Autotest Sekundenschläfer, aufgewacht!
Rainer Urban fährt den VW Passat CC 1.8 TFSI und findet allerlei zum Thema Sicherheit heraus.
© Volkswagen

Der Passat CC 1.8 TFSI verfügt über Tempomat und Bremsassistent
Dass die ZEIT ein paar wichtige Herausgeber hat, weiß jeder unserer Leser. Unbekannt war bislang, dass wir auch einen »Hereingeber« haben: Rainer Urban. Er ist in unserem Verlagshaus zuständig für Sicherheit und Technik. Braucht ein Redakteur ein neues Telefon, bringt Urban es vorbei. Kapiert ein Redakteur den Anrufbeantworter nicht, kommt Urban mit der Bedienungsanleitung. Urban kennt jedes Kabel und jeden Knopf im Haus, er ist Ersthelfer und Evakuierungsbeauftragter. Wenn es brennen sollte, müsste Rainer Urban uns retten – all die weltvergessenen Grübelköppe in ihren Büros.
Was Autotests angeht, war Urban bislang damit beschäftigt, vor der ZEIT -Garage auf die Vertreter der Autofirmen zu warten und jene Wagen in Empfang zu nehmen, in denen die Redakteure später davonfuhren – um Artikel zu schreiben, die sich nie mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetrieben oder Differenzialsperren beschäftigten, also nicht mit Sicherheit und Technik, sondern mit ihren Auto-Biografien. Diesmal aber ist Urban selbst gefahren! (Und hat darum gebeten, dass jemand anders darüber schreibt, weil er im Schreiben nicht so viel Erfahrung hat. Sicher ist sicher.)
Urban war mit dem Passat CC 1.8 TFSI unterwegs, fast 1000 Kilometer – jeden einzelnen gewissenhaft. Er hat vier Koffer aus dem Keller geholt und geprüft, ob sie wirklich in den Kofferraum passen (»tun sie«). Er hat die komplette Innenverkleidung abgeklopft (»nichts klappert«). Er hat den Verbandskasten gesucht, aber nur ein Verbandspäckchen gefunden, was »nicht in Ordnung« ist, weil das Täschchen zu eng bepackt sei, um nach einem Unfall schnell das Nötige zu finden.
»Hervorragend« sei das spritsparende Zusammenspiel von Tempomat und Bremsassistent, der einen beispielsweise bei 130 km/h maximal 100 Meter auf den Vordermann auffahren lässt – und automatisch bremst, sobald was in die Quere kommt. Urban, der (anders als die meisten Redakteure) Vertrauen in die Technik hat, berichtet, er habe auf der A7 30 Kilometer ohne Fuß auf dem Pedal geschafft.
»Noch nicht ausgereift« hingegen: der Spurhalteassistent. Urban hat hier und da (auch in Kurven) das Lenkrad losgelassen, Sekundenschlaf simuliert, und findet bedenklich, dass das Auto nur ein paarmal gegensteuert und dann piepend meldet: Lenkrad übernehmen! Besser wäre, »das System würde Alarm schlagen, wenn es eingreift, nicht erst, wenn es sich abmeldet«.
Außerdem kritisch: Hinter der Sonnenblende fehlte die vom ADAC geforderte Rettungskarte, an der die Feuerwehr erkennen könnte, wo sie ihre Rettungsscheren ansetzen muss, um Verletzte zu bergen. Aber wir müssen uns keine Sorgen machen. Rainer Urban hat schon angerufen bei VW.
Rainer Urban ist Sicherheitsbeauftragter des Zeitverlags
Aufgezeichnet von Henning Sußebach
Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 118 kW (160 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
CO2-Emission: 172 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,4 Liter
Basispreis: 30.575 Euro
- Datum 24.06.2010 - 15:54 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 24.06.2010 Nr. 26
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Das Lenkrad darf man auch nicht loslassen. Das passiert einem bei kleinen Unaufmerksamkeiten im Straßenverkehr ja auch nicht. Schließlich ist das System kein Autopilot...
Im VW-Lexikon steht dazu: "Sollte der Fahrer die Hände ca. acht bis zehn Sekunden vom Lenkrad nehmen, bemerkt das System dieses. Es signalisiert im Kombi-Instrument akustisch und optisch eine sogenannte Übernahmeaufforderung und schaltet dann ab."
Und weiter:
"Der Fahrer [...] wird nicht von seiner Verantwortung entbunden, das Auto bewusst zu fahren."
Herr Urban hätte sich ausnahmsweise vielleicht etwas gewissenhafter vorbereiten sollen...
... werden gerettet. Tote werden geborgen.
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