Vertreibung Freske des AlbtraumsSeite 2/2
Das vorliegende Lexikon könnte der wissenschaftliche Auftakt sein, eine »Freske«, für eine europäische Erzählung, in die später die Biografien der Betroffenen eingewoben werden. Diese Erzählung kann getrost kontrovers verlaufen, muss nicht stromlinienförmig angelegt sein. Europäisches Aufarbeiten und Erinnern sowie nationales Gedenken müssen sich nicht ausschließen; Grundvoraussetzung ist eine natürliche Offenheit und Neugier, auch den anderen Blickwinkel kennenlernen und verstehen zu wollen. Das vorliegende Opus leistet dazu einen epochalen Beitrag, es ist ein Meilenstein angesichts der Tatsache, dass erst vor zwanzig Jahren die trennenden Grenzzäune niedergerissen wurden.
Dieses Buch macht Mut. In vielen Sprachen unseres Kontinents sollte es Verbreitung finden. Es weist auf die Menschheitsdimension des Heimatverlustes hin und stellt eine enzyklopädische Chronik der Tragödie unseres Kontinents dar.
- Datum 05.07.2010 - 16:10 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26
- Kommentare 5
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Nun es ist schon ein Unterscheid, ob ich meine Heimat verlasse, weil naturgegebene Umstände mich dazu zwingen, (siehe germanische Stämme) oder jemand mir eine MG vor die Nase hält. Der Vergleich hinkt also ein bisschen.
Was soll uns Ihr Kommentar eigentlich sagen?
Dass Wanderungsbewegungen und Vertreibungen ein und dasselbe sind?
Oder dass Vertreibungen so alltäglich waren und sind, dass es sich nicht lohnt, darüber nachzudenken?
Nun, ich nehme einmal an, dass selbst Ihre Wahrnehmung Vertreibung und Wanderung als offensichtlich grundverschieden erkennt.
Bleibt also das Argument der Nichtigkeit weil alltäglich.
Menschen sind schon immer - und in extremen Ausmassen (vgl. Pest) - an Krankheiten gestorben. Warum also gross darüber nachdenken? Medizin entwickeln? Hygienebestimmungen erlassen? Alles lächerlich, weil Krankheit ja so alltägich ist?
Ach ja: sie können statt "Krankheit" auch beliebig "Mord", "Folter", etc. einsetzen. Alles nicht wert, darüber nachzudenken?
Sorry, aber lächerlich ist IMHO lediglich Ihre Betrachtungsweise.
Argusaugen, die Tatsache allein, dass in dem hier besprochenen Buch nur die Vertreibungen der letzten hundert Jahre dargestellt werden, bedeutet ja nicht automatisch, dass die zuvor stattgefundenen nicht gesehen werden. Und es ist dem Verständnis und der Genauigkeit einer Darstellung ja nur dienlich, eine zeitliche und räumliche Eingrenzung des Themas zu machen - ein Buch, das alle von Ihnen genannten Vertreibungen beinhalten würde, wäre wohl vom Umfang her, wollte man eine genaue Darstellung machen, eine ganze Enzyklopädie.
Wie tief die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung auch nachfolgende Generationen beeinflußen kann erlebe ich immer wieder im Rahmen der sytemischen Arbeit. Selbst bei Menschen, die ihre Flucht scheinbar ohne nchhaltige Belastungen verarbeitet haben zeigt sich spätestens in den darauffolgenden Generationen immer wieder die Auswirkung.
Durch die Anerkennung des Leides, das Flucht und Vertreibung auslösen, wird ein wichtiger Schritt zur Heilung der Folgen getan. Ein Buch wie das hier vorliegende kann dabei eine große Hilfe zum besseren Verständnis sein.
Das klingt zunächst für manche, die aktuell aus ihren Heimatländern vertrieben worden sind, etwas abseitig und einige werden es als zynisch einordnen. Aber die Menschheitsgeschichte ist geprägt von Kriegen, Vertreibungen, Unterdrückungen oder Epidemien, die Wanderungsbewegungen auslösten. Es geht nicht nur um gewaltsame Vertreibungen, sondern auch um Fluchtbewegungen. Die Iren flohen aus Hunger und Not massenweise in die USA umsiedelten, Süditaliener strebten nach Norden, um überleben zu können.
Weltweite ethnologische Verschiebungen nach dem Ende der Kolonialzeit in Afrika und Asien trieb viele Menschen aus den ehemaligen Kolonien aus Angst vor einer ungewissen Zukunft in die Länder, die sie vorher noch unterdrückt hatten. Der Genozid an den Armeniern, den Juden oder den Indianern und die daraus resultierende Vertreibung der letzten Überlebenden sind die furchtbarsten Folgen rassistischer Ideologieentgleisungen. Dort wo die einen vertrieben worden waren, wurden andere angesiedelt, so entstanden weltweit ständige Wanderungsbewegungen. Die Vertreibungen in Europa basieren auf den unmenschlichsten politischen Entwicklungen und auch wenn sie in keinster Weise zu rechtfertigen sind, so geschah allein in Deutschland durch den Zustrom der Menschen aus den Ostgebieten eine neue Gesellschaftsform, die nach einiger Zeit vielen Menschen trotz alledem große Lebenschancen eröffnete. Die Integration war schwierig und dauerte, aber sie gelang letztendlich. Das lässt hoffen.
W. Neisser
Hier rechts wirbt ProSieben-Games mit Wonder King offenbar für Prügelspiel. Ich sehe ein ängstliches, rosafarbenes kleines Ding, das dem Heulen nahe ist. „Mach ihn fertig!“ steht da.
Natürlich ist Verbreitung Bestandteil unserer Kultur, das ist Duschen, Mord und Hunger ebenfalls. Trotzdem verurteilen wir Mord, versuchen manche (nicht alle) von Hunger zu bewahren und empfehlen anderen das Duschen.
Ich verstehe die vorangegangenen Kommentare nicht ganz. Was für Einsichten soll ich daraus gewinnen? Der Zeit-Beitrag gehört gewiss nicht zu den innovativsten, aber erinnert mich an das Leid von Menschen, die eventuell noch leben. Ich kann dem nichts Schlechtes abgewinnen. Und zynische Bemerkungen, ja, das habe so zu sein, wäre so schon immer gewesen und Aus sind so überflüssig wie der Hinweis auf Kain und Abel zum Mordvergleich.
Persönlich hätte ich mich über eine Analyse darüber gefreut, warum Institutionen, Personen oder Kollektive andere überhaupt verdrängen. Verdrängung, Vertreibung gehören zu den gewalttätigen Diskursmitteln, gefolgt auf Mord und Massenmord. Zu Gewalt gehört ebenso Ignoranz, mancher Zynismus und Aussperrung. Und, dass manche Gewalt nötig ist, um Gruppen zu dirigieren, erkennen wir bspw. daran, dass die Zeit-Redaktion (soweit ich das von hier aus erkennen kann) den einen oder anderen Beitrag sperrt, redigiert, löscht, um dem Gros an Benutzern zu helfen, wissend, dass sie damit einer oder wenigen erheblich schaden. Doch das ginge jetzt vermutlich zu weit...
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