USA "Ärzte haben für die Bush-Regierung Foltermethoden erforscht"

Der amerikanische Mediziner Scott Allen wirft Kollegen vor, für die Bush-Regierung Foltermethoden erforscht zu haben.

Häftlinge müssen sich im Oktober 2009 im US-Militärgefängnis Guantanamo an einer Mauer aufstellen. Mediziner sollen sich an ethisch verwerflichen Verhörmethoden beteiligt haben, sagt Scott Allen

Häftlinge müssen sich im Oktober 2009 im US-Militärgefängnis Guantanamo an einer Mauer aufstellen. Mediziner sollen sich an ethisch verwerflichen Verhörmethoden beteiligt haben, sagt Scott Allen

DIE ZEIT: Ihre Organisation Ärzte für Menschenrechte hat aufgedeckt, dass nach dem 11. September Mediziner an den Verhören der CIA beteiligt waren. Nun haben Sie eine neue Studie vorgelegt: Experimente unter Folter. Das klingt nach noch dramatischeren Vorwürfen.

Scott A. Allen: Wir haben klare Belege dafür, dass die gleichen Ärzte sich an ethisch verwerflichen Experimenten mit Häftlingen beteiligt haben, während diese unter unmoralischen Bedingungen verhört wurden.

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ZEIT: Nach dem Nürnberger Kodex von 1947 ist es Ärzten untersagt, medizinische Versuche an Menschen durchzuführen, wenn diese ohne Einwilligung oder unter Zwang geschehen. Um was für Experimente handelt es sich?

Allen: Die Ärzte haben zum Beispiel die Methode des waterboarding näher erforscht…

ZEIT: …jene Foltermethode, bei der ein drohendes Ertrinken simuliert wird.

Allen: Sie waren angewiesen, jeden Schritt genau zu protokollieren: Wie lange die Prozedur dauerte, wie viel Wasser wie genau in Mund und Nase des Häftlings gegossen wurde, wie viel danebenspritzte, welchen Eindruck der Häftling machte und so weiter. Diese Daten sollten später der ärztlichen Beurteilung dienen. Die Mediziner hatten also den Auftrag, die Methode wissenschaftlich zu entwickeln und zu verfeinern.

ZEIT: Sie haben zwei Jahre lang recherchiert, auf welche Daten stützen Sie sich?

Allen: Ausschließlich auf öffentlich zugängliche Regierungsdokumente, darunter auf den Untersuchungsbericht der CIA von 2004. Diese Papiere sind stark geschwärzt. Es ist bemerkenswert, dass wir schon in diesen zensierten Fassungen klare Belege für die Vergehen gefunden haben. Wahrscheinlich ist das nur die Spitze des Eisbergs.

ZEIT: Hat sich der Geheimdienst CIA nicht rechtlich abgesichert?

Allen: Die Bush-Regierung war – entgegen aller Expertenmeinungen – fest entschlossen, Foltermethoden in den CIA-Verhören anwenden zu lassen. Um das Programm umzusetzen, brauchte sie Ärzte. Diese Ärzte brauchten wiederum eine juristische Garantie, dass ihr Handeln rechtens war. Die Richter schließlich brauchten ärztliche Gutachten, um die Methoden für legal zu erklären. Die Argumentation dreht sich also im Kreis. 

Leser-Kommentare
  1. "Allen: Die Ärzte haben zum Beispiel die Methode des waterboarding näher erforscht…

    ZEIT: …jene Foltermethode, bei der ein drohendes Ertrinken simuliert wird."

    Der Beitrag ist zweifellos interessant.

    Etwas zur Form, am Rande: Ich wäre dankbar dafür, wenn die Redaktion die Interviews nicht soweit abfälschen würde, dass den Sprechern ganze Worte in den Mund gelegt werden. Ich kenne dieses Verfahren. Man lockert oder zerbröselt Aussagen, oder weicht diese um Erklärungsabsätze auf, um sie den Leser schmackhafter zu machen. Mir läuft bei derart groben Schnitzern jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken.

    Es spricht nichts gegen erläuternde Absätze zwischen den Aussagen, so wie ich das schon desöfteren auch in Die Zeit gesehen habe. Es spricht aber etwas dagegen, sich doer anderen Aussagen in den Mund zu legen, die schlichtweg unecht sind. Und ich verstehe durchaus, dass der Interviewer gerade seine Fragen häufig besser transkribiert als sie wirklich gestellt wurden. Vor sehr groben Schnitzern würde ich mich allerdings in Acht nehmen.

    Andernfalls experimentieren die Zeit-Autoren an nichts anderem als an der Glaubwürdigkeit Ihrer so genannten qualitätsjournalistischen Beiträge, was unnötig ist.

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    Redaktion

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird mir noch nicht ganz klar, an welcher Stelle dieses Gespräches aus der gedruckten ZEIT ihrer Meinung nach dem Interviewpartner etwas in den Mund gelegt wird.

    In dem von Ihnen zitierten Teil wird ja lediglich das Wort Waterboarding erklärt, denn nicht jeder Leser weiß wohl, was das ist.

    Daher finde ich die Kritik an dieser Stelle nicht berechtigt.

    Herzliche Grüße.

    Entschuldigung,

    aber woran stören Sie sich eigentlich?

    Zitat Kommentar
    "Ich wäre dankbar dafür, wenn die Redaktion die Interviews nicht soweit abfälschen würde, dass den Sprechern ganze Worte in den Mund gelegt werden"

    Der Interviewte selbst hat den Begriff des Waterboarding verwendet, und die Nachfrage des Interviewers diente wohl eher der Übereinstimmung der Begriffsverwendung (simuliertes Ertränken) als der Vermutung, der Interviewte spreche hier möglicherweise über eine neue Form des amerikanischen Wasserski.

    „Es spricht aber etwas dagegen, sich doer anderen Aussagen in den Mund zu legen, die schlichtweg unecht sind“

    Was bitte halten Sie hieran für unecht?

    Selbst Präsident Obama hat den Begriff des waterboarding in seiner „100-Tage-im-Amt“ Rede ausdrücklich als Folter erklärt und strikt abgelehnt– etwas, was die Regierung Bush generell bestritten hatte.

    Redaktion

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird mir noch nicht ganz klar, an welcher Stelle dieses Gespräches aus der gedruckten ZEIT ihrer Meinung nach dem Interviewpartner etwas in den Mund gelegt wird.

    In dem von Ihnen zitierten Teil wird ja lediglich das Wort Waterboarding erklärt, denn nicht jeder Leser weiß wohl, was das ist.

    Daher finde ich die Kritik an dieser Stelle nicht berechtigt.

    Herzliche Grüße.

    Entschuldigung,

    aber woran stören Sie sich eigentlich?

    Zitat Kommentar
    "Ich wäre dankbar dafür, wenn die Redaktion die Interviews nicht soweit abfälschen würde, dass den Sprechern ganze Worte in den Mund gelegt werden"

    Der Interviewte selbst hat den Begriff des Waterboarding verwendet, und die Nachfrage des Interviewers diente wohl eher der Übereinstimmung der Begriffsverwendung (simuliertes Ertränken) als der Vermutung, der Interviewte spreche hier möglicherweise über eine neue Form des amerikanischen Wasserski.

    „Es spricht aber etwas dagegen, sich doer anderen Aussagen in den Mund zu legen, die schlichtweg unecht sind“

    Was bitte halten Sie hieran für unecht?

    Selbst Präsident Obama hat den Begriff des waterboarding in seiner „100-Tage-im-Amt“ Rede ausdrücklich als Folter erklärt und strikt abgelehnt– etwas, was die Regierung Bush generell bestritten hatte.

  2. ...hergeben abschreckend zu bestrafen, so sehr sollte man sich an das "Nürnberger Protokoll" halten:

    Erst die Führer bestrafen, die das Unheil angeordnet haben, dann die Helfershelfer und Mittläufer belangen.

  3. Redaktion

    vielen Dank für den Hinweis. Allerdings wird mir noch nicht ganz klar, an welcher Stelle dieses Gespräches aus der gedruckten ZEIT ihrer Meinung nach dem Interviewpartner etwas in den Mund gelegt wird.

    In dem von Ihnen zitierten Teil wird ja lediglich das Wort Waterboarding erklärt, denn nicht jeder Leser weiß wohl, was das ist.

    Daher finde ich die Kritik an dieser Stelle nicht berechtigt.

    Herzliche Grüße.

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    Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!

    Bei einer Simulation wird der siumlierte Fall nämlich nicht wirklich reproduziert. Ist mir auch ganz recht so, wenn ich an Simulationsübungen in Atomkraftwerken denke.

    Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt. Ganz real! Meistens geht es "gut" und man verpasst den entscheidenden Moment nicht - welcher zum Tode durch Ertrinken führt. Manchmal aber ertrinkt der Gefolterte durch das Waterboarding. Und da wird dann auch kein Tod simuliert. Nein! Das Ertrinken und der Tod sind so richtig echt und ganz und gar wirklich!

    Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!

    Bei einer Simulation wird der siumlierte Fall nämlich nicht wirklich reproduziert. Ist mir auch ganz recht so, wenn ich an Simulationsübungen in Atomkraftwerken denke.

    Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt. Ganz real! Meistens geht es "gut" und man verpasst den entscheidenden Moment nicht - welcher zum Tode durch Ertrinken führt. Manchmal aber ertrinkt der Gefolterte durch das Waterboarding. Und da wird dann auch kein Tod simuliert. Nein! Das Ertrinken und der Tod sind so richtig echt und ganz und gar wirklich!

  4. Entschuldigung,

    aber woran stören Sie sich eigentlich?

    Zitat Kommentar
    "Ich wäre dankbar dafür, wenn die Redaktion die Interviews nicht soweit abfälschen würde, dass den Sprechern ganze Worte in den Mund gelegt werden"

    Der Interviewte selbst hat den Begriff des Waterboarding verwendet, und die Nachfrage des Interviewers diente wohl eher der Übereinstimmung der Begriffsverwendung (simuliertes Ertränken) als der Vermutung, der Interviewte spreche hier möglicherweise über eine neue Form des amerikanischen Wasserski.

    „Es spricht aber etwas dagegen, sich doer anderen Aussagen in den Mund zu legen, die schlichtweg unecht sind“

    Was bitte halten Sie hieran für unecht?

    Selbst Präsident Obama hat den Begriff des waterboarding in seiner „100-Tage-im-Amt“ Rede ausdrücklich als Folter erklärt und strikt abgelehnt– etwas, was die Regierung Bush generell bestritten hatte.

  5. Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!

    Bei einer Simulation wird der siumlierte Fall nämlich nicht wirklich reproduziert. Ist mir auch ganz recht so, wenn ich an Simulationsübungen in Atomkraftwerken denke.

    Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt. Ganz real! Meistens geht es "gut" und man verpasst den entscheidenden Moment nicht - welcher zum Tode durch Ertrinken führt. Manchmal aber ertrinkt der Gefolterte durch das Waterboarding. Und da wird dann auch kein Tod simuliert. Nein! Das Ertrinken und der Tod sind so richtig echt und ganz und gar wirklich!

    Antwort auf "Lieber Leser,"
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    "Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!"

    Falsch.

    Es wird simuliert- siehe Wortbedeutung simulieren
    lt. DUDEN online

    si|mu|lie|ren [lat. simulare, eigtl. = ähnlich machen, nachbilden; nachahmen, zu: similis = ähnlich]

    i.S. von vortäuschen...(s. auch Synonymwörterbuch)

    "Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt."

    Ganz falsch, denn lt. DUDEN bedeutet ertränken töten

    1. er|trän|ken [mhd. ertrenken]:

    durch Untertauchen im Wasser töten:
    er ertränkte die ...

    Ziel des Waterboarding ist die Folter aus verschiedenen Gründen und Zielen (u.a. um an Informationen zu gelangen, Widerstand zu brechen, Angst zu verbreiten etc.) jedoch nicht die unmittelbareAbsicht des Tötens an sich

    "Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!"

    Falsch.

    Es wird simuliert- siehe Wortbedeutung simulieren
    lt. DUDEN online

    si|mu|lie|ren [lat. simulare, eigtl. = ähnlich machen, nachbilden; nachahmen, zu: similis = ähnlich]

    i.S. von vortäuschen...(s. auch Synonymwörterbuch)

    "Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt."

    Ganz falsch, denn lt. DUDEN bedeutet ertränken töten

    1. er|trän|ken [mhd. ertrenken]:

    durch Untertauchen im Wasser töten:
    er ertränkte die ...

    Ziel des Waterboarding ist die Folter aus verschiedenen Gründen und Zielen (u.a. um an Informationen zu gelangen, Widerstand zu brechen, Angst zu verbreiten etc.) jedoch nicht die unmittelbareAbsicht des Tötens an sich

  6. So etwas hatten wir hier doch vor mehreren Jahrzehnten auch einmal. Was machte man normalerweise mit den Tätern? Sie kamen vors Kriegsgericht und ihnen wurde der Prozeß gemacht. Was würde das heute bedeuten? Die betreffenden Ärzte samt ihren Präsidenten müßten nach Den Haag. Aber darauf können wir vermutlich bis zum St. Nimmerleins - Tag warten. Während man heute noch (steinalte) Kriegsverbrecher der Nazizeit vor Gericht bringt, bleiben so manche aktuellen Kriegsverbrecher außen vor. Man muß wohl nur zu den sogenannten "Guten" gehören.

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    ..."Ich habe hier nicht gelernt das man keine Kriegsverbrechen begeben sollte, aber sehrwohl das man keine Kriege verlieren sollte"

    Frei zitiert, vielleicht kennt jemand die Quelle.

    q.e.d.

    ..."Ich habe hier nicht gelernt das man keine Kriegsverbrechen begeben sollte, aber sehrwohl das man keine Kriege verlieren sollte"

    Frei zitiert, vielleicht kennt jemand die Quelle.

    q.e.d.

  7. ..."Ich habe hier nicht gelernt das man keine Kriegsverbrechen begeben sollte, aber sehrwohl das man keine Kriege verlieren sollte"

    Frei zitiert, vielleicht kennt jemand die Quelle.

    q.e.d.

  8. "Beim Waterboarding wird Ertrinken gerade _nicht_ simuliert!"

    Falsch.

    Es wird simuliert- siehe Wortbedeutung simulieren
    lt. DUDEN online

    si|mu|lie|ren [lat. simulare, eigtl. = ähnlich machen, nachbilden; nachahmen, zu: similis = ähnlich]

    i.S. von vortäuschen...(s. auch Synonymwörterbuch)

    "Beim Waterboarding wird aber der Gefolterte ertränkt."

    Ganz falsch, denn lt. DUDEN bedeutet ertränken töten

    1. er|trän|ken [mhd. ertrenken]:

    durch Untertauchen im Wasser töten:
    er ertränkte die ...

    Ziel des Waterboarding ist die Folter aus verschiedenen Gründen und Zielen (u.a. um an Informationen zu gelangen, Widerstand zu brechen, Angst zu verbreiten etc.) jedoch nicht die unmittelbareAbsicht des Tötens an sich

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