Zuse war kein NSDAP-Mitglied, aber ein Nutznießer
Konrad Zuse entkommt dem brennenden Berlin im letzten Moment. Im März 1945 schafft er es, mit der Bahn und später mit einem Lastwagen zunächst aus Berlin heraus und dann durch das zerstörte Deutschland bis ins Allgäu zu gelangen. All dies ebenfalls mit Förderung und Unterstützung aus höchsten Kreisen. »Er war sicherlich kein Widerstandskämpfer«, urteilt der Historiker Petzold, der viele Dokumente aus der NS-Zeit ausgewertet hat, heute. »Er hat seine Erfindung für den deutschen Endsieg eingesetzt, bis in die letzten Kriegstage hinein.«
Konrad Zuse machte daraus in seinen Lebenserinnerungen von 1970 keinen Hehl. Auch wenn er sich in weiten Teilen bedeckt gab, was die Jahre zwischen 1933 und 1945 angeht, so heißt es dort doch: »Es gehört sich heute zu betonen, dass man Gegner des Naziregimes gewesen sei. Ich war zwar kein ›Nazi‹; aber ich bekenne offen, dass ich angesichts des Bombenkrieges auf die deutsche Zivilbevölkerung meine Aufgabe nicht gerade darin sah, die Bemühungen um den Bau von Flugabwehrraketen zu sabotieren. Ähnlich dachten meine Kollegen…«
Nach bisheriger Kenntnis war Konrad Zuse kein Mitglied der NSDAP. Doch er war ein Nutznießer, er konnte auf Protektion und auf Gönner in hohen Kreisen bauen. Und der Archivleiter Wilhelm Füßl, der im Deutschen Museum in München den Nachlass Konrad Zuses betreut, unterstreicht sogar die besondere und nicht unbedingt rühmenswerte Bedeutung Berlins für den Computerpionier. Zuse habe, urteilt Füßl, mit seinem Standort Berlin »einen enormen Vorteil« gehabt. Es gab kurze Wege zu Reichsbehörden, die Flugzeugindustrie und das Militär ermöglichten viele Aufträge. »Die militärischen Entwicklungen, die Zuse mit der Gleitflugbombe machte«, sagt Füßl, »waren nur möglich in einem militärischen, vielleicht auch in einem Kriegszusammenhang.«
Mit dem Untergang des Hitlerregimes ging auch Zuses vollautomatischer Rechner mit Speicher unter. Der Berliner Ingenieur war den Amerikanern um Jahre voraus, aber eine Erfindung aus dem »Dritten Reich« hatte nach Kriegsende keine Chance in der Welt. Konrad Zuse war nicht so wendig wie der Raketenfachmann Wernher von Braun, der zur Nasa ging. Zuse blieb in Deutschland, tüftelte weiter, gründete in den fünfziger Jahren die erste und seinerzeit einzige Computerfirma in Deutschland, erlitt damit Mitte der sechziger Jahre jedoch Schiffbruch. Mit den immensen finanziellen Anstrengungen US-amerikanischer Forschung konnte er nicht mithalten, erst im hohen Alter wurde er geehrt. Im Dezember 1995 starb Konrad Zuse mit 85 Jahren.
Es war Zuses Tragik, zur falschen Zeit eine bahnbrechende Erfindung gemacht zu haben. Will man ihn aber heute zum blütenweißen Vorzeigedeutschen machen, dann nimmt man es mit der Geschichte nicht so genau.
Der Autor hat für NDR Kultur ein einstündiges Hörfunkfeature verfasst, das am 22. Juni um 20.00 Uhr gesendet wird
- Datum 22.06.2010 - 06:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.06.2010 Nr. 25
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Den Konrad schreibt man noch immer mit K.
Liebe(r) flusser,
Danke für den Hinweis auf den Fehler in der Spitzmarke. Er wurde korrigiert.
Grüße aus der Redaktion
Liebe(r) flusser,
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Grüße aus der Redaktion
Sehr geehrter Herr Stefan Berkholz,
was soll uns dieser Artikel sagen? Ich empfinde ihn ziemlich übel.
> 1941 befindet sich die Welt mitten im Krieg. Im Juni rückt die Wehrmacht gegen die Sowjetunion vor. Zuse darf unbeirrt weiterbasteln, inmitten von Terror und Sirenen. <
Sie haben sich jemanden herausgesucht und offensichtlich übersehen, dass genau das, bis auf ganz wenige Ausnahmen, alle Wirtschaftsunternehmen und Forscher getan haben. Und was ist übrigens mit den Unternehmen, die Waffen und Flugzeuge für den Krieg entwickelt haben? Berichten Sie darüber. Das macht mehr Sinn als über Zuse solche Dinge zu verbreiten, der nur eine Rechenmaschine erfunden hat.
Er war nun mal Deutscher und hat als solcher in seinem Land Forschung betrieben, so wie es andere auch getan haben oder hätten.
Finde es immer wieder erstaunlich, wie so getan wird, als hätte es eine wirklich freie Wahl der Seiten gegeben und die Tätigkeit für das eigene Land sei in Wahrheit eine Entscheidung für das jeweils herrschende Regime gewesen.
er erspart mir einen eigenen. Ich finde es auch erstaunlich, einem Menschen "Verstrickung" vorzuwerfen, der einfach nur versucht in schwieriger Zeit seinen Weg zu gehen, bzw. schlicht zu überleben. Welche Alternativen hatten denn Leute wie Zuse, Heisenberg und überhaupt der ganze Rest?
Dabei muss man auch bedenken, dass wir heute aus der Position der Wissenden urteilen. Zu Kriegsbeginn stand ja gar nicht fest, wie das "Abenteuer" ausgeht und auch die Greultaten lagen nicht so offen zu Tage, wie wir sie uns heute in den Gedenkstätten anschauen können.
er erspart mir einen eigenen. Ich finde es auch erstaunlich, einem Menschen "Verstrickung" vorzuwerfen, der einfach nur versucht in schwieriger Zeit seinen Weg zu gehen, bzw. schlicht zu überleben. Welche Alternativen hatten denn Leute wie Zuse, Heisenberg und überhaupt der ganze Rest?
Dabei muss man auch bedenken, dass wir heute aus der Position der Wissenden urteilen. Zu Kriegsbeginn stand ja gar nicht fest, wie das "Abenteuer" ausgeht und auch die Greultaten lagen nicht so offen zu Tage, wie wir sie uns heute in den Gedenkstätten anschauen können.
Es sind solche Schreiber wie Sie Herr Berkholz, die mich immer wieder erneut an der Reputation dieser Zeitung zweifeln lassen.
Wen stellen Sie denn in weiteren Artikeln an den Pranger, Albert Schweitzer, Albert Einstein o.ä. ??
Anstatt jeden Wissenschaftler auf eine Soap herunterzubrechen, die bei seinem Alter irgendwo das Schreckgespenst Drittes Reich nachweist, wäre ich dankbar für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ideen und Schriften von berühmten Wissenschaftler. Zuse war nicht bloß Techniker.
Er untersuchte Fragen der Digitalität (Abzählbarkeit von Unendlichkeiten), Kontuinität, Kausalität und Information.
In solchen Beiträgen bestätigt sich vielmehr, dass Die Zeit nicht von gängigen Massenmedien wie Bild, taz oder SZ zu unterscheiden ist. Auch dort wird alles auf emotionale Schicksalsmomente heruntergebrochen.
Aber ich erinnere mich eines Beitrags von (ich glaube) Joffe, der sich darüber beschwerte, dass Politiker nach ihrer emotionalen Verfassung, anstatt politischen Aussagen oder Errungenschaften interviewt werden. Ich vermute, in beiden Fällen, also im Falle des Wissenschaftlers und Politikers, gibt der Journalist preis, dass er kein Interesse am oder Wissen über den Gegenstand hat, den er bespricht. Wahrscheinlich überfordert es ihn. Was nicht schlimm ist. Seine Leistungen sind andere. Dann aber sollte die Redaktion, meine Meinung, ruhig Wissenschaftler oder Politiker, um nicht in diese peinliche Für-Sie-Emotions-Klamotte abzurutschen. Den Lesern wäre damit gewiss auch etwas geholfen.
Liebe(r) flusser,
Danke für den Hinweis auf den Fehler in der Spitzmarke. Er wurde korrigiert.
Grüße aus der Redaktion
Der eine Leserbrief-Revisionist heult wieder das alte Lied der "sie-mußten-doch"-Entschuldiger, der andere hält historische Fakten für Emotions-Klamotten.Ins Stammbuch der ewig Verdrängenden: Hundertausende deutsche Wissenschaftler & Intellektuelle haben das faschistische Deutschland verlassen, Millionen Dienst nach Vorschrift ,heimliche Sabotage betrieben oder zumindest wache Augen& Ohren behalten.Das noch 65 Jahre nach dem Tag der Befreiung von Krieg & Hitlerfaschismus die Verantwortung & damit Schuld von Wissenschaftlern negiert wird ist schon ein starkes Stück Deutschland.
Diejenigen die Deutschland verlassen haben, waren oft diejenigen, die politisch oder rassisch verfolgt wurden. Wären sie nicht rassisch verfolgt worden oder hätte ein ihnen genehmeres Regime geherrscht (das vielleicht nicht minder totalitär gewesen wäre), dann hätten wahrscheinlich die meisten auch kein Problem damit gehabt, in ihrem bzw. für ihr Land zu forschen. Selbst wenn ansonsten vieles gleich gewesen wäre.
Weil das halt das normale ist, solange man nicht regelrecht rausgeekelt wird! Aber dann kann man nicht anderen den Vorwurf machen, dass sie geblieben sind und geforscht haben.
Diejenigen, die tatsächlich Sabotage getrieben haben, können sich übrigens gratulieren. Möchte nicht wissen, wie viele normale Landsleute sie auf dem Gewissen haben. Und als wenn es nur gegen den "Hitlerfaschismus" (sagt man das immer noch?) gegangen wäre.
Der Andere weist Sie gern auf ein Beispiel hin. Sehen Sie hier:
http://www.zeit.de/auto/2...
Der Beitrag strotzt vor Zahlen und Fakten, weil keine aufwändige Interpretation nötig ist. Bei wiss. Beiträgen ist es üblich, dass sie auf Emotionen oder Betroffenheit heruntergebrochen werden, da das günstiger ist. Immerhin kann man auch keinem Journalisten vorwerfen, dass er kein Wissenschaftler ist. Nur, dass er keine Wissenschaftler konsultiert, um neue Erkenntnisse zu vermitteln, schon.
Angenommen, Sie entdecken nicht das iPad oder ein neues Auto, sondern eine neue Theorie, welche die Wissenschaft maßgeblich beeinflusst. Soll man Sie wirklich auf den kleinsten Nenner, die Emotion, herunterbrechen, und zwar jedes Mal, sobald man von Ihnen zu einem großen Publikum spricht? So etwas nennt man auch Kitsch, Soap, weil es wie eine Limonade wirkt.
Gegen Erinnerungen an das Dritte Reich spricht nichts. Im Gegenteil. Nur, es ist öde, einfach und schade, wenn die Errungenschaften einer großen Person auf Hitler heruntergebrochen werden. Anstatt sich mit interessanten wiss. Ideen zu beschäftigen, lesen Sie, was überall steht.
Fachzeitschriften sind professioneller. Sie erwähnen diesen Umstand, reiten darauf aber nicht wie Die Zeit herum. Diese Zeitschriften nehmen sie auch die Zeit für Zuses Erkenntnisse, beispielsweise die Frage, warum Computer Unendlichkeiten nur symbolisch, aber nicht faktisch berechnen können, da nichts und niemand die Unendlichkeit zählen kann.
Diejenigen die Deutschland verlassen haben, waren oft diejenigen, die politisch oder rassisch verfolgt wurden. Wären sie nicht rassisch verfolgt worden oder hätte ein ihnen genehmeres Regime geherrscht (das vielleicht nicht minder totalitär gewesen wäre), dann hätten wahrscheinlich die meisten auch kein Problem damit gehabt, in ihrem bzw. für ihr Land zu forschen. Selbst wenn ansonsten vieles gleich gewesen wäre.
Weil das halt das normale ist, solange man nicht regelrecht rausgeekelt wird! Aber dann kann man nicht anderen den Vorwurf machen, dass sie geblieben sind und geforscht haben.
Diejenigen, die tatsächlich Sabotage getrieben haben, können sich übrigens gratulieren. Möchte nicht wissen, wie viele normale Landsleute sie auf dem Gewissen haben. Und als wenn es nur gegen den "Hitlerfaschismus" (sagt man das immer noch?) gegangen wäre.
Der Andere weist Sie gern auf ein Beispiel hin. Sehen Sie hier:
http://www.zeit.de/auto/2...
Der Beitrag strotzt vor Zahlen und Fakten, weil keine aufwändige Interpretation nötig ist. Bei wiss. Beiträgen ist es üblich, dass sie auf Emotionen oder Betroffenheit heruntergebrochen werden, da das günstiger ist. Immerhin kann man auch keinem Journalisten vorwerfen, dass er kein Wissenschaftler ist. Nur, dass er keine Wissenschaftler konsultiert, um neue Erkenntnisse zu vermitteln, schon.
Angenommen, Sie entdecken nicht das iPad oder ein neues Auto, sondern eine neue Theorie, welche die Wissenschaft maßgeblich beeinflusst. Soll man Sie wirklich auf den kleinsten Nenner, die Emotion, herunterbrechen, und zwar jedes Mal, sobald man von Ihnen zu einem großen Publikum spricht? So etwas nennt man auch Kitsch, Soap, weil es wie eine Limonade wirkt.
Gegen Erinnerungen an das Dritte Reich spricht nichts. Im Gegenteil. Nur, es ist öde, einfach und schade, wenn die Errungenschaften einer großen Person auf Hitler heruntergebrochen werden. Anstatt sich mit interessanten wiss. Ideen zu beschäftigen, lesen Sie, was überall steht.
Fachzeitschriften sind professioneller. Sie erwähnen diesen Umstand, reiten darauf aber nicht wie Die Zeit herum. Diese Zeitschriften nehmen sie auch die Zeit für Zuses Erkenntnisse, beispielsweise die Frage, warum Computer Unendlichkeiten nur symbolisch, aber nicht faktisch berechnen können, da nichts und niemand die Unendlichkeit zählen kann.
Diejenigen die Deutschland verlassen haben, waren oft diejenigen, die politisch oder rassisch verfolgt wurden. Wären sie nicht rassisch verfolgt worden oder hätte ein ihnen genehmeres Regime geherrscht (das vielleicht nicht minder totalitär gewesen wäre), dann hätten wahrscheinlich die meisten auch kein Problem damit gehabt, in ihrem bzw. für ihr Land zu forschen. Selbst wenn ansonsten vieles gleich gewesen wäre.
Weil das halt das normale ist, solange man nicht regelrecht rausgeekelt wird! Aber dann kann man nicht anderen den Vorwurf machen, dass sie geblieben sind und geforscht haben.
Diejenigen, die tatsächlich Sabotage getrieben haben, können sich übrigens gratulieren. Möchte nicht wissen, wie viele normale Landsleute sie auf dem Gewissen haben. Und als wenn es nur gegen den "Hitlerfaschismus" (sagt man das immer noch?) gegangen wäre.
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