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Costa Rica vermarktet sich als Ökourlaubsland. Doch vieles ist auch hier Etikettenschwindel von Katrin Zeug

Costa Rica ist ein Traumziel - aber kann man hier nachhaltig reisen?

Costa Rica ist ein Traumziel - aber kann man hier nachhaltig reisen?  |  © Hami / photocase.com

Sollte derjenige, der die Natur liebt, ihr lieber fernbleiben? Oder gibt es einen Weg, sie zu bereisen und doch im Reinen mit ihr zu sein?

Die Gäste der Selva Bananito Lodge im Süden Costa Ricas versuchen es. Ökotouristen aus aller Welt beziehen die Hütten aus Teak- und Mahagoniholz, gebaut aus Resten, die bei Rodungen weggeworfen wurden. Von den Veranden reicht der Blick bis zu den Höhen des Cerro Muchilla. 14 Tage würde es dauern, durch den Dschungel dorthin zu wandern. Einen Teil dieser Welt können die Gäste erkunden: Vorbei an Palmen, denen nachgesagt wird, dass sie über den Urwaldboden wandern, Lianen, aus denen man trinken kann, schwarz-gelben Fröschen, die zwitschern wie ein Vogel, und Vögeln, die quaken wie ein Frosch. Am Abend können die Besucher Dreck und Schweiß in der solargeheizten Dusche abwaschen, mit abbaubarer Bioseife – das Abwasser reinigen Wasserhyazinthen und Bakterien. Wenn der Urwald ringsum in Dunkelheit versinkt und die dicke Luft erträglicher wird, spenden Kerzen Licht.

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Costa Rica gilt als Vorreiter des Ökotourismus. Als dort in den achtziger Jahren beinahe 80 Prozent der Regenwälder abgeholzt waren, schlug das Land eine neue Richtung ein: Heute ist ein Drittel seiner Fläche Schutzgebiet, und bis 2021 will Costa Rica eine CO₂-neutrale Bilanz ausweisen können. Die lokale Fluggesellschaft Nature Air lässt den Tropenwald aufforsten, um ihre Treibhausgase zu kompensieren, es gibt eine Autovermietung, die sich als CO₂-neutral bezeichnen darf, und unzählige Pensionen, die damit werben, der Umwelt keine Last zu sein. Die Natur wurde als Ressource erkannt, die geschützt werden muss – und wenn möglich dennoch Geld bringen soll. Die Hoffnung liegt im Tourismus, dem wichtigsten Devisenbringer.

Doch ist umweltfreundlicher Tourismus überhaupt möglich? Schon mit der Anreise – per Langstreckenflug aus Europa – gehen etwa sechs Tonnen CO₂ auf das Konto des Urlaubers; während seines kurzen Aufenthalts verbraucht er oft so viel Wasser und Energie wie das gesamte Dorf neben seinem Hotel. Die Selva Bananito Lodge ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren könnte. Mit einem Teil des Geldes, das die Touristen hier ausgeben, setzt sich das Familienunternehmen für den Schutz der Natur ein. Viele solcher leuchtender Beispiele gibt es allerdings nicht – auch wenn in Costa Rica kaum ein Hotel, eine Sportstätte oder Dschungeltour auf den Zusatz »Öko« im Namen verzichtet.

»Vieles davon ist Etikettenschwindel«, sagt Ludwig Ellenberg. Der Geograf forscht an der Humboldt-Universität in Berlin zu Umweltschutz und Tourismus und verbrachte mehrere Jahre in Costa Rica. »Ökotourismus ist ein tolles Konzept, aber es funktioniert nur als Nische«, sagt er. Denn im Gegensatz zum Naturschutz gehe es dem Tourismus meist um Wachstum und die schnelle Befriedigung angestauter Bedürfnisse. »Viel Fressen, viel Saufen, wenig kümmern. Wir wollen den Frust des Alltags dämpfen, aber schnell, denn viel Zeit haben wir nicht, und man gönnt sich ja sonst nichts«, beschreibt Ellenberg die Einstellung vieler – und meint nicht nur die, die in All-inclusive-Burgen nach Spanien oder in die Türkei fahren. Selbst das umweltbewusste Bildungsbürgertum lasse zusammen mit dem Termindruck auch gerne das Gewissen zu Hause. Urlaub steht für Entspannung, auch vom Mülltrennen und Stromsparen.

Umweltorganisationen kritisieren, dass Reisende auf der Suche nach Naturverbundenheit nicht selten trotzdem – oder gerade deswegen – genau das zerstören, was sie so sehr wollen: die unberührte Natur. So auch in Costa Rica.

Zum Nationalpark Manuel Antonio, der früher nur über Schotterpisten erreichbar war, fliegen heute täglich Maschinen aus der Hauptstadt San José . 300000 Besucher laufen im Jahr durch das sieben Quadratkilometer kleine Schutzgebiet; Affen warten auf den Gehwegen, um Bananen zu bekommen. Faultiere auf den Bäumen werden von pfeifenden Menschen animiert, sich zu bewegen. Montags ist der Park geschlossen, damit die Aufräumtrupps den Müll einsammeln können.

Leserkommentare
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