Fahrräder

ZEIT Magazin: Herr Bahn, in welches Fahrrad sollte man vor fünf Jahren investiert haben?

Frank Bahn: Vor fünf Jahren? Da wäre zum Beispiel ein Halbrenner von Diamant aus den dreißiger Jahren, ein Modell 100, gut gewesen. Das kostete damals so 300 bis 400 Euro. Jetzt bestimmt das Doppelte.

ZEIT Magazin: 100 Prozent in fünf Jahren, davon träumen Aktionäre. Wie erklären Sie sich die Kursgewinne?

Bahn: Na ja, ich denke mal, der Markt ist genauso groß geblieben. Aber die Interessenten haben sich vervielfacht. Fahrräder zu sammeln ist nicht mehr out. Der Markt ist durch das Internet transparenter und schneller geworden, das kurbelt die Nachfrage an. Aber es gibt auch Verlustaktien: die schlecht erhaltenen und mies renovierten Räder.

ZEIT Magazin: Kann es sein, dass der Markt schon so überhitzt ist, dass er bald crasht?

Bahn: Ich sehe da keinen Wertverfall. Aber eine gewisse Begeisterung für das Fahrrad sollte schon da sein, nicht nur die Frage, wie das performt.

ZEIT Magazin: Mal makroökonomisch betrachtet: Wie verhalten sich Fahrradpreise in der Krise?

Bahn: Schwer zu sagen. Es gibt in der Szene sehr reiche und sehr arme Sammler. Es werden also nicht alle sofort ihre Räder auf den Markt werfen, wenn die Zeiten ein bisschen rauer werden.

ZEIT Magazin: Sind Räder eigentlich ein so ethisches Investment, wie es den Anschein erweckt?

Bahn: Ich bin froh, dass die Marke, die ich sammle, nicht in Rüstung verwickelt war und im Zweiten Weltkrieg etwa Militärräder entwickelt hat. Die kaufen aber nur wenige Leute, meist einseitig interessierte. Ansonsten ist das Fahrrad natürlich per se ethisch einwandfrei. Einfach als die beste Maschine, welche die Menschheit bis heute erfunden hat. Egal, ob es ein Hochrad von dazumal oder ein Elektrorad ist: Hauptsache, es wird gefahren, geliebt, bewundert.

Frank Bahn, 39, lebt in Jena, sammelt seit zehn Jahren Möve-Fahrräder und ist Mitautor der Website www.fahrradsammler.de