Fussball Integration, die Tore schießt
Im Fußball lohnt sich Leistung – ein Vorteil für Migranten.
© ROBERTO SCHMIDT/Getty Images

Alle haben Mesut Özil (M.) lieb, den Migranten, der Tore schießt
Über den mangelnden Integrationswillen der Einwanderer sowie ihren fehlenden Ehrgeiz wird in Deutschland immer viel geklagt. Bestimmt zu Recht, vielleicht zu oft.
Derzeit beschäftigt sich die Nation so sehr mit jungen Einwanderern wie selten zuvor. Sie heißen Sami, Mesut, Miroslav, Marco oder Mario. Legen wir uns diesbezüglich eine ganz einfache Frage vor: Warum hat die Hälfte (11 von 23) der deutschen WM-Kicker nichtdeutsche Wurzeln, obwohl der Anteil der Migranten unter den 20- bis 25-Jährigen in der Bevölkerung nur etwa ein Drittel beträgt (genauer: 1,125 Millionen auf 3,754 Millionen Nur-Deutsche)?
Darauf gibt es eine, sagen wir mal, soziologisch-rassistische Antwort: Sie lautet: Fußball ist ein Sport für Dumme, die Migranten haben im Durchschnitt niedrigere Schulabschlüsse, folglich tummeln sie sich erfolgreich auf Fußballplätzen. Hier liegt jedoch ein Missverständnis vor – und zwar ein sportliches. Der Fußball ist deswegen zur global dominierenden Sportart geworden, weil er zugleich individuell und kollektiv, äußerst schlicht und beliebig komplex ist. Das war er schon immer, viele Intellektuelle und Bildungsbürger haben jedoch ein paar Jahrzehnte gebraucht, um das zu kapieren. Neuerdings kommt hinzu, dass die Anforderungen des modernen Systemspiels und des sich um den Ball herumrankenden Geschäfts immer smartere Fußballer erfordern. Intelligenz und Spielintelligenz werden mehr und mehr zu etwas sehr Ähnlichem.
Die zweite Antwort ist etwas freundlicher, nennen wir sie patriarchalisch-herablassend. Sie lautet: Da die Migranten sonst nur wenige Aufstiegschancen haben, konzentrieren sie sich eben auf den Fußball. Das ist sicher richtig, widerspricht jedoch der Standardklage von den ehrgeizlosen, integrationsunwilligen Migranten in Deutschland. Insbesondere, wenn man sich vor Augen führt, was es bedeutet, Fußballprofi zu werden. Das wird man, wenn es gut läuft, im Alter von 18 oder 19 Jahren. Bis dahin haben diese jungen Männer schon mehr Leistungs- und Konkurrenzdruck hinter sich als die meisten gewöhnlichen Menschen am Ende ihres gesamten Berufslebens. Und das gilt selbst für die vielen Spieler, die es nicht ganz bis in die Bundesliga schaffen. Die elf Migranten, die nun für Deutschland in Südafrika sind, stellen also nur die Spitze einer recht breiten Leistungsbereitschaft dar.
Die richtigste Antwort auf die Eingangsfrage lautet: Der Fußball ist ein Geschäft, bei dem es um Milliardenprofite geht. Vereine und Trainer, die sich da Vorurteile leisten oder deren Integrationsfähigkeit gegenüber talentierten Migranten zu schwach ausgebildet ist, die sind heutzutage schnell weg vom Fenster. (Um mal ein Beispiel zu nennen: Bis vor Kurzem haben es deutsche Trainer noch unterbunden, dass muslimische Jungen aus religiösen Gründen nach dem Training in Unterhose duschen. Mittlerweile sind die Trainer klüger, und die Jungen werden nicht mehr eingeschüchtert.)
Kurzum: Im Fußball wird Leistung relativ objektiv beurteilt und die hohe Integrationsfähigkeit der Mehrheitsgesellschaft mit sehr viel Geld belohnt.
Warum sind elf Migranten im deutschen Nationalteam? Weil sie gut sind.
- Datum 25.06.2010 - 15:37 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26
- Kommentare 20
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Dass man als Profifußballer keinen IQ-Test macht, ist offensichtlich. Es geht um spielerische Leistung. Ob man einen hohen IQ hat bzw. einen hohen Abschluss erlangt hat, spielt keine Rolle. Außerdem kann man trotz hohen Abschlusses immer noch "dumm" sein.
Slogans wie "Im Fußball lohnt sich Leistung" und "Fußball ist ein Sport für Dumme" sind einfach daneben.
Möchte sich Bernd Ulrich lediglich profilieren oder wurde er beim Sport nie in eine Mannschaft gewählt?
Sie glauben wohl, indem Sie Ihre These bewusst rassistisch nennen, nehmen Sie der Kritik den Wind aus den Segeln. Leider zeugt es nur von Ihrer Unfähigkeit sich vernünftig zu äußern. Ein weiterer Beweis ist Ihre Verbindung "Sport für Dumme"="Vorteil für Migranten".
Die Zeit verliert allmählich an Niveau.
Ich glaube Sie haben den Artikel missverstanden. Der Autor versucht doch, die ersten Thesen zu widerlegen.
Der Aufbau von Ulrichs Artikel folgt einer klassischen Diskussion mit den weniger sinnvollen Thesen im Anfang und der/den relevanten These/n zum Schluss:
"Warum sind elf Migranten im deutschen Nationalteam? Weil sie gut sind."
Nach meiner Ansicht schließen sie aus dem Artikel falsche Erkenntnisse. Der Autor versucht einen Trend bzw. eine soziologisch erklärbare Entwicklung darzustellen. Im Prinzip ist der Text nur durch das Wort "Leistung" angreifbar. Damit behauptet er "zwischen den Zeilen", dass außerhalb des Fussballs diese nicht mehr zählt. Möglicherweise hat er recht!?
Ich wünsche allen ein schönes Deutschlandspiel am Sonntag!
Ich glaube Sie haben den Artikel missverstanden. Der Autor versucht doch, die ersten Thesen zu widerlegen.
Der Aufbau von Ulrichs Artikel folgt einer klassischen Diskussion mit den weniger sinnvollen Thesen im Anfang und der/den relevanten These/n zum Schluss:
"Warum sind elf Migranten im deutschen Nationalteam? Weil sie gut sind."
Nach meiner Ansicht schließen sie aus dem Artikel falsche Erkenntnisse. Der Autor versucht einen Trend bzw. eine soziologisch erklärbare Entwicklung darzustellen. Im Prinzip ist der Text nur durch das Wort "Leistung" angreifbar. Damit behauptet er "zwischen den Zeilen", dass außerhalb des Fussballs diese nicht mehr zählt. Möglicherweise hat er recht!?
Ich wünsche allen ein schönes Deutschlandspiel am Sonntag!
über eine Predigt mit erhobenem Zeigefinger.
Was sich eigentlich gehört, ist ein kräftiges
"Herzlichen Glückwunsch, und weiter so!"
Wenn mir jetzt nochmal jemand erklärt, was "Integration" eigentlich sein soll, außer einem "Buzzword", unter welchem sich jeder was anderes vorstellen kann ...
(PS: Was soll der Blödsinn mit den "Unterhosen beim Duschen" (haben die weder Kabinen noch Vorhänge?) - da fragt doch mal bei den "Evangelikalen" nach, mit denen Wulff angeblich "kungelt" - oder bei der letzlich so vielgescholtenen kath. Kirche)
"Es geht doch ncihts über eine Predigt mit erhobenem Zeigefinger.
Was sich eigentlich gehört, ist ein kräftiges
"Herzlichen Glückwunsch, und weiter so!"
Wenn mir jetzt nochmal jemand erklärt, was "Integration" eigentlich sein soll, außer einem "Buzzword", unter welchem sich jeder was anderes vorstellen kann ..."
Kein Tag ohne eine Predigt mit volkspädagogischer Absicht, welche gegen Behauptungen polemisiert, die niemand aufgestellt hat. Oder wie darf man den hochgestreckten moralinsauren Zeigefinger von Herrn Ulricht sonst verstehen? Normalerweise würden sich 95 % aller Fans nichts dabei denken, als das es hoffentlich schöne Spiele mit diesem Kader geben wird.
"Es geht doch ncihts über eine Predigt mit erhobenem Zeigefinger.
Was sich eigentlich gehört, ist ein kräftiges
"Herzlichen Glückwunsch, und weiter so!"
Wenn mir jetzt nochmal jemand erklärt, was "Integration" eigentlich sein soll, außer einem "Buzzword", unter welchem sich jeder was anderes vorstellen kann ..."
Kein Tag ohne eine Predigt mit volkspädagogischer Absicht, welche gegen Behauptungen polemisiert, die niemand aufgestellt hat. Oder wie darf man den hochgestreckten moralinsauren Zeigefinger von Herrn Ulricht sonst verstehen? Normalerweise würden sich 95 % aller Fans nichts dabei denken, als das es hoffentlich schöne Spiele mit diesem Kader geben wird.
Vielleicht wird die Rolle der nichtdeutschen Herkunft unserer besten Spieler ja überbewertet.
Eventuell spielt eine größere Rolle, daß viele Migranten oft wesentlich früher ihre Kinder bekommen als die Deutschen der Verfallszeit (die vor langer, langer Zeit ja auch mal mit 18 oder 19 Jahren anfingen; heute spräche man da von “Teenagerschwangerschaften”).
Ich stelle mal eine gewagte These in den Raum: Vielleicht sezten junge Eltern, egal welcher Herkunft, eher sportliche, gesunde Menschen in die Welt, wahrend Ü-30-Eltern tendenziell kränkliche, dafür aber hyperintelligente Computer-Nerds produzieren, die in online-Foren debattieren? :-)
Ich glaube Sie haben den Artikel missverstanden. Der Autor versucht doch, die ersten Thesen zu widerlegen.
Der Aufbau von Ulrichs Artikel folgt einer klassischen Diskussion mit den weniger sinnvollen Thesen im Anfang und der/den relevanten These/n zum Schluss:
"Warum sind elf Migranten im deutschen Nationalteam? Weil sie gut sind."
Heißt doch: Gebt dem freien Markt mehr Macht und weniger den Integrationspolitikern.
Interessant der internationale Vergleich:
Deutschland ist nach dem unrühmlichen Ausscheiden Frankreichs eines der wenigen verbliebenen Multikulti-Teams!
England und Holland haben eine Menge Spieler bereits gemischter (und daher weitgehend assimilierter) Herkunft, ähnlich wie die USA, der „Melting Pot“, oder Brasilien, evtl. auch Mexiko. Letztere beiden Länder sind herkunftsmäßig gemischt, aber kulturell recht homogen (Katholizismus)
Ethnisch und kulturell sehr homogen (bis auf einige wenige Ausnahmen)sind/waren die Mannschaften von Italien, Serbien, der Slowakei, Spanien, Japan, Korea, Dänemark, Griechenland sowie sämtliche afrikanischen Mannschaften, einmal abgesehen von Kevin-Prince Boateng.
Argentinien und Uruguay sind ebenfalls ethnisch homogener als man glauben sollte. 80% aller Argentinier, habe ich mal gehört, sind italienischer und/oder spanischer Abstammung, was allerdings nur bedeutet, daß 80% der Argentinier mindestens je einen italienischen oder spanischen Vorfahren haben. Der Rest verteilt sich aber größtenteils auf andere europäische Einwanderer: Deutsche, Polen, Iren, Südosteuropäer etc. Der Anteil afrikanisch- oder indianischstämmiger Menschen in Argentinien und Uruguay ist dagegen verschwindend gering.
Fazit: Nur europäische Teams (aber bei Weitem nicht alle) plus USA spielen mit Multikulti-Teams, alle anderen sind ethnisch ziemlich homogen.
Naja, mal sehen, wer am Ende das Rennen macht...
Ich frage mich, wann endlich der Tag anbrechen wird, an dem 11 Spieler mit Migrationshintegrund im Kader der Nationalmannschaft sind, ohne dass die Leitmedien darüber gleich eine Debatte aufziehen (ob positiv oder negativ). An diesem Tag wird Deutschland Integrationsland Numero 1 sein
Entfernt. Verzichten Sie bitte auf beleidigende Bemerkungen und beteiligen Sie sich stattdessen mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sh
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