Geheimakte Mixa Monsi, Hasi, Waldimaus

Der Fall Mixa zeigt: Auch Bischöfe dürfen sich nicht mehr alles erlauben

Hier ist Walter Mixa noch im Amt als Bischof. Er betet in Landsberg am Lech

Hier ist Walter Mixa noch im Amt als Bischof. Er betet in Landsberg am Lech

Ein Bischof, der sich gerne »Monsi« nennen ließ (für Monsignore) und einen befreundeten Kinderheimleiter »Hasi« nannte, weil Hasslbauer etwas steif klang; der ein Faible hat für sehr viel Wein und sehr edle Kunst (auch wenn sie manchmal überteuert war und die Rechnung dafür von »Hasis« Kinderheimstiftung bezahlt wurde); der sich mit verspiegelter Sonnenbrille unters Volk mischt und seinen Dackel »Waldimaus« nennt – der passt eigentlich ganz gut zu einer bestimmten Sorte schrill-barocker Gesellschaft, wie sie etwa der Münchner Modemacher Rudolph »Moosi« Mooshammer verkörperte. »In einer kultiviert-konservativen Weise« habe er versucht, seine Diözese zu leiten, erklärte Mixa noch letzte Woche in einem Interview. Die längste Zeit hielten ihn seine Bischofskollegen vielleicht für spleenig, aber sie hielten zu ihm. Doch jetzt ist der Fall Mixa zum ersten Fingerzeig dafür geworden, dass die Kirchenwelt nach dem Missbrauchsskandal des Jahres 2010 womöglich wirklich eine andere wird.

Die Kriegserklärung der Deutschen Bischofskonferenz an Walter Mixa wird am Dienstag dieser Woche um 13.48 Uhr versandt, und sie beginnt mit herzlicher Anteilnahme: Mit »großer Betroffenheit« hätten die Bischöfe über »die Geschehnisse und offenen Fragen hinsichtlich ihres Mitbruders Walter Mixa gesprochen«. Dann wird dem Mitbruder erklärt, dass alles, was er am Vortag in den Medien über seinen angeblichen Alkoholismus, seinen Wirklichkeitsverlust und seine sexuellen Übergriffe gegen untergebene Priester lesen konnte, mit Billigung seiner Amtskollegen zusammengetragen worden war: Die Bischöfe »bestätigen, dass die in den Medien jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe gegen ihn im April 2010 nach Rom weitergeleitet worden sind«. Die »Geheim-Akte Mixa« , die zwei Zeitungen zugespielt worden war, ist damit quasi amtlich. Wahr muss deshalb noch lange nicht alles sein, was darin steht. Und so bleibt ein Rest Unbehagen: Hier steht eine Kirche, die sich endlich ermannen wollte zu tun, was ihre Kritiker ihr nie zugetraut hatten, also einen untragbar gewordenen Bischof aus ihren Reihen zu entfernen. Weil er Kinder offenbar brutal geschlagen hat, weil er Spendengelder zweckentfremdet hat, weil er gelogen hat. Und dort kämpft ein Bischof, dessen persönliche Lage sich so verzweifelt ausnahm, dass er in seiner Gegenwehr die Kirche zu immer extremeren Schritten provozierte. Weil aber auf allen Kontrahenten das Gebot der christlichen Nächstenliebe lastet, werden in diesem Konflikt stets Taten der Härte in Worte der Zuneigung gekleidet: »Im Vordergrund steht allerdings jetzt«, so schließt die Erklärung der Bischöfe, »die persönliche Zukunft« von Walter Mixa. Nur das Beste für den Bruder.

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Gibt es das, einen falschen Kampf im richtigen? Es war jedenfalls falsch, dass sich die Kirche von Walter Mixa in ein schmutziges Ringen um seinen versuchten Rücktritt vom Rücktritt verwickeln ließ – ein Ringen, das Mixa nicht nützt, das der Kirche aber mit Sicherheit schadet. Und trotzdem war es richtig, dass der oberste bayerische und der oberste deutsche Bischof, Reinhard Marx und Robert Zollitsch, in Rom gemeinsam auf eine Ablösung Mixas drangen. Dass Papst Benedikt XVI., sonst eher zögerlich bei harten Schnitten gegenüber Vertrauten, den Rücktritt seines Duzfreundes Walter binnen 14 Tagen annahm, war ein Zeichen der Unterstützung. Es sind nicht länger nur die einfachen Gläubigen, die an den Klerus strengere Maßstäbe anlegen als noch vor dem Missbrauchsskandal. Selbst im Episkopat gibt es Anzeichen dafür, dass die Zeit der blinden Solidarität unter Bischöfen ihrem Ende entgegengeht.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Das Katholische, Sakrale, das einst den Beteiligten einen heiligen Schauer über den Rücken jagte, ist zur Farce verkommen!
    .
    2. Timotheus 3, 9 Sie werden aber nicht weiter fortschreiten, denn ihr Unverstand wird allen offenbar werden, wie auch der von jenen es wurde.
    .
    Das ist jetzt offensichtlich wieder passiert. Ein Fingerzeig Gottes?

  2. Alkoholmissbrauch, Kindesmissbrauch, Streben nach hohen Ämtern?Sollen dies Vorbilder sein ?

    Menschen, die sich ihren christlichen Glauben gut bezahlen lassen und sich ständig und immer wieder in den Vordergrund stellen:

    Papst, Mixa, Käßmann, Gauck, alle haben eines gemeinsam:
    "Denn sie hatten lieber Ehre bei den Menschen
    als Ehre bei Gott."
    Joh.12,43

    Teilweise entfernt. Verzichten Sie bitte auf das Veröffentlichen langer Zitate, die nicht wesentlich zu Ihrer Argumentation beitragen. Danke. Die Redaktion/sh

    • jumamo
    • 23.06.2010 um 13:00 Uhr

    Oh Herr, gib es doch zu, mein reines Herz
    Schlug Uwe Barschels Ehrenwort um Längen!
    Doch in der Schweizer Badewanne hängen
    Liess ich mich nicht in meinem Abschiedsschmerz:

    Nach Weihrauch, Pomp und frommen Orgelklängen -
    Ratzfatz, mein Schatz! Sic transit gloria mundi.
    Mich, seine erste Wahl, den treuen Fundi
    Liess Duzfreund Ratzinger zum Rücktritt drängen!

    Statt mannhaft mit der bösen Welt zu raufen,
    Muss er von Priesterschuld und Missbrauch flennen -
    Das Allermeiste wäre doch verjährt!

    Sodano, schichte einen Scheiterhaufen!
    Nicht Ketzer, Schwätzer sollen diesmal brennen,
    Denn die Verschwiegenheit war altbewährt!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber jumamo, vielen Dank, welch ein treffliches Sonett!

    Lieber jumamo, vielen Dank, welch ein treffliches Sonett!

  3. Ob Käßmann, oder Mixa.
    Warum kennen Bischöfe/Bischöfin die Bibel nicht?
    Worte aus der Bibel-Lutherübersetzg.
    ..wie ein Bischof (Bischöfin gibt es in der Bibel nicht) sein sollte:

    "Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigensinnig, nicht jähzornig,
    kein Säufer, nicht streitsüchtig,
    nicht schändlichen Gewinn suchen; sondern gastfrei, gütig, besonnen, gerecht, fromm, enthaltsam;
    er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen."
    Tit.1,7-9

    "Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe.
    Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren,
    kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig, einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit.
    Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen? "
    1. Tim.3,1-5

    Was Mixa, Käßmann, Papst und Pfarrer Gauck fehlen ist "Demut",
    sich klein machen,
    nicht nach Großen und Hohem streben.

    Gott ist bei den "Geringen", den "Schwachen und Kranken" und nicht bei den Weisen und Schriftgelehrten.
    (1.Kor.1,18-21 u.1.Kor.1,26-29).

    Jesus sagt in Matth.11,25:
    "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart"

    • jumamo
    • 23.06.2010 um 13:37 Uhr

    Nachdem Bischof Mixa endlich den Rückwärtsgang gefunden hat, ist mein obiges Sonett zum Glück fast gegenstandslos. Ich gönne ihm auch eine Pension als normaler Priester. Er bekommt aber ca. 8000.- Euro Ruhegehalt, die der deutsche Steuerzahler berappt. Könnte nicht der Papst, als kleineWiedergutmachgung für seinen katastrophalen personalpolitischen Fehlgriff, die Differenz zwischen Pfarrer - und Bischofspension aus seiner Privatschatulle begleichen? Strenggenommen war Mixa ja schon als Pfarrer ein Fehlgriff...

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    "Strenggenommen war Mixa ja schon als Pfarrer ein Fehlgriff..."

    Die gesamte Anti-Mixa-Kampagne beruht auf logischen Trugschlüssen - und wieder einer. Wenn er ein personeller Fehlgriff war, hätte man ihn längst entlassen. Was lernen wir, dass er ein hochqualifizierter Katholischer Geistlicher war und ist. Jetzt geht das dann wieder mit der "weg mit den alten Männern"-Kampagne los, d.h. genau diejenigen, die ihr ganzes Leben gerackert haben, um menschliches Leben etwas lebenswert zu gestalten, sollen mit Schimpf und Schande abserviert werden. Wenn es irgendwo etwas Niederträchtiges gibt, dann wird heutzutage flink noch eine Diffamierung drauf gelegt. Wird so nur auf schlechte Sitten ohne Rechtsstaatlichkeit gesetzt, dann werden bald alle moralischen Maßstäbe weggeknickt sein. Da existiert eine Personalakte und da steht etwas Schmieriges drin - wird vermutet - von Datenschutz hat noch nie jemand etwas gehört.

    "Strenggenommen war Mixa ja schon als Pfarrer ein Fehlgriff..."

    Die gesamte Anti-Mixa-Kampagne beruht auf logischen Trugschlüssen - und wieder einer. Wenn er ein personeller Fehlgriff war, hätte man ihn längst entlassen. Was lernen wir, dass er ein hochqualifizierter Katholischer Geistlicher war und ist. Jetzt geht das dann wieder mit der "weg mit den alten Männern"-Kampagne los, d.h. genau diejenigen, die ihr ganzes Leben gerackert haben, um menschliches Leben etwas lebenswert zu gestalten, sollen mit Schimpf und Schande abserviert werden. Wenn es irgendwo etwas Niederträchtiges gibt, dann wird heutzutage flink noch eine Diffamierung drauf gelegt. Wird so nur auf schlechte Sitten ohne Rechtsstaatlichkeit gesetzt, dann werden bald alle moralischen Maßstäbe weggeknickt sein. Da existiert eine Personalakte und da steht etwas Schmieriges drin - wird vermutet - von Datenschutz hat noch nie jemand etwas gehört.

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