko erahnen, schon bevor dort die gegenwärtige Ölpest ausbrach: Vor dem Untergang der Deepwater Horizon war in dem Gewässer eine Fläche ungefähr so groß wie Rheinland-Pfalz biologisch tot – wegen Überdüngung. Der Mississippi schwemmt jedes Jahr riesige Mengen Stickstoffverbindungen von den Maisfeldern des Mittleren Westens in den Golf. Dort fördert der Dünger das Wachstum von Algen. Sterben sie nach einiger Zeit wieder ab, wird Sauerstoff verbraucht, der Fischen und anderen Meeresorganismen fehlt.

Biosprit wird in den Vereinigten Staaten hauptsächlich aus Mais gewonnen. Amerikanisches Recht verlangt, die Biosprit- und damit auch die Maisproduktion enorm auszuweiten, sodass die resultierende »Todeszone« in Zukunft wohl noch wachsen wird. Die US-Energiepolitik mache es praktisch unmöglich, das Problem zu lösen, sagt der kanadische Naturwissenschaftler Simon Donner, der die Angelegenheit untersucht hat.

Tatsächlich sehen viele Experten nur einen Weg, um die nahende Ölkrise erträglicher zu machen: weniger verbrauchen. Elektroautos kommen zwar ganz ohne Öl aus, sind aber eine Technik erst für die fernere Zukunft. Seit Langem ist jedoch bekannt, wie sich herkömmliche Autos deutlich sparsamer machen lassen. Das größte Potenzial dafür besteht in Amerika; Benzin wird dort nach wie vor fast gar nicht besteuert, und die Autos fahren entsprechend ineffizient.

Präsident Barack Obama, der sich gerade so vehement mit BP anlegt , bräuchte auch nur einmal einen Blick nach Europa oder nach Japan zu werfen. Dort müssen sich neue Autos mit rund einem Drittel weniger Sprit begnügen als in den USA. Das ist immer noch viel zu viel, aber dorthin zu gelangen wäre für die USA ein gewaltiger Fortschritt. Und ein Zeichen, dass sie aus dem BP-Desaster vor der eigenen Südküste etwas gelernt hätten.

 
Leser-Kommentare
  1. sollten wir nicht endlich aufhören, Krisen herbei zu reden?
    Ist es wieder soweit für eine Endzeitstimmung? Und schon wieder das Wort "Zuwachs". Ich kann es langsam nicht mehr hören. Die meisten herbei geredeten Katastrophen haben sich in Nichts aufgelöst. Die einzige echte Katastrophe ist die jetzige unvorstellbare Ölverschmutzung. Alles andere wird sich ergeben wenn es soweit ist (sagte schon Adenauer: Mer sinn dat wenn et soweit is).

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    Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    • yato
    • 18.06.2010 um 18:47 Uhr

    Probleme werden nicht durch ignorieren gelöst.

    Wann Peak Oil war oder ist, das ist nicht das Wichtigste. Unbestritten ist die Tatsache dass wir nicht nachhaltig wirtschaften und dass das Ende von dieser Unvernunft immer näher kommt.

    Wir sollten also so schnell wie möglich auf 99% - 100% regenerative Energieversorgung umstellen. Mehr kann man dazu fast nicht sagen.

    • peku28
    • 19.06.2010 um 9:34 Uhr

    Die Jornalisten wissen ja gar nicht mehr was sie alles schreiben sollen, darum dieser ganze Unsinn und Stimmungmache.
    Anstatt sie gege die Spekulanten vorgehen, schütten sie Oel ins Feuer und der Oelpreis steigt !!!
    Da kann man mal auch wieder die Lobby sehen, schreibt es wird knapp und wir anoncieren.............
    Ihr bekommt Anzeigen................
    etc. etc.
    Funktioniert doch einwandfrei, oder?
    Wenn mir jetzt einer sagt daß das nicht stimmt, der soll mir das Gegenteil beweisen.
    Diese Panikmache.......man kann es nicht mehr höhren.

    Und wo bleibt das Mitgefühl für die Natur, die Tiere und zuletzt auch wir, denn es wird verhehrende Folgen haben für unsere Weltmeere. Das wird totgeschwiegen von der Presse, denn ist ja nicht so aufregend und schockt auch nicht so wie "Oel wird kanpp und teuer".

    Wo gibt es noch gute Jornalisten frage ich mich da ????

    Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    • yato
    • 18.06.2010 um 18:47 Uhr

    Probleme werden nicht durch ignorieren gelöst.

    Wann Peak Oil war oder ist, das ist nicht das Wichtigste. Unbestritten ist die Tatsache dass wir nicht nachhaltig wirtschaften und dass das Ende von dieser Unvernunft immer näher kommt.

    Wir sollten also so schnell wie möglich auf 99% - 100% regenerative Energieversorgung umstellen. Mehr kann man dazu fast nicht sagen.

    • peku28
    • 19.06.2010 um 9:34 Uhr

    Die Jornalisten wissen ja gar nicht mehr was sie alles schreiben sollen, darum dieser ganze Unsinn und Stimmungmache.
    Anstatt sie gege die Spekulanten vorgehen, schütten sie Oel ins Feuer und der Oelpreis steigt !!!
    Da kann man mal auch wieder die Lobby sehen, schreibt es wird knapp und wir anoncieren.............
    Ihr bekommt Anzeigen................
    etc. etc.
    Funktioniert doch einwandfrei, oder?
    Wenn mir jetzt einer sagt daß das nicht stimmt, der soll mir das Gegenteil beweisen.
    Diese Panikmache.......man kann es nicht mehr höhren.

    Und wo bleibt das Mitgefühl für die Natur, die Tiere und zuletzt auch wir, denn es wird verhehrende Folgen haben für unsere Weltmeere. Das wird totgeschwiegen von der Presse, denn ist ja nicht so aufregend und schockt auch nicht so wie "Oel wird kanpp und teuer".

    Wo gibt es noch gute Jornalisten frage ich mich da ????

  2. Was im Artikel nicht erwaehnt wurde ist, dass von jedem gefoerderten Fass Oel zukuenftig ein immer groesserer Teil in die Foerderung investiert werden muss. Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. Dies verschaerft die Lage nochmals dramatisch. Man kann nun vortrefflich darueber streiten, ob Peak Oil schon erreicht ist oder nicht. Sicher ist aber, dass uns unsere Sucht nach Oel schon bald Probleme bereiten wird, wogegen uns die Finanzkrise wie ein laues Lueftchen vorkommen wird. Es wird Zeit, an den Entzug zu denken !

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    http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

    Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

    http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

    Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

  3. Wirtschaft und Politik haben gleichermassen versagt, die Bevölkerung hat viel zu lange tatenlos zugesehen und den Versprechungen der Politik/Wirtschaft geglaubt. Immer wider besseren Wissens! Das Glas ist nur noch zu 25% voll aber es kommen 75% mehr Trinker, die aus diesem Glase trinken wollen.
    Wie lange geht so etwas gut?
    Warum muss es erst immer richtig krachen, bevor gehandelt wird?
    Unsere Eliten haben schon wieder auf ganzer Linie versagt und wir Konsumenten auch!

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    • joG
    • 27.06.2010 um 16:14 Uhr

    Eine solche Meldung aus der Energiewirtschaft: http://www.angelnexus.com...

    • joG
    • 27.06.2010 um 16:14 Uhr

    Eine solche Meldung aus der Energiewirtschaft: http://www.angelnexus.com...

  4. Vielleicht kennen Sie folgende Studie noch nicht:

    http://www.feasta.org/doc...

    Mit Adenauer kommen wir diesbezüglich wirklich nicht weiter.

    Antwort auf "Lieber Herr Vorholz"
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    Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

    Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

  5. http://www.spiegel.de/wir...
    > London - Der britische Ölkonzern BP teilte heute mit, dass der Überschuss aufgrund sinkender Gaspreise, von Produktionsausfällen sowie niedrigerer Margen im Raffinerie-Geschäft von 6,231 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 4,406 Milliarden Dollar eingebrochen sei. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten verringerte sich um 45 Prozent auf 3,867 Milliarden Dollar. <
    Was sind schon 3,867 Dollar? Peanats?
    Rechnen Sie noch mal nach.

  6. Aber es macht keinen Sinn, basierend auf dem BP-Desaster eine solche Katastrophen-Stimmung zu erzeugen. Die jetzige tatsächliche Katastrophe, wie schon gesagt, ist eine Ölverschmutzung unvorstellbaren Ausmaßes und das wird kleingeredet oder mindestens verharmlost. Die betroffenen Regionen machen 40% der Feuchtgebiete der USA aus. Wenn denn also das wirklich verseucht wird dann wird es Einfluss auf das Klima haben. Swamps und Mangroven-Wälder können nicht gereinigt werden. Und das ist jetzt aktuell. Genau das habe ich mit Adenauer gemeint. Beschäftigung wir uns zunächst mit dem Jetzt.

    Antwort auf "Lieber Herr Bernauheim"
  7. Tut mir leid, aber bis jetzt bleibt mir der Zusammenhang verborgen.

    Naja 3,867 Dollar fuer ein paar Erdnuesse sind schon recht happig :-)

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    Sollte Ihnen aber aufgefallen sein ;-)
    3,867 Mrd USD Gewinn trotz Öl-Kastastrophe
    Sie schrieben - Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. <
    Das habe ich als "Relativ" zu den Gewinnen der Mineralöl-Industrie gesehen. Die Mineralöl-Konzerne haben kein Interesse an Alternativ-Energien und die Aktionäre schon mal gar nicht. Und die großen Aktionäre sind Firmen und Banken. Und diese wiederum haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung ... usw usw

    Sollte Ihnen aber aufgefallen sein ;-)
    3,867 Mrd USD Gewinn trotz Öl-Kastastrophe
    Sie schrieben - Von einem gefoerderten Fass bleibt dann ein immer kleiner werdender Bruchteil zur anderweitigen Nutzung uebrig. <
    Das habe ich als "Relativ" zu den Gewinnen der Mineralöl-Industrie gesehen. Die Mineralöl-Konzerne haben kein Interesse an Alternativ-Energien und die Aktionäre schon mal gar nicht. Und die großen Aktionäre sind Firmen und Banken. Und diese wiederum haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung ... usw usw

  8. Sorry, aber einem Tony Hayward glaube ich einfach lieber, als den Geologen, Herr Vorholz. Auch ein Geologe kann nicht in die Tiefen des Gesteins blicken, aber Ölgesellschaften sind die Praktiker.
    Bislang die lautet die akzeptierte Markt-Doktrin "ein knapper Stoff ist teurer" - warum sollten sich die Ölgesellschaften also auf diese Art selbst das Geschäft schlecht reden??? Erklären ließe sich das nur, wenn man damit sagen möchte, dass Konzeren so die Suche nach Alternativen behindern wollen.
    "Out-of-the-box"-Denken ist hier ganz sicher gefragt. Sehen Sie sich mal diese Motoren an: http://quanthomme.free.fr...
    http://www.break.com/user...
    Es handelt sich um praktische Realisationen von zu 80% mit Wasser angetriebenen Motoren... und warum forscht daran keine Uni? Weil die Not offenbar einfach noch nicht groß genug ist.

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    • ddkddk
    • 18.06.2010 um 19:07 Uhr

    Da sind Sie womöglich der einzige Mensch der Welt und können demnächst mit seinem Dankbrief rechnen.

    • ddkddk
    • 18.06.2010 um 19:07 Uhr

    Da sind Sie womöglich der einzige Mensch der Welt und können demnächst mit seinem Dankbrief rechnen.

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