Herr Müller möchte sich ein neues Auto kaufen, aber leider hat er dafür nicht genug gespart. Er geht deshalb zu seiner Bank und beantragt einen Kredit über 20.000 Euro. Da Herr Müller ein guter Kunde ist, bekommt er den Kredit gewährt, und die Bank schreibt ihm 20.000 Euro auf seinem Girokonto gut. Auf diese Weise ist Geld geschaffen worden.

Durch die Vergabe von Krediten an ihre Kunden schaffen Banken allgemein Geld. Volkswirte unterscheiden dabei unterschiedliche Konzepte von Geld. Die Geldmenge M1 umfasst Bargeld und Sichtguthaben – also Guthaben auf Girokonten, über die man jederzeit ("auf Sicht") verfügen kann. Die Europäische Zentralbank (EZB) verwendet außerdem M3, das zusätzlich vor allem Termingeld, Sparguthaben und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren umfasst.

Da die Geldschöpfung im Prinzip identisch ist mit der Kreditschöpfung, besteht die Deckung der Geldmenge in den Krediten, die die Banken vergeben haben. Im Idealfall handelt es sich dabei um Kredite für Investitionen, sodass die Zinsen für die Bankeinlagen aus den Erträgen der Investitionen finanziert werden.

Die aktuelle Finanzkrise entstand in erster Linie, weil viele Kredite indes für überteuerte Immobilien an Leute vergeben wurden, die sie sich nicht leisten konnten. Deshalb fehlt es dem Bankensystem an werthaltigen Forderungen, die zur Bedienung der Einlagen erforderlich sind. Ohne staatliche Hilfen hätte man alle Bankeinlagen reduzieren müssen. Also haben die Staaten durch Garantien und die Bereitstellung öffentlicher Mittel dafür gesorgt, dass die Bankbilanzen im Lot geblieben sind. Mit den staatlichen Hilfen wurden nur vordergründig die Banken, tatsächlich aber die Sparer gerettet.

Im Geldschöpfungsprozess spielt die Notenbank eine zentrale Rolle. Diese wird deutlich, wenn wir uns wieder Herrn Müller zuwenden. Nachdem er die Gutschrift auf seinem Girokonto erhalten hat, kann er die Rechnung für das Auto bezahlen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Er kann das Auto bar bezahlen, dazu muss er die 20.000 Euro vom Konto in bar abheben. Oder er überweist den Betrag auf das Girokonto des Autohauses. Im ersten Fall erhöht die Kreditvergabe also den Bargeldumlauf in der Volkswirtschaft. Im zweiten Fall führt das höhere Giroguthaben des Autohauses dazu, dass die betreffende Bank ein höheres Mindestreserveguthaben bei der Notenbank unterhalten muss. Für alle kurzfristigen Einlagen müssen die Banken nämlich ein Reserveguthaben von zwei Prozent bei der Notenbank aufbauen. Die Kreditvergabe einer Bank führt somit dazu, dass entweder mehr Bargeld verwendet wird oder dass die Banken höhere Guthaben bei der Notenbank aufweisen müssen.

Die Summe aus Bargeld und Notenbankguthaben bezeichnet man als Geldbasis, weil es sich dabei um die Grundlage für die Kreditschöpfung der Banken handelt. Der einzige Anbieter für die Geldbasis ist die Notenbank, und genau darin liegt ihre Fähigkeit begründet, gesamtwirtschaftliche Prozesse zu steuern. In der Regel wird die Geldbasis dadurch geschaffen, dass die Notenbank den Banken kurzfristige Refinanzierungskredite anbietet. Dabei wird die Nachfrage über den Leitzins für diese Kredite gesteuert. Als Sicherheit müssen die Banken dafür Wertpapiere bei der Notenbank hinterlegen. Die Geldbasis kann aber auch dadurch ausgeweitet werden, dass eine Notenbank von den Banken Wertpapiere ankauft. Dies wurde in der Vergangenheit vor allem von der US-Notenbank praktiziert. Wenn die EZB derzeit Staatsanleihen von Banken erwirbt, kann sie diese Ausweitung der Geldbasis an anderer Stelle zurücknehmen – etwa indem sie weniger Refinanzierungskredite bereitstellt. Der Ankauf von Anleihen verhindert also grundsätzlich nicht die wirksame Steuerung des Kreditschöpfungsprozesses. Er kann jedoch dazu führen, dass die EZB einen betriebswirtschaftlichen Verlust erleidet, falls die Anleihen nicht ganz zurückgezahlt werden.