Autoindustrie »Bitte hupen«

Volkswagen will Toyota als größten Autobauer ablösen. Im Wachstumsmarkt Indien liefern sie sich ein heißes Rennen

Im Juli 2008 ging Volkswagen in Indien mit dem Jetta an den Start

Im Juli 2008 ging Volkswagen in Indien mit dem Jetta an den Start

Hier baut Toyota. Am Rand der Großbaustelle ragt eine 15 Meter hohe Aussichtsplattform aus Stahlprofilen empor. Das hellgelb gestrichene Blech scheint zu glühen. 39 Grad Celsius werden an diesem Tag im Industriegebiet von Bidadi, einem Vorort der südindischen 7-Millionen-Metropole Bangalore gemessen. Ein junger indischer Ingenieur eilt voran. Er trägt Schutzhelm und eine Warnweste über Hemd und Krawatte. Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Wer für Toyota arbeitet, muss die Sicherheitsbestimmungen penibel einhalten. Der Bauaufseher macht eine ausladende Handbewegung und zeigt auf einen ausgedehnten Hallen-Komplex: »Das wird das zweite Werk.«

Die äußeren Hüllen der neuen Fabrik stehen schon. »Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei, Endmontage«, erläutert der Toyota-Mann. Alles, was zu modernen Autofabriken gehört. Der Branchenprimus zieht sie überall auf der Welt nach dem gleichen Prinzip hoch – in den USA, in China, in Tschechien. Auf der Baustelle wimmelt es von Menschen. 3000 Leute arbeiten hier, sieben Tage in der Woche.

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Toyota hat es eilig in Indien. Schon Ende des Jahres soll ein neu entwickelter Kleinwagen von hier aus den Subkontinent erobern: der »Etios«, klein, geräumig, billig. 70.000 Fahrzeuge pro Jahr soll das zweite Werk produzieren. Damit wird sich die bisherige Produktionskapazität von Toyota im Lande verdoppeln. Vorerst. »Wir können die Produktionskapazität von Werk zwei leicht auf 200.000 Fahrzeuge erhöhen«, verrät der Toyota-Ingenieur.

Indien ist – neben China, Russland und Brasilien – heute das vierte Dorado der Automultis. Das Potenzial in dem Land mit bald 1,2 Milliarden Einwohnern erscheint riesig: Auf 1000 Inder kommen gerade mal 10 Pkw, in Deutschland ist das Verhältnis 1000 zu 550.

Alle sind sie nach Indien gekommen, um sich ihren Platz im Wachstumsmarkt zu erobern: Japaner, Koreaner, Amerikaner, Franzosen, Deutsche. Als letzter kam Volkswagen – mit großen Ambitionen.

In Märkten wie Indien entscheidet sich, wer zum ersten wirklich globalen Autokonzern und zum Marktführer wird. Tatsächlich gibt es nur zwei Anwärter auf den Titel, Toyota und Volkswagen. Die Chefs beider Konzerne wissen: Gewinnen wird derjenige, der den Spagat beherrscht zwischen der Pflege der eigenen Marke, so wie man sie in der industriellen Welt kennt, und der Fähigkeit, die Nachfrage in den Schwellenländern nach billigeren und massentauglichen Autos zu bedienen. Und weil die Anforderung so klar ist, nähern sich die beiden einander auch erstaunlich stark an.

Noch sind die Japaner aus Nagoya die Nummer eins. 7,8 Millionen Autos haben sie im vergangenen Jahr verkauft. Die Verfolger aus Wolfsburg erreichten 6,3 Millionen. Volkswagen dominiert den europäischen Markt, liegt in Südamerika und vor allem in China vorn. Toyota dominiert in Japan, in vielen Ländern in Südostasien und hat in den USA einen großen Vorsprung vor seinem deutschen Rivalen.

In Indien fangen beide klein an. 1,8 Millionen Pkw wurden dort 2009 verkauft, unter ihnen nur 55.000 Toyotas. Die Volkswagen-Gruppe kam auf ganze 19.000 Autos.

Im Jahr 1982 fragte die indische Regierung unter Indira Gandhi in Wolfsburg an, ob die Deutschen beim Bau eines kleinen Autos mittun wollten. VW war nicht scharf darauf. Suzuki aus Japan schlug ein. Gründete mit der indischen Regierung Maruti-Suzuki und hält heute fast 50 Prozent Marktanteil.

Leser-Kommentare
  1. Ich zitiere unseren ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler:

    "Mobilität, so wie wir sie heute praktizieren, ist nicht zukunftsfähig. Jedenfalls nicht, wenn wir über die nächsten zwanzig, dreißig Jahre hinaus denken. Unser Planet würde es gar nicht aushalten, wenn die Menschen überall auf der Welt so viel im Auto durch die Gegend fahren würden, wie wir das hier bei uns tun. Dann bräuchten wir schon jetzt mehr als eine Erde. Um in Zukunft mobil zu bleiben - und auch, um die Mobilität von Menschen in ärmeren Ländern zu verbessern - müssen wir umdenken. Und zwar grundlegend."
    [...]
    "Aber, Vorsicht Falle: Es gibt auch die Versuchung, altes Denken jetzt, wo die Märkte im Norden gesättigt sind, einfach auf die mobilitätshungrigen Schwellenländer zu übertragen und die Leute dort eher mit konventionellen Autos zu beglücken. "Der Kunde will es ja so": Dieses Denken kann man auch nach China transportieren. Es wäre kurzsichtig."

    Der ganze Text: http://bit.ly/7i1Rf0

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    Sie gleichen dem bakteriellen Kampf in einer Petrischale, nur dass die Erde eine Kugel und keine Schale ist. Automobilfabriken entstehen in den Schwellenländern mit Traumwachstumsmarken wie die Ausbreitung von Löwenzahn auf einer wilden Wiese.

    Bei einer Marktsättigung hofft man, dass die eigenen Attraktivitätswerte so hoch sein werden, dass man auch gegen den Trend weiterwachsen kann.

    Jede Marke wünscht sich dabei hohe Authentizitätswerte, um im Masseneinerlei als werthaltige Marke von hoher Attraktivität wahrgenommen zu werden. Jede Marke versucht irgendwo besondere Schwerpunkte u. Werte zu entwickeln, wenn éine Markenidentität einmal gefunden ist.

    Es werden billige Autos gefahren, die weitere Ausgaben in teurem Benzin bündeln ... oder teure Autos gefahren, die sehr wenig Kosten im Betrieb verursachen und die weiteren Ausgaben begrenzter halten.

    Letztendlich werden mehr und mehr staatl. Vorgaben kommen, um die weitere Entwicklung zu kanalisieren. Wahrscheinlich werden sogar die Märkte am Interessantesten werden, die die höchsten Auflagen haben werden, denn hier müssen zwangsweise die effizientesten Autos entwickelt werden. Märkte, die die wenigsten Restriktionen enthalten, werden dagegen überdurchschnittlich verlieren. Die Entwicklung im sehr freien Automarkt USA bestätigt es.

    China u. Indien tun sich demnnach keinen Gefallen, einfach unreflektioniert zu wachsen. Aber es gehört wahrscheinlich einfach zum Lernprozess dazu.

    Sie gleichen dem bakteriellen Kampf in einer Petrischale, nur dass die Erde eine Kugel und keine Schale ist. Automobilfabriken entstehen in den Schwellenländern mit Traumwachstumsmarken wie die Ausbreitung von Löwenzahn auf einer wilden Wiese.

    Bei einer Marktsättigung hofft man, dass die eigenen Attraktivitätswerte so hoch sein werden, dass man auch gegen den Trend weiterwachsen kann.

    Jede Marke wünscht sich dabei hohe Authentizitätswerte, um im Masseneinerlei als werthaltige Marke von hoher Attraktivität wahrgenommen zu werden. Jede Marke versucht irgendwo besondere Schwerpunkte u. Werte zu entwickeln, wenn éine Markenidentität einmal gefunden ist.

    Es werden billige Autos gefahren, die weitere Ausgaben in teurem Benzin bündeln ... oder teure Autos gefahren, die sehr wenig Kosten im Betrieb verursachen und die weiteren Ausgaben begrenzter halten.

    Letztendlich werden mehr und mehr staatl. Vorgaben kommen, um die weitere Entwicklung zu kanalisieren. Wahrscheinlich werden sogar die Märkte am Interessantesten werden, die die höchsten Auflagen haben werden, denn hier müssen zwangsweise die effizientesten Autos entwickelt werden. Märkte, die die wenigsten Restriktionen enthalten, werden dagegen überdurchschnittlich verlieren. Die Entwicklung im sehr freien Automarkt USA bestätigt es.

    China u. Indien tun sich demnnach keinen Gefallen, einfach unreflektioniert zu wachsen. Aber es gehört wahrscheinlich einfach zum Lernprozess dazu.

  2. Sie gleichen dem bakteriellen Kampf in einer Petrischale, nur dass die Erde eine Kugel und keine Schale ist. Automobilfabriken entstehen in den Schwellenländern mit Traumwachstumsmarken wie die Ausbreitung von Löwenzahn auf einer wilden Wiese.

    Bei einer Marktsättigung hofft man, dass die eigenen Attraktivitätswerte so hoch sein werden, dass man auch gegen den Trend weiterwachsen kann.

    Jede Marke wünscht sich dabei hohe Authentizitätswerte, um im Masseneinerlei als werthaltige Marke von hoher Attraktivität wahrgenommen zu werden. Jede Marke versucht irgendwo besondere Schwerpunkte u. Werte zu entwickeln, wenn éine Markenidentität einmal gefunden ist.

    Es werden billige Autos gefahren, die weitere Ausgaben in teurem Benzin bündeln ... oder teure Autos gefahren, die sehr wenig Kosten im Betrieb verursachen und die weiteren Ausgaben begrenzter halten.

    Letztendlich werden mehr und mehr staatl. Vorgaben kommen, um die weitere Entwicklung zu kanalisieren. Wahrscheinlich werden sogar die Märkte am Interessantesten werden, die die höchsten Auflagen haben werden, denn hier müssen zwangsweise die effizientesten Autos entwickelt werden. Märkte, die die wenigsten Restriktionen enthalten, werden dagegen überdurchschnittlich verlieren. Die Entwicklung im sehr freien Automarkt USA bestätigt es.

    China u. Indien tun sich demnnach keinen Gefallen, einfach unreflektioniert zu wachsen. Aber es gehört wahrscheinlich einfach zum Lernprozess dazu.

    • kkr
    • 29.06.2010 um 12:18 Uhr

    diese Lektion hat Toyota schmerzhaft lernen müssen.

    Ich wünsche mir, dass dies VW auch beherzigt und nicht den gleichen oder ähnlichen Fehler macht, und in der Hektik der Expansion die Qualität oder den Kunden auf der Strecke lässt.

  3. Ich muss absolut Kohlenpott Recht geben: Das Zitat "Der Kunde will es ja so": Wir selbst bestimmen wo es hingeht - Dies sollte man sich bewusst sein...

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