Irakkrieg Ian Fisher zieht in den Krieg
Mit 17 beschließt er, Soldat der U.S. Army zu werden, er will in den Irak. Die härtesten Kämpfe führt Ian Fisher in den folgenden zwei Jahren mit sich selbst
Es begann mit einer Frage, die sich ein paar Kollegen der amerikanischen Tageszeitung Denver Post stellten, als sie nach getaner Arbeit, spätabends, noch etwas palaverten: »Wer geht in solchen Zeiten noch freiwillig zur Armee?«
Es war das Frühjahr 2007, aus dem Irak kamen täglich Horrornachrichten: Selbstmordanschläge, verunglückte Militäraktionen, verwundete und getötete Zivilisten und Soldaten. Ein Desaster ohne erkennbaren Ausweg, auf allen Nachrichtenkanälen wurden Vergleiche mit dem Vietnamkrieg angestellt, in Meinungsumfragen taumelte die Zustimmung der Amerikaner zur Kriegsführung im Irak immer weiter abwärts.
In dieser Lage beschloss Ian Fisher, damals 17 Jahre alt und wenige Wochen von seinem Highschool-Abschluss entfernt, Soldat der U.S. Army zu werden. Er wollte im Irak kämpfen. Kurz zuvor hatte George W. Bush eine neue Strategie verkündet, eine Art Endspurt, genannt »The Surge«, was so viel heißt wie Anstieg, Welle, Aufwallung: Mit 20.000 zusätzlichen US-Soldaten sollte im Irak gerade so viel Ordnung hergestellt werden, um das Land so bald wie möglich einheimischen Soldaten und Polizisten überlassen zu können.
Aber woher sollten die Soldaten für diesen Nachschub kommen? Vier Jahre hatte der Krieg im Irak schon gedauert, mit der öffentlichen Unterstützung war auch die Zahl der Rekrutierungen gesunken. Die Denver Post beauftragte ihren Fotoreporter Craig F. Walker, einen jungen Mann aus Denver auf seinem Weg in die Armee, in den Irak zu begleiten (ein Interview mit Craig F. Walker).
Ian Fisher, den Craig Walker mithilfe des lokalen Rekrutierungsbüros fand, hatte mit der großen Politik nicht viel am Hut. Sein Highschool-Leben drehte sich um Mädchen, Partys, Rumhängen mit Kumpeln, ab und zu geriet er in Prügeleien. Ians Eltern hatten sich scheiden lassen, als er vier war, er wuchs bei seinem Vater auf. Der war auch Soldat gewesen, hatte sogar im Vietnamkrieg gekämpft. Andere mochte das Vietnamszenario von der Soldatenlaufbahn abhalten, Ian Fisher nicht, im Gegenteil.
Zwei Jahre lang dokumentierte Craig Walker Fishers Verwandlung vom partyfeiernden Teenager zur gedrillten Kampfmaschine. Die verlief holpriger, dramatischer als erwartet. Schon in der Grundausbildung haderte Fisher mit seiner Berufswahl, Verletzungen – körperliche und emotionale – machten ihm zu schaffen. Ein vermeintlicher Glücksfall stürzte ihn in besondere Schwierigkeiten: Fisher wurde in der Nähe von Denver stationiert, unwiderstehlich zog es ihn zurück zu seinen alten Freunden, zu seinem früheren, freien Leben. Einmal, das Wochenende war so schön gewesen, fuhr er einfach nicht zurück in die Kaserne. Schlagartig wäre seine Laufbahn damit beendet gewesen, und auch Craig Walkers Fotoreportage.
Der Fotograf war über 27 Monate hinweg embedded im Leben dieses Rekruten, so wie andere Kriegsreporter an den Fronten im Irak und in Afghanistan. Wochenlang quartierte er sich in Fishers Kaserne ein, er flog mit ihm in den Irak und begleitete ihn dort auf seinen Patrouillenfahrten. Mit den kleinen Details dieses Soldatenlebens fing Walker auch die großen Dramen ein, die sich abspielen, seit die Menschheit Kriege führt: Sie handeln von Ehrgeiz und Todesangst, von Liebe und Trennung, Selbstüberwindung und Zweifeln, von Abschied und von der Hoffnung auf eine Rückkehr. Im vergangenen April wurde Craig Walker für seine Serie mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.
- Datum 16.06.2010 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 17.06.2010 Nr. 25
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Das ganze war bereits im November letzten Jahres beim Englischen Guardian zu lesen/sehen. Vgl.
http://www.guardian.co.uk...
Die wenigsten Deutschen lesen den Guardian. Es gibt auch vieles, was die ZEIT berichtet, der Guardian aber nicht --und das ist auch gut so. Wäre ja langweilig, wenn alle Zeitungen alles zur gleichen Zeit berichten würden (dann bräuchte man nur noch eine Zeitung). Außerdem wurde der Pulitzerpreis erst kürzlich vergeben, also gibt es einen Anlass :-).
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