Wenn man einen verdammten Traum hat, darf man nie aufhören, an ihn zu glauben. Darum geht es doch im Leben. Träume sind unser Treibstoff. Sie haben uns in den Weltraum gebracht. Ohne Träume gäbe es keine Musik, keine Filme und keine Bücher.

Als ich in Birmingham aufwuchs, hatte ich nicht viel mehr als meine Träume, wir waren sehr arm. Damals habe ich die Beatles bewundert wie so ziemlich alle Jungs zu der Zeit. Ich träumte davon, einer von ihnen zu sein. Ich habe Paul mittlerweile kennengelernt, klasse Typ. Ohne die Träume, die er und die anderen Beatles in mir geweckt haben, würde ich vielleicht heute noch in einer schäbigen Bude in Birmingham herumhängen und mich am Arsch kratzen.

In meinem Leben sind fast alle Träume wahr geworden, ich darf mich nicht beschweren. Okay, einige Albträume auch, aber das gehört wohl dazu. Ein beruflicher Traum bleibt – ich hatte bisher nie ein Nummer-eins-Album. Das würde ich gerne noch schaffen, ein ziemlich gieriger Traum, zugegeben.

Ein großer privater Traum wird wohl unerfüllt bleiben: Ich wünsche mir, richtig lesen zu können. Seit meiner Kindheit leide ich an Dyslexie und am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, es fällt mir extrem schwer, auch nur wenige Sätze zu lesen. Dabei liebe ich Bücher – meine Bibliothek ist voll bis unter die Decke. Ich besitze zahlreiche Erstausgaben, auf die ich sehr stolz bin, Charles Dickens zum Beispiel oder William Shakespeare. Eine gute Investition, auch wenn ich sie nicht alle lesen kann.

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

In meiner Kindheit waren die Diagnosen Dyslexie und ADS kaum bekannt, vielen meiner Lehrer galt ich einfach als faul. Aber schon damals entdeckte ich meine Begeisterung für Bücher. Bei einem Gedichtwettbewerb an meiner Schule wurde ich trotz meiner Lesestörung Zweiter und bekam als Preis ein Buch, »Die Ritter der Tafelrunde«. Ich war unglaublich stolz und glücklich, es war meine erste Auszeichnung! Das Buch war lange mein wertvollster Besitz.

Mittlerweile bekomme ich Medikamente, und manchmal, sehr selten, gibt es kostbare Momente, in denen es besser wird. Es ist, als würde ein Schalter in meinem Gehirn umgelegt – für kurze Zeit fällt es mir leichter, Wörter und Sätze zu erkennen. Dann lese ich wie verrückt, Geschichtsbücher, Musikbücher, Romane, meist nur einige Seiten, so viel ich eben schaffe, bis der Moment vorübergeht, die Buchstaben vor meinen Augen sich wieder in Hieroglyphen verwandeln und das Lesen unmöglich wird.

Ich genieße es, während des Lesens nicht in meinem Kopf leben zu müssen. Der ist kein sehr angenehmer Ort. Seit meiner Kindheit werde ich von Ängsten gepeinigt. Ich bin der geborene Pessimist, ich denke dauernd darüber nach, was alles schiefgehen kann, und erwarte ständig, zu scheitern und alles zu verlieren. Vielleicht sind es aber genau diese Ängste, die mich immer weitermachen lassen.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Auch in seiner Autobiografie "Ozzy" beschreibt Osbourne, wie die Dyslexie seine Schulzeit erschwert hat. Lesen Sie hier einen Ausschnitt