Währungsmanipulation Kurs aus dem Politbüro
Hören die Chinesen jetzt damit auf, ihre Währung zu manipulieren?
Sieht ganz so aus, als sei der PR-Schachzug gelungen. Am Samstag kündigte die chinesische Zentralbank an, sie werde »die Wechselkurs-Flexibilität des Renminbi erhöhen«. Sollte heißen: Die Chinesen koppeln ihre Währung vom Dollar ab und erhöhen vielleicht den Kurs. Eine Woche später würde in Toronto die Gruppe der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zusammentreffen, und es war abzusehen, dass China dort für seine Währungspolitik scharfe Kritik hätte einstecken müssen. Die scheint Peking fürs Erste abgewendet zu haben. Auch wirkt es, als sei die Gefahr amerikanischer Handelssanktionen erst mal gebannt.
Die Frage nach der Aufwertung des Renminbi sorgt aber nicht nur für erbitterten Streit zwischen den USA und China , auch in China selbst wird sie heftig diskutiert. Chinas politisches System ist alles andere als transparent, und doch ist es ein offenes Geheimnis, dass sich die Zentralbank seit Langem für flexible Wechselkurse einsetzt. Ihr wäre es am liebsten, wenn sich Staats- und Privatunternehmen an eine Währung gewöhnen könnten, deren Kurs mit den Marktkräften steigt und fällt.
Das Handelsministerium wiederum vertritt die entgegengesetzte Ansicht. Macht es sich doch für die Interessen der Exportunternehmer stark, und die würden sich über einen höheren Wechselkurs gar nicht freuen. Schließlich würde dadurch der Preis ihrer Produkte weltweit steigen, sie könnten nicht mehr ganz so viel verkaufen wie bisher. Viele der Unternehmer sehen sich ohnehin unter Druck, weil derzeit Angestellte und Fließbandarbeiter im ganzen Land höhere Löhne fordern. Unterstützt werden die Anliegen der Unternehmer auch von den Provinzregierungen von Guandong und Jiangsu, von dort stammt die Mehrheit der chinesischen Exportprodukte.
Und schließlich gibt es da noch die Fraktion der Patrioten, für die der Währungsstreit nicht weniger ist als eine Frage des nationalen Stolzes. Schließlich sind es neben anderen Handelspartnern vor allem die USA, die Peking vorwerfen, seine Währung künstlich niedrig zu halten und damit seine Exportindustrie auf unfaire Weise zu fördern. Die Volksrepublik, so lautet der Vorwurf, sei schuld daran, dass die Weltwirtschaft aus dem Lot gerate, dass die einen viel zu viel exportierten und andere viel zu viel importierten.
Unsinn, finden Chinas Patrioten, die USA machten China nur für die eigenen Probleme verantwortlich. Nach der Ankündigung der Zentralbank am Samstag hagelte es erzürnte Kommentare im Internet. Peking mache sich klein, es beuge sich dem Druck der USA. Die chinesische Regierung hat den Patriotismus im Land stets geschürt, aber mittlerweile hat sie manchmal selbst unter den Geistern zu leiden, die sie rief. Denn obwohl China ein Einparteienstaat ist, muss die Regierung auf die Stimmung in der Bevölkerung achten.
Doch will China seine Währung wirklich aufwerten? Noch sind die Signale widersprüchlich – und genau das sollen sie wohl auch sein. Trotz der Erklärung vom Wochenende war die chinesische Währung am Montagmorgen genauso viel wert wie am Freitagabend, nämlich 1 Dollar = 6,8275 Renminbi. Dann tat sich was: Am Montag ließ die Zentralbank es zu, dass die Händler am Finanzmarkt die Währung zum höchsten Stand in fünf Jahren trieben, am Dienstag war ihr Wert um 0,43 Prozent gestiegen. Händler und Zeitungen jubelten, doch am gleichen Tag folgte die Ernüchterung: Chinesische Banken kauften massiv Dollar, um den Kurs erneut zu drücken.
- Datum 23.06.2010 - 12:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26
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...erscheinen mir typisch chinesisch.
Einerseits sind die Chinesen mit ihrem Exportüberschuß ähnlich rücksichtslos wie die Deutschen, andererseits muss ich ihnen Respekt zollen, nutzen sie doch jede Lücke im historisch überwiegend amerikanisch dominierten globalen Welthandel (WTO, Weltbank, IWF usw.) geschickt aus.
Der mehr oder freiwillige Zufluss von KnowHow hat China eigene Entwicklungsarbeit in Gigamannjahren erspart und sie von einem rückständigen Arbeiter-Bauernstaat zu einem technologisch bedeutenden neoliberalen Globalplayer gemacht. Aus chinesicher Sicht eine erfolgreiche Investition, aus Sicht der Industrieländer ein unglaublicher Aderlass (neoklassische/monetaristische Deppen-Sichtweisen mal ausgeblendet).
Jetzt, nachdem der Industrieersatz "Finanzmarkt" nicht mehr richtig zieht, merkt endlich auch USA&Co, dass man Derivate nicht essen kann und langfristig wohl auch nicht erfolgreich exportieren. Nur: etwas dagegen zu tun, getrauen sie sich scheinbar noch nicht. Das globale Freihandelssystem, mit seinem naiven Marktglauben, hat sich verselbstständigt und die davon profitierenden Eliten blockieren jede Korrektur mit Drohungen und Korruption, die demokratische Kontrolle des eigenen Marktes hat man (im Westen) offenbar ohnehin längst aufgegeben. So mancher Politiker geriert sich hilflos wie ein Lämmchen beim Schlachter.
Da sind Chinesen beinahe erfrischend, die wissen noch, dass Politik nicht nur aus (selbstverursachten) Sachzwängen besteht.
Bisher war die Chinesische Währung fest an den Dollar gekoppelt. Wenn die Amerikaner (!!!) also den Chinesen vorwerfen, ihre Währung zu manipulieren, weisen Sie mit vier Fingern auf sich zurück.
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