Ein Mensch brennt. "Ich würde gern wissen, wie das ist", sagt der 14-jährige Jonny, "Feuer auf der Haut. Aber ohne zu sterben." Ein ganzer Körper in Flammen. Jonny langweilt sich. Denn hier brennt nur ein Modell.

Besuch bei einer der größten Feuerwehrmessen der Welt, der Interschutz. Sie nennt sich "Weltleitmesse", was wenig Sinn ergibt, aber gut klingt. 150.000 Feuerwehrleute aus ganz Europa in Leipzig, Lebensretter-Action in fünf Messehallen und auf dem Hof. Heißer Dampf aus der Nebelmaschine "Etna". Feuershows und brandneue Technik, Sirenen und Bier. Ein Volksfest.

Irgendwo dazwischen will die Jugendfeuerwehr Weixdorf, angeführt vom 52 Jahre alten Kameraden und Jugendwart Volker Jähnig, genannt Volki, und seiner Ehefrau Karin, 53, Helden und Attraktionen sehen. "Das schweißt zusammen. Denn unsere Kinder", sagt Jähnig, "sollen irgendwann zusammen ins Feuer gehen."

"Wir Weixdorfer mögen Events", meint Karin Jähnig, im Feuerwehr-Shirt wie ihr Mann. Weshalb sie, zum Beispiel, gern zu Brandschutzübungen fahren, um sich bergen zu lassen. "Volki", sagt sie, "ist dann der Familienpapa, und die Jugendlichen spielen seine Kinder, die man rettet."

Die Reisegruppe aus Weixdorf bewegt sich durch eine Messe der Skurrilitäten. Am Stand des Deutschen Feuerwehrversandes kann man beim großen Preisausschreiben einen Defibrillator gewinnen. Das "Feuerwehrhotel" in Brandenburg (Havel) wirbt für sein "112-Wochenende" – "nötige Ausrüstung: Brand und Firelaune". Die Feuerwehr-Unfallkassen suchen die schnellste Ausrückzeit. Und die Bundeswehr verlost unter jungen Feuerwehrleuten einen fünftägigen Aufenthalt beim Heer.

Wir müssen mehr Migrantenkinder gewinnen, sagt die Kanzlerin

Doch es gibt auch einen großen, übergeordneten Gedanken. Ein echtes Problem. Es hat auch mit den Weixdorfern zu tun, mit allen Jugendfeuerwehren des Landes. Die Interschutz läuft parallel zum Deutschen Feuerwehrtag. Einem Forum für Zukunftsfragen, besucht von Brandbekämpfern aus der ganzen Republik, veranstaltet einmal in zehn Jahren. Die größte Zukunftsfrage ist diesmal die Feuerwehr selbst. Die Feuerwehren sind alarmiert. Denn sie trocknen langsam aus.

"Ich sage es ganz klar", beschwört Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), es ist seine Eröffnungsrede, "angesichts des demografischen Wandels werden wir mit Personalmangel bei den Feuerwehren zu kämpfen haben." Fehlender Nachwuchs und Abwanderung bedrohen das Feuerwehr-System. "Wir brauchen junge Leute. Wir brauchen Mädchen und Jungen", sagt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) drei Tage später. "Wenn wir an den demografischen Wandel denken", erklärt schließlich Kanzlerin Angela Merkel, die die Messe am Freitagmorgen besucht, "dann wird es noch wichtiger, Kinder mit Migrationshintergrund zu gewinnen." 

"Die Jugendfeuerwehren sind unser großes Pfund", sagt Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Das große Pfund wird kleiner. In Sachsen stehen den 49.000 erwachsenen Kameraden nur 10500 Feuerwehrjugendliche gegenüber. Plötzlich muss die Feuerwehr über Marketing nachdenken, über Kampagnen und Markenbildung, Zielgruppen und Entertainment, sie muss sich fragen, was sie noch wert ist in einer Zeit, da Jugendliche sich überall die Zeit vertreiben wollen, aber nicht unbedingt im Gerätekundeunterricht der FFW Oberoderwitz.