Grüner reisen Natürlich entspannenSeite 2/2

Auch im Urwald muss mittlerweile die Müllabfuhr anrücken

Auch im Urwald muss mittlerweile die Müllabfuhr anrücken

Auch an der Küste bei Tortuguero, wo sich das Wasser in schmalen Adern weit ins Land frisst und Schildkröten an den Stränden ihre Eier eingraben, drängen die Touristen immer tiefer in die Wildnis. Sie wollen keine anderen Reisenden sehen, sondern wilde Krokodile. Mit Motorbooten geht das schneller als mit dem Paddelboot. Auf die Pufferzone, die Tiere und Pflanzen vor Menschen schützen soll, kann keine Rücksicht genommen werden.

Nicht nur die Natur leidet. Jaco, einst ein Fischerort, den Surfer wegen der Wellen besuchten, empfängt heute Tausende Touristen im Jahr. Mit den Hoteltürmen wächst die Zahl der Diebstähle ebenso wie jene der Drogenopfer und Prostituierten. Auf der Suche nach Arbeit treibt es viele Menschen aus anderen Landesteilen hierher. Doch die Saison ist kurz, oft reicht der Verdienst nicht, um die Heimfahrt zu bezahlen. Die Gewinne gehen an ausländische Unternehmer, die hier vor ein paar Jahren investierten.

»Reisen verursacht immer Schäden«, sagt Wolfgang Günther, der im N.I.T., einem Institut für Tourismusforschung in Kiel, die Abteilung für Nachhaltigkeit leitet. »Das Einzige, was man tun kann, ist, den Schaden zu minimieren.« Zusammen mit dem WWF hat er dafür Vorschläge verfasst. Da Fliegen die größte Umweltbelastung darstellt, lautet die Regel: lieber seltener und dafür länger zu verreisen. Wenn möglich mit Bus und Bahn fahren. In der Unterkunft sollte Müll vermieden und getrennt sowie Strom und Wasser gespart werden. Auch empfiehlt er, darauf zu achten, dass Angestellte fair bezahlt werden. Außerdem kann jeder die Menschen am Reiseziel unterstützen, indem er Produkte aus der Region kauft. Gut wäre es auch, wenn sich der Tourist auf Sitten und Gebräuche des Gastlandes vorbereiten würde. Eigentlich alles keine großen Geheimnisse.

Der »Reisepavillon« war Anfang der Neunziger ein erster Marktplatz für »anderes Reisen« in Hannover. »Damals war das eine bunte Sammlung von alternativen und ökologischen Reiseanbietern, alle eher aus dem Non-Profit-Bereich«, sagt Anke Biedenkapp, die seit Beginn für die Organisation der Messe verantwortlich ist. Die Veranstaltung hat sich in den letzten 20 Jahren so sehr verändert wie die Branche: Sie wuchs und wurde professioneller, konventioneller. Doch wie der Branche fehlt es auch dem Reisepavillon an Kriterien. Die »Nachhaltigkeitserklärung«, einen Zettel, den die Aussteller an ihren Stand hängen, durften sie selbst schreiben. Zwar gibt es unzählige Qualitätssiegel im Tourismus – international durchgesetzt hat sich bisher keines davon.

Ökologie hat freilich wenig mit Romantik zu tun. Am besten für die Umwelt wäre nach Meinung vieler Experten ein gut geführtes Großhotel. Bei der aktuellen Reiseintensität – 75 Prozent der Deutschen reisen – sei der Umweltschaden höher, wenn sich alle verstreuen, sagt Wolfgang Günther vom N.I.T. Besser wäre es, die Menschenmassen zu konzentrieren, so würden sich Investitionen in umweltverträgliche Kläranlagen und Versorgungstechnik lohnen. Doch die big is beautiful-These ist an Naturliebhaber kaum zu vermitteln.

Den umweltschonendsten Urlaub hat Günther in diesem Frühjahr gemacht: Er fuhr mit der Familie an Flüssen und Bäumen entlang bis zum Meer – mit dem Fahrrad in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur wegen des CO₂, sagt er. Sondern vor allem, weil’s schön da ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn Sie Ihren Urlaub gerne - bis auf die Kosten einer kurzen Bahnreise - umsonst, in einer netten Gruppe und mehr als umweltneutral verbringen wollen:

    www.bergwaldprojekt.de

    100% Abwechselung zum Alltag garantiert!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service