Über den mangelnden Integrationswillen der Einwanderer sowie ihren fehlenden Ehrgeiz wird in Deutschland immer viel geklagt. Bestimmt zu Recht, vielleicht zu oft.

Derzeit beschäftigt sich die Nation so sehr mit jungen Einwanderern wie selten zuvor. Sie heißen Sami, Mesut, Miroslav, Marco oder Mario. Legen wir uns diesbezüglich eine ganz einfache Frage vor: Warum hat die Hälfte (11 von 23) der deutschen WM-Kicker nichtdeutsche Wurzeln, obwohl der Anteil der Migranten unter den 20- bis 25-Jährigen in der Bevölkerung nur etwa ein Drittel beträgt (genauer: 1,125 Millionen auf 3,754 Millionen Nur-Deutsche)?

Darauf gibt es eine, sagen wir mal, soziologisch-rassistische Antwort: Sie lautet: Fußball ist ein Sport für Dumme, die Migranten haben im Durchschnitt niedrigere Schulabschlüsse, folglich tummeln sie sich erfolgreich auf Fußballplätzen. Hier liegt jedoch ein Missverständnis vor – und zwar ein sportliches. Der Fußball ist deswegen zur global dominierenden Sportart geworden, weil er zugleich individuell und kollektiv, äußerst schlicht und beliebig komplex ist. Das war er schon immer, viele Intellektuelle und Bildungsbürger haben jedoch ein paar Jahrzehnte gebraucht, um das zu kapieren. Neuerdings kommt hinzu, dass die Anforderungen des modernen Systemspiels und des sich um den Ball herumrankenden Geschäfts immer smartere Fußballer erfordern. Intelligenz und Spielintelligenz werden mehr und mehr zu etwas sehr Ähnlichem.

Die zweite Antwort ist etwas freundlicher, nennen wir sie patriarchalisch-herablassend. Sie lautet: Da die Migranten sonst nur wenige Aufstiegschancen haben, konzentrieren sie sich eben auf den Fußball. Das ist sicher richtig, widerspricht jedoch der Standardklage von den ehrgeizlosen, integrationsunwilligen Migranten in Deutschland. Insbesondere, wenn man sich vor Augen führt, was es bedeutet, Fußballprofi zu werden. Das wird man, wenn es gut läuft, im Alter von 18 oder 19 Jahren. Bis dahin haben diese jungen Männer schon mehr Leistungs- und Konkurrenzdruck hinter sich als die meisten gewöhnlichen Menschen am Ende ihres gesamten Berufslebens. Und das gilt selbst für die vielen Spieler, die es nicht ganz bis in die Bundesliga schaffen. Die elf Migranten, die nun für Deutschland in Südafrika sind, stellen also nur die Spitze einer recht breiten Leistungsbereitschaft dar.

Die richtigste Antwort auf die Eingangsfrage lautet: Der Fußball ist ein Geschäft, bei dem es um Milliardenprofite geht. Vereine und Trainer, die sich da Vorurteile leisten oder deren Integrationsfähigkeit gegenüber talentierten Migranten zu schwach ausgebildet ist, die sind heutzutage schnell weg vom Fenster. (Um mal ein Beispiel zu nennen: Bis vor Kurzem haben es deutsche Trainer noch unterbunden, dass muslimische Jungen aus religiösen Gründen nach dem Training in Unterhose duschen. Mittlerweile sind die Trainer klüger, und die Jungen werden nicht mehr eingeschüchtert.)

Kurzum: Im Fußball wird Leistung relativ objektiv beurteilt und die hohe Integrationsfähigkeit der Mehrheitsgesellschaft mit sehr viel Geld belohnt.

Warum sind elf Migranten im deutschen Nationalteam? Weil sie gut sind.