Islambanking Allah hätte nichts dagegen
In Mannheim gibt es die erste Bankfiliale für gläubige Muslime. Kann das islamische Finanzmodell Vorbild für den Westen sein?
In Mannheim gibt es keine Straßennamen, sondern Planquadrate, die die Innenstadt wie ein Gitternetz durchziehen. In die Hausnummer 9 im Quadrat U1 ist kürzlich ein neuer Mieter eingezogen, der Ableger einer kuwaitisch-türkischen Bank. Vor wenigen Wochen hat er seine Türen für eine ganz spezielle Kundengruppe geöffnet: für gläubige Muslime, die beim Umgang mit Geld besondere Regeln beachten müssen.
Kuveyt Türk Beteiligungsbank heißt das Institut. Sein Ansatz ist in der muslimischen Welt nicht neu. Islamic Finance ist der übergeordnete Begriff dafür, darunter fallen sämtliche Finanzdienstleistungen, die mit islamischen Prinzipien im Einklang stehen. Kuveyt Türk ist der erste lizenzierte Dienstleister dieser Art in Deutschland. Weitere Filialen sind geplant. Glaubt man den Experten, könnte sich das Geschäft lohnen, denn sie sehen darin einen Milliardenmarkt. Manch einer geht sogar noch weiter: Am islamischen Geldwesen, so die Hoffnung, könne womöglich das weltweite Finanzsystem genesen.
- Sukuks
Diese islamischen Finanzprodukte funktionieren wie eine Anleihe. Der Anleger investiert einen bestimmten Betrag – etwa in eine Immobilie. Der Emittent des Sukuks verpflichtet sich, die Immobilie am Ende der Laufzeit zu übernehmen, sodass der Anleger seinen Einsatz zurückbekommt; bis dahin hat er Mieteinnahmen. Sind die Mieten und die Rückzahlung aber garantiert, verstößt das gegen islamisches Recht.
Die islamische Welt hatte lange Zeit ein Problem. Gerade in den reichen Golfstaaten existieren riesige Geldvermögen, doch eine Anlage bei gewöhnlichen Banken kommt dafür nicht infrage. Denn die Bibel der Muslime, der Koran, und das davon abgeleitete Regelwerk Scharia verbieten das Kassieren von Zinsen (riba).
Wie können sich also Muslime an die Heilige Schrift halten und dennoch ihr Geld vermehren? Diese Frage beantwortete erstmals der Ägypter Ahmed El-Naggar. In seiner Doktorarbeit, die er in den sechziger Jahren in Köln schrieb, legte er dar, wie man Zinsen und andere Verbote vermeiden und gleichzeitig Geldgeschäfte abschließen kann. Später gründete El-Naggar in seiner Heimat die wohl erste islamische Bank der Welt. Das grundlegende Geschäftsprinzip dahinter: Die Bank streicht keine risikolosen Zinsen ein, wenn sie Kunden einen Kredit gewährt. Stattdessen wird sie am Gewinn beteiligt, der mit dem geliehenen Geld in Zukunft erzielt wird. Das birgt ein gewisses Risiko für den Kreditgeber, der Gewinn kann ja auch einfach ausbleiben, aber immerhin ist dieser Geldhandel mit dem Glauben vereinbar.
Aus El-Naggars Ideen ist ein ernst zu nehmender Zweig der Finanzindustrie geworden. Vor allem im Nahen Osten und in Asien operieren heute gut drei Dutzend islamische Spezialbanken. Ihre Vermögenswerte wachsen laut einer Studie des Beratungshauses Booz & Company Jahr für Jahr um 22,1 Prozent, zuletzt summierten sie sich auf nahezu eine Billion US-Dollar.
Auch in Europa, vor allem in Großbritannien, sind bereits mehrere islamische Banken aktiv. »Hinter den meisten neuen Banken stehen reiche muslimische Investoren, die ihr eigenes Geld sauber anlegen und zugleich diese Möglichkeit auch für andere Muslime schaffen wollen«, erklärt Philipp Wackerbeck, der sich bei Booz & Company auf dieses Thema spezialisiert hat.
Experten schätzen das Marktpotenzial in Deutschland auf 1,2 Milliarden Euro
In Deutschland dagegen ist das Angebot für Privatanleger bislang beschränkt auf drei Aktienfonds, die sich in ihrem Portfolio von herkömmlichen Fonds unterscheiden. Darin kommen weder Banken vor, die reguläre Zinsen zahlen und kassieren, noch sämtliche Anbieter von Glücksspiel, Alkohol oder Pornografie. Daneben gibt es bei der Deutschen Bank und der Hypovereinsbank sogenanntes Ethno-Marketing. In der Praxis heißt das: Deutsche Türken werden hier in ihrer eigenen Sprache umworben und bedient, Religion spielt aber keine Rolle. Und das soll auch so bleiben. Es bestehe keine Nachfrage nach islamischen Produkten, heißt es bei beiden Instituten. Die Commerzbank hat ihren schon im Jahr 2000 aufgelegten islamischen Fonds inzwischen sogar vom Markt genommen. Angeblich mangels Käuferinteresse. Doch manche in der Branche äußern hinter vorgehaltener Hand die Sorge, dass Angebote speziell für Muslime konservative deutsche Kunden abschrecken könnten.
- Datum 25.06.2010 - 16:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26
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Ausgerechnet Mannheim, wo von den 20.000 Türken die Hälfte arbeitslos oder in Mini-Jobs beschäftigt ist.
Deutsche Steuergelder werden also "islamgerecht" angelegt- super!
Bitte belegen Sie Ihre Aussagen möglichst mit Quellen, da Ihre Ausführungen sonst als pauschale Fremdenfeindlichkeit ausgelegt werden können. Die Redaktion/cs
Vermeiden Sie Kommentare, die als fremdenfeindlich verstanden werden könnten. Die Redaktion / mh
...Schein als sein, was?
Lieber einen Halsabschneider mit Anzug, der dir das Geld aus der Tasche zieht, als jemand der an dich glaubt, aber ein Kopftuch trägt?!
Crazy!
Ich persönlich habe auch Vorbehalte gegenüber dem Kopftuch. Es kann religiösen Fanatismus bedeuten, den ich ablehne. Aber auch Abgrenzung vom american way of life, von westlicher Dekadenz, was ich billige. Nachdem nun der Westen in eine Finanz- und Eurokrise geraten ist, die aus dekadenter Konsum- und Verschwendungssucht herrührt, wäre ich zumindest bereit, es einmal mit einer islamischen Bank, deren Beraterinnen Kopftuch tragen, zu versuchen.
"kann mir nicht vorstellen Kunde bei einer Bank zu sein deren Mitarbeiter ein Kopftuch tragen."
Warum eigentlich?
Mir persönlich wäre es auch egal, wenn die Bankangestellten Micky Maus-Hüte auf den Köpfen trügen, solange sie dies freiwillig tun.
...Schein als sein, was?
Lieber einen Halsabschneider mit Anzug, der dir das Geld aus der Tasche zieht, als jemand der an dich glaubt, aber ein Kopftuch trägt?!
Crazy!
Ich persönlich habe auch Vorbehalte gegenüber dem Kopftuch. Es kann religiösen Fanatismus bedeuten, den ich ablehne. Aber auch Abgrenzung vom american way of life, von westlicher Dekadenz, was ich billige. Nachdem nun der Westen in eine Finanz- und Eurokrise geraten ist, die aus dekadenter Konsum- und Verschwendungssucht herrührt, wäre ich zumindest bereit, es einmal mit einer islamischen Bank, deren Beraterinnen Kopftuch tragen, zu versuchen.
"kann mir nicht vorstellen Kunde bei einer Bank zu sein deren Mitarbeiter ein Kopftuch tragen."
Warum eigentlich?
Mir persönlich wäre es auch egal, wenn die Bankangestellten Micky Maus-Hüte auf den Köpfen trügen, solange sie dies freiwillig tun.
bei derartiger Scharia-Schleichwerbung in einem ehemals renommiertem Blatt, wie der Zeit!
Wie tief seid ihr gesunken?
Im Sinne der Diskutierbarkeit von Artikeln und Kommentaren begrüßen wir die argumentative Erläuterung von Ansichten und Thesen. Danke, die Redaktion/fk.
...Schein als sein, was?
Lieber einen Halsabschneider mit Anzug, der dir das Geld aus der Tasche zieht, als jemand der an dich glaubt, aber ein Kopftuch trägt?!
Crazy!
...aus den falschen Gründen ... lol
ist das eine art des banking, welches auch in den Wurzeln Europas ist (bedingt durch christliche Ethik).
Haetten wir nicht bedeutend weniger Konflikte, wenn man mit Waffengeschaeften nicht Geld verdienen könnte?
Oder wenn Finanzinstitude nicht immer in der win-win Situation waerensondern am Aufschwung und Abschwung mitbeteiligt werden würden?
Naja... traeumen darf man ja...
Ja ich träume auch von einer christlichen Theokratie und ein Verbot jeglichen Handels :)
Ja ich träume auch von einer christlichen Theokratie und ein Verbot jeglichen Handels :)
Ja, genau, das Richtige aus falschen Gründen.
Aber: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.
... als Nicht-Muslim da auch Kunde werden?
Das Konzept interessiert mich doch. Es ist ehrlicher als die Geldgeier der großen Banken, die im Zweifelsfall lieber sagen: Ne, dir geb ich keinen Kredit.
Auch wenn die Bankangestellten Kopftuch tragen und Muslime sind, was hat das mit der im Grunde guten Idee zu tun?
Unsere Gesellschaft kennt echt nur noch eins: GELD!
imax
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