Frühgeburten »Ich hatte nur noch Angst«

Immer mehr Frühgeborene überleben. Für Eltern und Kinder ist dies aber erst der Beginn eines langen Kampfes

Dieser Junge wurde auf Haiti geboren. Viel zu früh. In Deutschland haben Frühchen gute Überlebenschancen. Doch je jünger die Kinder, die die Ärzte durchbringen, desto schwerer die Folgeschäden

Dieser Junge wurde auf Haiti geboren. Viel zu früh. In Deutschland haben Frühchen gute Überlebenschancen. Doch je jünger die Kinder, die die Ärzte durchbringen, desto schwerer die Folgeschäden

Es ist kaum zu glauben, dass das, was da im Inkubator liegt, ein echter Mensch sein soll. Winzig klein, mit durchscheinender Haut und einem Eierwärmer auf dem Kopf. »Rückblickend sah das richtig drollig aus«, erinnert sich Anita Stacha an die ersten Tage ihres Sohnes. »Aber ich war natürlich wahnsinnig erschrocken, als ich mein kleines Alien da liegen sah.« Das Alien war ihr Sohn René-Noel, 15 Wochen zu früh geboren, 650 Gramm leicht. Lange kämpften die Ärzte um sein Leben.

Den heute siebenjährigen René-Noel scheint nichts mehr mit dieser Handvoll Leben auf den Fotos zu verbinden, den schweren Start sieht man ihm nicht an. Dennoch: »Man merkt es«, sagt seine Mutter, »auch wenn er sich inzwischen unwahrscheinlich gut entwickelt hat. Frühchen wie er haben in aller Regel noch jahrelang zu kämpfen.«

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Etwa 60.000 Kinder im Jahr kommen in Deutschland vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt und gelten als Frühgeborene. Rund 8000 werden noch vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren, oft wiegen sie weniger als 1000 Gramm. Die Chancen, diesen Frühstart zu überleben, stehen heute besser denn je. Doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie Schäden zurückbehalten.

Von 200 Frühchen, die zwischen 1993 und 1998 mit einem Gewicht von unter 1000 Gramm im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover geboren wurden, haben 173 überlebt. Eine Langzeitstudie zeigt, dass fast die Hälfte von ihnen sich normal entwickelt hat, ein gutes Drittel aber Entwicklungsdefizite zeigt. 16 Prozent sind heute schwerbehindert.

Was sich hinter den Zahlen verbirgt, weiß Anita Stacha aus eigener Erfahrung. Die Liste von René-Noels Problemen ist lang: Mit knapp zwei Monaten musste er wegen eines Leistenbruchs operiert werden, er hatte Probleme mit den Augen und erlitt eine Gehirnblutung. Als ihr Kind 19 Wochen später endlich nach Hause kam, mussten Atmung und Sauerstoffversorgung mit einem Monitor überwacht werden. »Den haben wir zwei Jahre lang behalten. In der Zeit musste ich ihn zweimal wiederbeleben, weil er aufgehört hatte zu atmen.«

Wie sie ihr Kind ins Leben zurückholt, hatte Anita Stacha zuvor in einem speziellen Reanimationskurs gelernt. Wie sie die ständige Angst um René überwinden sollte, hat ihr jedoch niemand sagen können. »Man kommt nie zur Ruhe. Erst hat ständig der Monitor gepiepst, danach war ich permanent in Sorge, René-Noel könnte aufgehört haben zu atmen.« Die massiven Schlafstörungen ihres Sohnes und seine Probleme beim Essen erschwerten den Alltag zusätzlich. Im Laufe der Jahre wurden Entwicklungsverzögerungen sichtbar. Wegen einer Minderentwicklung der Lunge erlitt René-Noel immer wieder Lungenentzündungen. »Infekte gab’s sowieso dauernd.«

Leser-Kommentare
  1. ...zeigt sich vieles erst ein paar Jahre später. Früher war es z.B. so, dass die Kinder in dieser Zeit gar keinen Kontakt zur Mutter hatten. Da kamm es nicht selten vor, dass die Kinder Monatelang im Brutkasten lagen und im grunde keinen körperlichen Kontakt hatten - obwohl das für das Urvertrauen zur Mutter unabdongbar ist. Die Auswirkungen bekommt man aber erst Jahrzehnte später zu spüren...

  2. Auch hätte ich mir gewünscht, das der Beiträg mehr auf die späteren psychischen Probleme Frühgeborener eingegangen wäre...

  3. Alles was medizinisch möglich ist muss nicht immer das beste sein. Die Natur war immer das beste Korrektiv. Und wer soll das alles bezahlen?

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    ...wenn es so etwas nicht geben würde, dann würde ich nicht seit 30 Jahren leben...

    Soll ich mich jetzt umbringen weil die Natur es sich bei mir vielleicht anders überlegt hat? Seien Sie froh dass Sie mir so etwas nicht ins Gesicht gesagt haben...

    Noch etwas: Meine Generation wird Ihre Rente zahlen...aber wir können es uns ja so gut leisten weniger zu haben...

    • minhen
    • 27.06.2010 um 12:28 Uhr

    Die Lebenserwartung ab Geburt war praktisch während der gesamten Menschheitsgeschichte immer um die 30 Jahre. Wollen Sie dorthin zurück? Diese Lebenserwartung entspräche wohl dem, was Ihr natürliches Korregtiv für unsere Spezies bereit hält.

    Was Sie bei Ihrer eugenischen Weltsicht ignorieren ist, nebenbei gesagt, dass der Artikel auch explizit erwähnt, dass knapp die Hälfte der Frühchen später vollkommen normal und ohne derartige Folgen lebt.

    • VMK
    • 27.06.2010 um 18:05 Uhr

    … auch ein Vertreter der Möchtegern-Wissenschaft Germanische Neue Medizin?

    Ich bin zwar keine Frühgeburt, war aber eine SGA (Small For Gestational Age - klein bezogen auf das Entwicklungsalter). Dadurch lag ich auch fast zwei Monate als Neugeborenes im Krankenhaus. Vielleicht verlief meine Entwicklung nicht so reibungslos, aber bei welchen Kindern kann man das schon sagen? Das einzige, mit dem ich heutzutage Probleme habe, ist dass ich leicht untergewichtig bin obwohl ich normal esse. Das muss auch nicht zwangsläufig mit SGA zusammenhängen.

    Ich will leben. Und ich kann leben. Ich bin voll in die Gesellschaft integriert, habe Arbeit und werde bald studieren.

    Außer den zwei Monaten am Anfang meines Lebens hatte ich übrigens keinen einzigen stationären Krankenhausaufenthalt mehr. So viel zum Thema, wer das alles bezahlen soll.

    wenn ihre Tochter, Enkelin oder womöglich selbst davon betroffen wären??

    @Herrn Peter1958,

    ich bin die Mutter von Rene-Noel, seien Sie mir bitte nicht böse, aber was sie sich anmaßen, schlägt ja dem Fass den Boden aus. Wer soll das bezahlen? Na wenn das ihre größe Sorge ist, dann möchte ich nicht in ihrer Haut stecken. Übrigens, Rene hat einen IQ von 110 und er entwickelt sich prima. Obwohl er so einen schweren Start gehabt habt, kann sich mancher (Erwachsener ;-)) von ihm noch eine Scheibe abschneiden, was Verständis oder Taktgefühl angeht. Ich wünsche ihnen und ihrer Familie trotzdem noch einen schönen Sonntagabend.

    LG Anita S.

    ...naja , wenn das alles folgenlos im Sinne von kostenintensiven organischen Folgeerkrankungen und seelischer Schädigung bliebe, könnte man das "Geschaft" ja noch aus kaufmännischer Sicht vertreten, aber die Lebenserwartung eines Extrem-Frühchens ist ja wohl auch nicht so ganz im Sinne der Rentenerarbeitung oder?

    ...wenn es so etwas nicht geben würde, dann würde ich nicht seit 30 Jahren leben...

    Soll ich mich jetzt umbringen weil die Natur es sich bei mir vielleicht anders überlegt hat? Seien Sie froh dass Sie mir so etwas nicht ins Gesicht gesagt haben...

    Noch etwas: Meine Generation wird Ihre Rente zahlen...aber wir können es uns ja so gut leisten weniger zu haben...

    • minhen
    • 27.06.2010 um 12:28 Uhr

    Die Lebenserwartung ab Geburt war praktisch während der gesamten Menschheitsgeschichte immer um die 30 Jahre. Wollen Sie dorthin zurück? Diese Lebenserwartung entspräche wohl dem, was Ihr natürliches Korregtiv für unsere Spezies bereit hält.

    Was Sie bei Ihrer eugenischen Weltsicht ignorieren ist, nebenbei gesagt, dass der Artikel auch explizit erwähnt, dass knapp die Hälfte der Frühchen später vollkommen normal und ohne derartige Folgen lebt.

    • VMK
    • 27.06.2010 um 18:05 Uhr

    … auch ein Vertreter der Möchtegern-Wissenschaft Germanische Neue Medizin?

    Ich bin zwar keine Frühgeburt, war aber eine SGA (Small For Gestational Age - klein bezogen auf das Entwicklungsalter). Dadurch lag ich auch fast zwei Monate als Neugeborenes im Krankenhaus. Vielleicht verlief meine Entwicklung nicht so reibungslos, aber bei welchen Kindern kann man das schon sagen? Das einzige, mit dem ich heutzutage Probleme habe, ist dass ich leicht untergewichtig bin obwohl ich normal esse. Das muss auch nicht zwangsläufig mit SGA zusammenhängen.

    Ich will leben. Und ich kann leben. Ich bin voll in die Gesellschaft integriert, habe Arbeit und werde bald studieren.

    Außer den zwei Monaten am Anfang meines Lebens hatte ich übrigens keinen einzigen stationären Krankenhausaufenthalt mehr. So viel zum Thema, wer das alles bezahlen soll.

    wenn ihre Tochter, Enkelin oder womöglich selbst davon betroffen wären??

    @Herrn Peter1958,

    ich bin die Mutter von Rene-Noel, seien Sie mir bitte nicht böse, aber was sie sich anmaßen, schlägt ja dem Fass den Boden aus. Wer soll das bezahlen? Na wenn das ihre größe Sorge ist, dann möchte ich nicht in ihrer Haut stecken. Übrigens, Rene hat einen IQ von 110 und er entwickelt sich prima. Obwohl er so einen schweren Start gehabt habt, kann sich mancher (Erwachsener ;-)) von ihm noch eine Scheibe abschneiden, was Verständis oder Taktgefühl angeht. Ich wünsche ihnen und ihrer Familie trotzdem noch einen schönen Sonntagabend.

    LG Anita S.

    ...naja , wenn das alles folgenlos im Sinne von kostenintensiven organischen Folgeerkrankungen und seelischer Schädigung bliebe, könnte man das "Geschaft" ja noch aus kaufmännischer Sicht vertreten, aber die Lebenserwartung eines Extrem-Frühchens ist ja wohl auch nicht so ganz im Sinne der Rentenerarbeitung oder?

  4. ...wenn es so etwas nicht geben würde, dann würde ich nicht seit 30 Jahren leben...

    Soll ich mich jetzt umbringen weil die Natur es sich bei mir vielleicht anders überlegt hat? Seien Sie froh dass Sie mir so etwas nicht ins Gesicht gesagt haben...

    Noch etwas: Meine Generation wird Ihre Rente zahlen...aber wir können es uns ja so gut leisten weniger zu haben...

    • minhen
    • 27.06.2010 um 12:28 Uhr

    Die Lebenserwartung ab Geburt war praktisch während der gesamten Menschheitsgeschichte immer um die 30 Jahre. Wollen Sie dorthin zurück? Diese Lebenserwartung entspräche wohl dem, was Ihr natürliches Korregtiv für unsere Spezies bereit hält.

    Was Sie bei Ihrer eugenischen Weltsicht ignorieren ist, nebenbei gesagt, dass der Artikel auch explizit erwähnt, dass knapp die Hälfte der Frühchen später vollkommen normal und ohne derartige Folgen lebt.

    • VMK
    • 27.06.2010 um 18:05 Uhr

    … auch ein Vertreter der Möchtegern-Wissenschaft Germanische Neue Medizin?

    Ich bin zwar keine Frühgeburt, war aber eine SGA (Small For Gestational Age - klein bezogen auf das Entwicklungsalter). Dadurch lag ich auch fast zwei Monate als Neugeborenes im Krankenhaus. Vielleicht verlief meine Entwicklung nicht so reibungslos, aber bei welchen Kindern kann man das schon sagen? Das einzige, mit dem ich heutzutage Probleme habe, ist dass ich leicht untergewichtig bin obwohl ich normal esse. Das muss auch nicht zwangsläufig mit SGA zusammenhängen.

    Ich will leben. Und ich kann leben. Ich bin voll in die Gesellschaft integriert, habe Arbeit und werde bald studieren.

    Außer den zwei Monaten am Anfang meines Lebens hatte ich übrigens keinen einzigen stationären Krankenhausaufenthalt mehr. So viel zum Thema, wer das alles bezahlen soll.

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    Das Menschen wie wir gewohnt sind vom ersten Moment an zu kämpfen und daher nicht so schnell im Leben aufgeben...WIR haben es schließlich geschafft...

    Das Menschen wie wir gewohnt sind vom ersten Moment an zu kämpfen und daher nicht so schnell im Leben aufgeben...WIR haben es schließlich geschafft...

  5. Das Menschen wie wir gewohnt sind vom ersten Moment an zu kämpfen und daher nicht so schnell im Leben aufgeben...WIR haben es schließlich geschafft...

    Antwort auf "Sie sind wohl…"

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